Neue SAP-IT-Infrastruktur mit Hana-on-Power, Suse und Blue Stec

Winterhalter auf dem S/4-Hana-Pfad

Bekanntlich hängt bei jedem SAP-Einsatz eine Menge von der sich im Einsatz befindlichen IT-Infrastruktur ab. Der Grund liegt auf der Hand: damit die Anwendungen stets so genutzt werden können und das erledigen, was sie sollen ­– aber auch, damit die Applikationsumgebung flexibel erweitert werden kann.

  • Spülmaschinen in der Großküche

    Spülmaschinen in der Großküche

  • Spülmaschine von Winterhalter im Einsatz

Infrastrukturseitig hat der langjährige IBM-i-Anwender Winterhalter die Grundlage für den Wechsel vom klassischen, Netweaver-basierten Anwendungssystem SAP-System ERP Central Component (ECC) in Richtung S/4 Hana mit einer neuen Hana-on-Power-Umgebung und Lösungen von Suse bereits geschaffen. Und zwar unterstützt vom Lüneburger Consulting-Partner Blue Stec.

„Hidden Champion“ global aktiv

Winterhalter zählt zu den mittelständischen „Hidden Champions“ hierzulande – und versteht sich als Global Player. Denn geht es um gewerbliche Spülmaschinen, kommt man an Winterhalter nicht vorbei. Das Familienunternehmen mit Stammsitz in Meckenbeuren am Bodensee beschäftigt weltweit rund 1.700 Menschen und kam im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von zirka 350 Mio. Euro.

2017 wurden mehr als 45.000 Maschinen weltweit abgesetzt; Untertischspülmaschinen ebenso wie Durchschubspülmaschinen, Gerätespülmaschinen, Korbtransportspülmaschinen oder Bandtransportspülmaschinen. Man unterhält dafür rund um den Globus 45 eigene Vertriebs- und Serviceniederlassungen – arbeitet zudem mit Vertriebspartnern zusammen.

Ein Teil eben jener Vertriebs- und Servi­ce­niederlassungen, insbesondere solche, bei denen SAP bisher noch nicht im Einsatz ist, sollen demnächst als erste mit S/4 Hana arbeiten – und zwar mit S/4 Enterprise Management (EM). „Die neue Infrastruktur­umgebung dafür steht und wurde mehrfach getestet. Derzeit geht es nur noch um das anwendungsseitige Feintuning“, berichtet Winterhalters IT-Leiter Erhard Klein. Vermutlich in drei bis vier Jahren soll S/4 Hana dann unternehmensweit bzw. flächendeckend genutzt werden. Das bedeutet auch, dass dann das SAP-Kernsystem am Stammsitz mit den Anwendungen für das Finanzwesen und die Logistik/Produktion auf S/4 Hana umgestellt sein soll.

Bis dahin laufen SAP ECC auf dem Power-System i und S/4 Hana auf Power mit Suse SLES for SAP Applications inklusive der „High Availability Extension“ (HAE) sozusagen im gemischten SAP-Betrieb in zwei Rechenzentren. Das ebenfalls genutzte SAP BW wird auf Hana (BW on Hana) migriert. Ferner wird derzeit der Aufbau der Hana-Systemlandschaft für das Core-ECC-System (Suite-on-Hana-Nutzung) realisiert. Insgesamt gibt es bei Winterhalter rund 900 SAP-User.

Verfügbarkeit signifikant verbessert

Ein Abschied von den Power-Maschinen kam für Winterhalter nicht in Frage. „Wir hatten mit unserer IBM i/Power-Umgebung stets gute Erfahrungen gemacht. Warum dann die Pferde wechseln?“, so Klein. Das gelte auch Suse Linux, das seit längerem im Non-SAP-Bereich im Einsatz ist. „Das Gespann Hana-on-Power und Suse SLES for SAP Applications war somit für uns erste Wahl”.

Auf Vorschlag von Blue Stec entschied sich Winterhalter außerdem dafür, beim S/4-Hana-Einsatz Suse SLES for SAP Applications HAE zu verwenden. Diese Clustersoftware basiert auf einer Open-Source-Lösung namens Pacemaker und wurde für den Hana-Einsatz optimiert, denn Winterhalter braucht heute bei einem 24x7-IT-Betrieb möglichst hohe Hochverfügbarkeit. Laut Jürgen Kohrell, Berater bei Blue Stec, wird mit dieser Cluster-Software das Warten auf die Wiederverfügbarkeit der SAP-Nutzung nach einem Systemausfall gegenüber der bisherigen HA-oder DR-Lösung von etwa 45 auf drei bis fünf Minuten verkürzt. Außerdem  erfolge das Umschalten von einem auf ein anderes Hana-System automatisch.

Bei der ECC/IBM-i-Umgebung setzt Winterhalter bisher auf HA-/DR-Storage sowie Live Partition Mobility. Für den anvisierten S/4-Hana-Einsatz – zum Beispiel in Australien, Japan, China, Italien oder Polen – gibt es eine Ein-Knoten-Datenbank-Landschaft mit SAP System Replication samt Nutzung von Suse HAE. Die Spiegelung (Replikation) erfolgt vom primären auf einen sekundären Knoten. Dabei wird von der Cluster-Software automatisch erkannt, wenn eine Partition oder eine (System-)LPAR nicht mehr erreichbar oder verfügbar ist.

Via Systemreplikation laufen eine Primär- sowie eine Sekundär-Hana-Datenbank im Cluster, die faktisch einen identischen Zustand aufweisen. Im Fall der Fälle schaltet der Cluster vom primären System innerhalb einer entsprechenden Zeit um und tauscht die Rolle auf den anderen Knoten. Danach wird die Hana-Datenbank automatisch hochgefahren; auch die Applikationsserver verbinden sich ohne manuelles Zutun wieder mit der Datenbank. Das System ist dann nach drei bis fünf Minuten wieder betriebsbereit bzw. online. „Das wurde mehrfach erfolgreich durchgespielt“, merkt dazu Kohrell an.

Vom Hana-Hosting Abstand genommen

Wie viele andere SAP-Anwender ist man auch bei Winterhalter bedacht, über eigenes SAP-Betriebs-Know-how zu verfügen. Gerade bei einem Technologiewechsel – und ein solcher stellt Hana nun einmal dar – ist es notwendig, sich zuerst einmal dezidierte Kenntnisse aufzubauen. Das dauert eine gewisse Zeit „Deshalb haben wir ins Kalkül einbezogen, einige IT-Betriebstätigkeiten nach außen zu verlagern“, so IT-Leiter Klein. Anfänglich liebäugelte er mit Hana- oder SAP-Infrastruktur-Hosting, um sich auf die S/4-Hana-Anwendungen konzentrieren zu können. Dies sei aber nach Abwägung verfügbaret Erfahrungswerte wieder verworfen worden. Klein hat dann eine eigene Hana-IT-Infrastruktur mit Hana-on-Power und Suse SLES for SAP Applications aufgebaut.

S/4-anwendungsseitig wird auf Unterstützung von der Itelligence AG zurückgegriffen, mit der bereits der ECC-Einsatz auf IBM i realisiert wurde. Wobei derzeit das S/4-Hana-Major-Release 1709 (mit Hana 2.0) im Einsatz ist, zusammen mit fünf Hana-on-Power-Systemen 822L sowie Suse Linux Enterprise Server for SAP Applications in der Version 12.2. Neben den neuen S/4-Hana-Systemen gibt es 18 SAP-Systeme (dreistufige Systemlandschaft für Entwicklung, Qualitätssicherung und Produktion).

Hana-on-Power und Suse im Duett

Bekanntlich war IBM mit Power später als die Intel-basierte Konkurrenz in den Hana-Server-Markt eingestiegen. Hana kam 2010 auf den Markt, Hana-on-Power (HoP) erst im Augsut 2015 – holt aber kräftig auf. Wie auf der Sapphire 2018 bekannt wurde, „entschieden sich allein in einem Quartal in diesem Jahr rund 1.250 Unternehmen für HoP zusammen mit Suse SLES for SAP Applications“.

Im Wesentlichen werden drei Pluspunkte für HoP ins Feld geführt: Erstens eine hohe Flexibilität bei Nutzbarkeit und Erweiterbarkeit. Zweitens umfangreiche RAS-Funktionen (Zuverlässigkeit, Verfügbarkeit und Wartbarkeit) beim SAP-Einsatz. Und zum Dritten die Performance der Power8- und Power9-Server. IBM bevorzugt nach eigenen Angaben Suse SLES for SAP Applications, insbesondere weil es sich dabei um die Entwicklungsplattform der SAP handelt, die weitreichende Funktionalität speziell für den Hana-Einsatz zur Verfügung stellt.

Bildquelle: Winterhalter

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