Massive IT-Störung beim Lebensmittelhändler Tegut

Ziel eines Cyberangriffs

Unbekannte haben Ende April einen Cyberangriff auf das IT-Netz von Tegut verübt. Sämtliche IT-Netze der Zentrale in Fulda sind daraufhin gemäß Notfallplan heruntergefahren und vom Netz genommen worden. Immer noch wird an der Beseitigung und Eingrenzung des Schadens gearbeitet.

Betroffen waren bei Tegut unter anderem auch die eingesetzten Warenwirtschaftsprogramme von SAP, die in der Logistik die Disposition steuern. Dadurch kam zu Engpässen bei der Warenverfügbarkeit. Diverse Gutscheine konnten nicht eingelöst werden – und einige Schnittstellen der Website mussten deaktiviert werden. Die Lokalpresse berichtet von Lücken in den Regalen und langen Schlangen an der Kasse.

Der Krisenstab hat laut Firmensprecher Matthias Pusch die Sicherheitsbehörden informiert; man arbeite man mit IT-Experten mit Hochdruck daran, den Normalbetrieb wieder herzustellen. Im Zuge der Sicherheitsmaßnahmen wurden auch der E-Mail-Server vom Netz genommen. Daher konnten längere Zeit keine schriftlichen Anfragen per E-Mail an das Unternehmen gestellt werden – und die Märkte mussten wieder wie in grauer Vorzeit mit „Bleistift und Papier“ bestellen.

„Keine Verhandlungen mit Kriminellen!“

Bei dem Cyberangriff haben die Hacker unternehmensbezogene Daten und Firmeninterna erlangt und in der Folge im Darknet veröffentlicht, bestätigte Geschäftsführer Thomas Gutberlet: „Wir leisten kriminellen Machenschaften keinen Vorschub und lassen uns auf keine Verhandlungen mit Kriminellen ein. Das hat nun dazu geführt, dass die Hacker Unternehmensdaten veröffentlicht haben. Wir sind uns gleichwohl unserer Verantwortung bewusst und unternehmen alles, um Kunden, Mitarbeiter und unsere Geschäftspartner zu schützen.“

Um welche Daten es sich konkret handelt, kann zunächst nicht abschließend bestimmt werden, da diese derzeit noch ausgewertet werden. Fotos aus dem Warenlager, Protokolle von Besprechungen,, Budgetaufstellungen und Persönliches über Angestellte – die Liste der Dateien, die von die Hackergruppe Nefilim auf ihrem Portal im Darknet für jedermann angeboten wird, ist jedenfalls sehr lang und mit Sicherheit noch nicht vollständig. Vieles deutet darauf hin, dass die von den Kriminellen veröffentlichten Daten sich auf einen Unternehmensbereich beschränken, aber auch mitarbeiterbezogen sind. Bei Redaktionsschluss konnte nicht ausgeschlossen werden, dass die Kriminellen im Besitz weiterer Daten sind.

Die Logistik arbeitete übrigens Mitte Mai in weiten Teilen wieder systemgestützt. Für die Kunden heißt das: Die Warenverfügbarkeit hatte sich bereits verbessert – und soll sich sukzessive weiter spürbar verbessern. Kundenanfragen per E-Mail sind wieder möglich.

Über Tegut

Das Traditionsunternehmen, gegründet 1947 und mit Hauptsitz in Fulda, gehört zur Züricher Migros-Genossenschaft und zählt mittlerweile rund 280 Märkte in Hessen, Thüringen und Bayern sowie Göttingen, Mainz, Stuttgart und Ludwigsburg. Bis zu 23.000 verfügbare Produkte, eine 7.200 Köpfe starke Belegschaft und ein Jahresumsatz von 1,26 Mrd. Euro (2020) machen Tegut zu einem „Big Player“ im deutschen Handel.

Bildquelle: Tegut

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