In Ober.Ramstadr werden u.a. Baufarben bevorratet.
Ein Blick in das modernisierte Distributionszentrum Ober-Ramstadt
Der Baufarben- und Wärmedämmungshersteller Deutsche Amphibolin-Werke (DAW) mit Marken wie Alpina oder Caparol stand 2019 vor der Herausforderung, die bestehende IT-Infrastruktur abzulösen, die Bestandslager zu erweitern sowie die Prozesse im Lager zu optimieren und zu automatisieren. Deshalb hatte man sich für S/4 Hana als ERP-System der gesamten Gruppe und für das „Extended Warehouse Management“ (EWM) als Lagerverwaltungssystem entschieden. Um die gesamte Supply Chain zu optimieren, sollten die sowohl extern als auch auf dem Werksgelände verteilten Lagerstandorte vereint werden. Hierfür war mehr Lagerkapazität zu schaffen und die Lagerprozesse mussten optimiert werden.
Dies sollte u.a. durch die Errichtung eines automatisierten Hochregallagers, eines Autostore-Systems und eines dynamischen Kommissionierpuffers erreicht werden. Gleichzeitig war es Ziel, manuelle Bereiche und Bestandanlagen in die automatisierten Prozesse integrieren. Die Automatisierung sollte die Arbeit der Logistikmitarbeiter erleichtern, auch in Bezug auf ergonomische Kriterien.
Das Projekt umfasste auch die softwareseitige Integration aller Anlagen. Um zukunftssicher und effizient in der Steuerung zu sein, fiel die Wahl auf SAP EWM als dominierendes System. Da S/4 Hana zu diesem Zeitpunkt noch nicht eingeführt worden war, fiel die Wahl auf ein dezentrales SAP EWM. „Das Projekt bestand aus mittel- und langfristigen Zielen“, erläutert Jörg Martin, Leiter Fertigwarenlager bei DAW, denn mittelfristig sollte SAP WM und die Bestandsanlagen durch EWM und das Materialflusssystem (MFS) abgelöst werden. Langfristig mussten die EWM-Prozesse mit dem Baufortschritt und den damit verbundenen Inbetriebnahmen mitwachsen.
Im April 2020 begannen die Bauarbeiten für das neue Logistikzentrum in Ober-Ramstadt. Eröffnet im September 2022, umfasst es ein automatisiertes Hochregallager mit 30.000 Palettenstellplätzen, ein Autostore-System für Kleingebinde mit drei Komissionierplätzen und 12.000 Behältern für 3.500 Artikel sowie einen automatisierten, dynamischen Kommissionierpuffer mit ca. 1.500 Palettenplätzen und sechs Kommissionierplätzen.
Autostore arbeitet mit sieben Robotern im Drei-Schicht-Betrieb, die die benötigten Behälter an einen der vier Arbeitsplätze, sogenannte Ports, fahren. Die Bestandsübersicht erfolgt zentral im EWM. Elektro-Hängebahnen versorgen das Pufferlager, Autostore und die Kommissionierplätze. Die Paletten gelangen über einen Fördertechnik-Loop in eine der acht Gassen des Hochregallagers, die Ein- und Auslagerung erfolgt automatisch per Regalbediengerät. Die manuelle Kommissionierung umfasst 1.200 Kommissionierungs-Plätze.
Das Hochregallager ist nichts Neues, sondern ganz normaler Maschinenbau. Der wirkliche Knackpunkt ist die Lagersteuerung, denn Logistik ist heute IT. Wie schafft man es, einen Auftrag in die verschiedenen Lagerbereiche zu splitten, so dass am Ende alle Positionen zur richtigen Zeit auf dem richtigen Lkw bereitstehen? Dieses Zusammenführen der Logistikbereiche und das Steuern der Aufträge ist mathematisch sehr komplex und war eine der schwierigsten Aufgaben, die es zu lösen galt.
Ein weiteres Ziel des Modernisierungsvorhabens war die Reduzierung der Wege für die Mitarbeiter, indem man auf das Prinzip „Ware-zur-Person“ setzte. Dies steigert die Effizienz im neuen DAW-Fertigwarenlager. Außerdem wurden die automatischen Lageranlagen direkt in SAP EWM integriert
Zunächst lösten die EWM-Experten von Logiplus das SAP-basierte Lagersystem WM durch ein dezentrales EWM ab. Dank der Optimierung des Materialflusses mit MFS konnten Automatisierungslösungen wie Autostore und ein Staplerleitsystem integriert werden. S/4 Hana wurde dann als ERP-System nachgelagert eingeführt und vervollständigt heute die automatisierte Intralogistiklandschaft des Hauptstandorts der DAW.
Aufgrund der unterschiedlichen Automatikgewerke war der größte Vorteil laut Lagerleiter Jörg Martin, dass alles über EWM MFS angebunden werden konnte; EWM sei somit zur zentralen Steuereinheit aller Prozessabläufe geworden. „Die Umsetzung fand im laufenden Betrieb statt - und der Lieferservice zum Kunden wurde in jeder Phase des Projektes sichergestellt“, lautet Martins Fazit. „Durch das Gesamtprojekt konnten externe Lageraktivitäten komplett wieder an den Standort Ober-Ramstadt zurück integriert werden.“
Die erweiterten Lagerkapazitäten ermöglichen es DAW nun, alle Produkte und Verpackungen an einem Standort zu vereinen. Dies verbessert die Verfügbarkeit der Artikel, stabilisiert die Prozesse und steigert den Lieferservice für Kunden. Der Materialfluss wurde optimiert, insgesamt stieg der Output um 57 Prozent auf etwa drei Millionen Lieferscheinpositionen pro Jahr.
Bildquelle: DAW