Viele Veränderungen nach der Übernahme des SAP-Partners Freudenberg IT

Zäher Start für Syntax

Gut Ding will Weile haben! Das weiß schon der Volksmund. Das gilt speziell auch für die Übernahme des SAP-Partners Freudenberg IT durch den kanadischen Investor Novacap und seine ERP-Tochter Syntax. Sie wurde zwar bereits Ende Februar vollzogen, doch die Homepage ist immer noch ganz die alte – selbst wenn sich der Firmenname des Weinheimer IT-Dienstleisters bereits in „FIT a Syntax company“ geändert hat. Im Impressum lautet der Name bereits Syntax Systems GmbH.

Syntax-CEO Christian Primeau

Syntax-CEO Christian Primeau am 11. April auf dem Customer Innovation Day 2019

Der Automobilzulieferer Freudenberg hat im vergangenen Jahr zusammen mit dem Management der Tochter Freudenberg IT (FIT) verschiedene strategische Optionen zu deren bestmöglicher Entwicklung geprüft.

„Als Ergebnis dieses Prozesses hat Freudenberg die FIT mit Wirkung Ende Februar 2019 an die kanadische Syntax-Gruppe übergeben“, heißt es im Geschäftsbericht. Dahinter steht der Investor Novacap, der kurz darauf auch noch den amerikanischen Oracle-Partner Emerald Cube übernahm und jetzt seine drei Software-Töchter unter dem Dach von Syntax zu einem global agierenden IT-Full-Service-Provider mit einem klaren IT-Wachstumskurs zusammenführen will. Zum erlösten Kaufpreis wird nichts gesagt; allerdings steht FIT noch mit einem Wert von rund 104 Mio. Euro in der Bilanz für das Jahr 2018.

Diese langwierigen Verhandlungen haben offenbar zu einer Verunsicherung der FIT-Kunden geführt, denn der Umsatz sank 2018 um gut 4,7 Prozent, von 173,0 Mio. auf 164,8 Mio. Euro. Auch die Mitarbeiterzahl schrumpfte leicht, von 886 auf 870. Bereits im Jahr 2016 hatte der Umsatz mit 165,0 Mio. Euro auf dem aktuellen Niveau gelegen; 2015 waren es 152,8 Mio. Euro. Laut Geschäftsbericht bedient FIT über 34.000 SAP-Anwender weltweit.

Neue Geschäftsführung

Die Geschäftsführung in Weinheim ist mittlerweile völlig neu formiert, denn die beiden langjährigen FIT-Chefs Horst Reichardt (CEO) und Wolfgang Schneider (CFO) haben das Unternehmen verlassen. An ihre Stelle getreten sind Syntax-CEO Christian Primeau und Novacap-Partner Thadeus Mocarski.

Weitere Geschäftsführer der Syntax Systems GmbH (ehemals Freudenberg IT GmbH) sind Europa-Chef Ralf Sürken, der seit Juli 2016 an Bord ist, und die FIT-Managerin Dawn McNabb, die von der amerikanischen Tochter nach Deutschland gewechselt ist und ihren Job mit dem bisherigen Geschäftsführer Markus Stotz getauscht hat und nun als CFO Europe amtet. Stotz ist nun CFO Americas.

Service-Angebot noch im Aufbau

Sürken allein sorgt also für die nötige Konstanz im hiesigen Management. Inwieweit sich das Service-Angebot in Deutschland durch die Eingliederung in den amerikanischen Oracle-Partner Syntax ändert, bleibt abzuwarten. Das ERP-System JD Edwards, dessen Anwendern Syntax in Amerika Service anbietet, soll jedenfalls in Deutschland nicht aktiv vermarktet werden, sagte Marketing-Chef Peter Schütte auf Anfrage von DV-Dialog. „Wenn aber ein Kunde kommt und nach Support für JD Edwards fragt, werden wir nicht Nein sagen“, so Schütte weiter. Das Know-how sei im Hause schließlich vorhanden; es wurde mit der Übernahme des Oracle Partners Emerald Cube am Jahresbeginn sogar noch erweitert.

Mit Emerald Cube hat sich Syntax außerdem Know-how für die Amazon-Cloud eingekauft, erklärt Schütte – wenn auch Emerald Cube bisher auf JD Edwards fokussiert war. FIT dagegen war bislang einzig und allein auf Microsoft Azure fokussiert; Unterstützung für die Google Cloud Plattform, dritte Option im neuen Embrace-Programm der SAP, sei aktuell nicht angedacht. Auf keinen Fall werde man mit deutschen SAP-Kunden über einen Umstieg auf Oracle-Produkte sprechen.

„Die drei Unternehmen ergänzen sich perfekt“, erklärte CEO Christian Primeau am 11. April auf dem Customer Innovation Day 2019 vor über 500 Teilnehmern. „Wir teilen die gleichen Werte hinsichtlich unserer Fokussierung etwa auf Kundennutzen und Respekt gegenüber den Mitarbeitern – gleichzeitig fügen sich unsere Angebote ohne große Überschneidungen optimal ineinander. Gemeinsam werden wir zum größten unabhängigen Multi-ERP-Anbieter in der Cloud.“ Um das wirklich zu werden, müsste Syntax neben JD Edwards und SAP auch noch weitere ERP-Systeme anbieten, wie zum Beispiel Microsoft Dynamics, IFS oder die Infor Cloud-Suite.

Unabhängiger Multi-ERP-Anbieter

„Ich bin sehr glücklich über die vielen guten Gespräche, die ich hier in Frankfurt mit Kunden auch zum Thema Syntax führen konnte“, sagte Europa-Chef Sürken. „Unterm Strich habe ich gespürt, dass unsere Kunden wissen und Vertrauen darin haben, dass das, was wir tun, immer in ihrem Sinne und zu ihrem Nutzen geschieht.“ Syntax, der bislang in Kanada und Nordamerika agierende ERP-Spezialist, werde derzeit zu einem neuen globalen IT-Service-Unternehmen umgebaut. Die endgültige Zusammenlegung der ehemaligen FIT mit der Marke Syntax werde in den kommenden Monaten erfolgen.

FIT a Syntax company versteht sich als globaler Cloud-Anbieter und IT-Dienstleister für den gehobenen Mittelstand. Beheimatet in der Automobil- und Fertigungsindustrie, will man nahezu alle Facetten der SAP-Landschaft abdecken, von Managed-Services im Bereich des Applikationsmanagements über SAP-Lizenzen und Anwendungen im Bereich „Industrie 4.0“ bis hin zur Beratung rund um die Implementierung von S/4 Hana. Eine ergänzende Partnerschaft mit Microsoft ermöglicht zudem die gezielte Unterstützung von Kunden bei der Digitalisierung moderner Arbeitsplatzumgebungen.

Update: „Wir hadern ehrlich gesagt ein kleines bisschen mit dem gewählten Titel Ihrer Meldung", meldete sich Marketing-Leiter Peter Schütte heute aus seinem Urlaub zu unserer am Freitagabend veröffentlichten Meldung. „Die aktuell laufende Brand-Transition (von 'Freudenberg IT / FIT' über 'FIT - a Syntax Company' bis final dann 'Syntax') erfolgt plangemäß schrittweise und wurde auch genau so am 11. April - anlässlich unserer Konferenz in Frankfurt - angekündigt/vorgestellt. Die Formulierung 'zäher Start' wirft deshalb aus unserer Sicht - im Zusammenhang mit dem einleitenden Verweis auf den Status der bisherigen Freudenberg IT-Website - ein doch sehr negatives Licht auf einen Prozess, der wie beschrieben planmäßig erfolgt. Aus unserer Sicht machen schnelle 'kosmetische' Maßnahmen im Brand-Kontext keinen Sinn, deshalb räumen wir der Transition die dafür nötige Zeit ein.“

Schütte schreibt auch: „Die Zahlen zu 2018 stimmen selbstverständlich so, wie durch die Freudenberg-Gruppe veröffentlicht. Und natürlich hat sich eine einjährige M&A-Phase auch – wie in unserem Telefonat besprochen – auf das letztjährige Ergebnis ausgewirkt. An der Stelle ist uns nur nochmal sehr wichtig zu betonen, dass diese prozessgeschuldete Entwicklung in keinem Zusammenhang mit Syntax oder dem 'Start der neuen Syntax' steht. Es sind die gleichen Startvoraussetzungen, mit denen jeder potentielle Käufer hätte umgehen müssen – und es ist auch aus M&A-Perspektive eine durchaus übliche Situation.“

Bildquelle: Syntax

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