Geht doch: Unified-Commerce mit AS/400 & Co.

Zentraler Datenhub für Integration

Unified-Commerce nennt man es, wenn Handel automatisiert über alle Kanäle, Geschäftsprozesse und Systemgrenzen hinweg funktioniert. Was aber, wenn dazu ERP-Klassiker wie AS/400 mit modernen Webshop-Systemen kommunizieren müssen? Dann kann vielfach mit einem zentralen Datenhub die notwendige Brücke geschlagen werden.

  • Boris Krstic, Actindo AG

    Unser Autor Boris Krstic ist Vorstandsvorsitzender der Actindo AG.

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Damit Unified-Commerce gelingen kann, braucht es auf der einen Seite als Schaufenster und Ladentheke zum Kunden moderne Webshop-Lösungen und auf der anderen Seite leistungsfähige IT-Systeme, die die klassischen ERP-Aufgaben im Unternehmen unterstützen und so für durchgängige und effiziente Wertschöpfungsprozesse sorgen.

Oft stammen beide Seiten allerdings aus unterschiedlichen Technologie-Generationen und sprechen nicht die gleiche Sprache: Webshop-Systeme wie Shopware, Magento oder Shopify hier, ERP-Klassiker wie AS/400 bzw. iSeries und IBM Power i dort. Wie lassen sich beide Welten intelligent vernetzen, damit das volle Handelspotenzial über alle Kanäle hinweg ausgeschöpft werden kann?

Warum es sich lohnt

Digitaler Handel ist im B2C-Markt längst Normalität: Viele Hersteller und Händler – allen voran beispielsweise Branchen wie Bekleidung und Elektronik – nutzen daher neben dem stationären Handel in einem Direct2Customer-Modell (D2C) auch eigene Online-Kanäle, um ihre Produkte selbst an Mann und Frau zu bringen.

Andere denken im Zuge der Corona-Krise darüber nach, weil sie sich breiter aufstellen und ihr Business so krisenfester machen wollen. Im B2B-­Segment entwickelt sich E-Commerce langsamer, aber auch hier kann er dazu beitragen, auf einfache Weise ­industrielle Lieferketten beispielsweise für Standardprodukte und Ersatzteile zu automatisieren und neue Ziel­gruppen zu adressieren.

Alle stehen vor der Herausforderung, klassische ERP-Funktionen so mit modernem E-Commerce zu verzahnen, dass die gewünschten Kanäle genutzt und mit effizienten Prozessen bedient werden können. Die Frage ist: Was braucht es, um aus einer IT-Architektur eine leistungsfähige Unified-Commerce-Umgebung zu machen?

Unified-Commerce: Was dazu gehört

Digitaler Handel ist weit mehr als die Eröffnung oder Nutzung eines eigenen Webshops. Damit alle Online-Kanäle ebenso wie die stationären Vertriebswege effizient funktionieren können, braucht es beispielsweise auch systematisches Management von Produktdaten und -informationen. Das beginnt bei ganz einfachen Merkmalen, umfasst aber – je nach Marktsegment – auch notwendige technische Spezifikationen und Zertifizierungen und schließt darüber hinaus konsistente markenkonforme Bilder und Produktbeschreibungen ein – möglicherweise in mehreren Sprachen.

Viele dieser Daten sind üblicherweise in unterschiedlichen IT-Systemen im Unternehmen verteilt. Sie müssen aus den ERP- und Buchhaltungssystemen oder Marketing-Applikationen gezogen und für automatische Produktdaten-Uploads auf Online-Portale gesammelt, umgewandelt und im gewünschten Format bereitgestellt werden.

Zentraler Datenhub für Daten-Transformation

Gerade für Firmen, die immer noch erfolgreich mit altbewährten ERP-Systemen aus AS/400-Zeiten arbeiten, ist es sinnvoll, für die Datenkommunikation auf Systemebene ebenso wie für das Management von Produktdaten und -informationen einen zentralen Datenhub zu nutzen.

Der Hub fungiert wie eine zentrale „Daten-Drehscheibe“ innerhalb einer IT-Architektur: Hier werden Informatio­nen aus den verschiedenen Systemen zentral gespeichert und mit einem mehrstufigen Daten-Mapping automatisch in benötigte Formate umgewandelt und durch weitere Daten angereichert, so dass sie einfach und in Echtzeit zur Nutzung in anderen Zielsystemen bereitstehen.

Auch Daten aus AS/400- oder IBM-i-Systemen lassen sich, beispielsweise im CSV-Format, einfach per Automatoren-Jobs in regelmäßigen Abständen über einen solchen Datenhub im- und exportieren, so dass Datenfluss und Geschäftsprozesse auf einfache Weise über alle Systeme hinweg durchgängig und weitestgehend automatisiert ablaufen können.

Wie Unternehmen verschiedene Kundensegmente durch eine gezielte Omnichannel-Strategie erfolgreich mit ihren Produkten bedienen können, zeigt die IT-Architektur eines Actindo-Kunden: Das Unternehmen aus der Bekleidungsbranche ist international mit mehreren Tausend stationären „Points of Sale“ vertreten und bedient gleichzeitig eigene Online-Marken-Shops, bekannte Mode-­Plattformen sowie einen B2B-Kanal für Corporate Clothing.

Kundensegmente zielgenau adressieren

Die IT-Architektur für diese Omnichannel-Strategie hat im Wesentlichen drei Ebenen: Zur ersten Ebene gehören Spezialsysteme wie die AS/400 für Produktionsunterstützung, SAP Financials für die Buchhaltung sowie Lösungen für Lagermanagement und Business Analytics. Auf der mittleren Ebene sorgt der zentrale Datenhub gemeinsam mit der Unified-Commerce-Suite für die Aufbereitung von Daten und Prozessen für die Anbindung der Online-Kanäle.

Von hier aus werden Plattformen wie Tradebyte, Zalando, Amazon und Otto direkt mit Produktdaten bestückt. Von hier aus wird auch der eigene Webshop, realisiert auf Basis von Shopware, mit Produktinfos gefüttert und für zahlreiche europäische Länder lokalisiert. Ein Subshop dieses Mastershops fungiert zusätzlich als B2B-Plattform und erlaubt Unternehmenskunden ihr Corporate-Clothing mit individueller Logo-Bestickung direkt online zu ordern.

Wenn alle Systeme auf diese Weise zusammenspielen, können die Wertschöpfungsprozesse direkt und automatisiert ineinandergreifen. Es entsteht Unified-Commerce, der dem Kunden ebenso dient wie dem Anbieter – und in dem IBM i ebenso eine Rolle spielen kann wie moderne Webshop-Systeme.

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