Neues für die Cloud: Windows Server 8
Weit über 300 Änderungen und Neuerungen soll die neue Profiversion Windows Server 8 bringen. Das bedeutet den größten Umschwung im Server seit Jahren. So hat Microsoft zahlreiche Anwendungsszenarios entwickelt ("Ende-zu-Ende-Analyse") und anhand der Ergebnisse die Funktionen des Servers teils erweitert, teils umgebaut und teils sogar völlig neu entwickelt.
Ein großer Teil der Änderungen betrifft nur kleine Details, doch sie ergeben ein Gesamtbild: Windows Server 8 soll ebenso zukunftssicher werden wie das Desktop-Windows. Damit IT-Manager und Admins die Weiterentwicklung des Profisystem besser einschätzen können, folgt jetzt ein (grober) Überblick über zehn wichtige Neuerungen in Windows Server 8:
1. Cloud Computing: Die neue Version soll ein umfassender "Cloud-Server" werden, der mandantenfähig ist und auf dem Systeme von Kunden völlig isoliert voneinander auf dem gleichen Virtualisierungshost arbeiten können. Gleichzeitig soll die neue Version auch in hybriden Umgebungen arbeiten können, bei denen zum Beispiel einzelne Anwendungen ganz oder teilweise in der Cloud (unter Windows Azure) laufen.
2. Virtuelle Server: Eine wichtige Änderung ist die deutlich verbesserte Virtualisierungs-Engine Hyper-V. Damit dürfte die in Windows eingebaute Virtualisierung endlich zu der verbreiteten VMWare-Engine vSphere aufschließen. Dadurch dürfte Hyper-V auch für sehr große Serverfarmen und Private-Cloud-Infrastrukturen geeignet sein. Außerdem werden sich virtuelle Windows-Server nun auch für große Datenbanksysteme eignen. Und dank Hyper-V Replication können Virtuelle Maschinen ohne weiteres auf einen anderen Host kopiert werden.
3. Virtuelles Netzwerk: Hyper-V kennt jetzt einen virtuellen Switch, mit dem der Datenverkehr der Virtuellen Maschinen sowie deren Anschluss an das externe Netzwerk abgewickelt wird. Damit können Admins private virtuelle Netze (PVLANs) konfigurieren, durch die bestimmte Nutzergruppen (z. B. Kunden) getrennte Netzwerke erhalten.
4. Virtuelle Desktops: Windows Server 8 ergänzt die Verfahren für eine "Virtual Desktop Infrastructure (VDI)". Dabei nimmt die neue Server-Version eine relativ neue Entwicklung in den Blick: Auslieferung von Desktops auch über ein WAN, zum Beispiel auf Mobilgeräte. Ergänzend wird auch Directaccess erweitert, mit dem sich Nutzer ohne VPN mit dem Firmennetz verbinden können. In Windows Server 8 ist es so möglich, Clients und Clouds in das LAN einzubinden.
5. Storage: Storage Pools und Storage Spaces sind zwei neue Speicherabstraktionen. Sie arbeiten auf günstigen SATA-Platten, hochwertigen SAS-Platten oder einfachen Festplattenverbünden (JBODs, Just a Bunch of Disks). Ein Storage Pool fasst mehrere Platten in einem JBOD zusammen, der dann anschließend in einem Storage Space zum Teil einer virtuelle Festplatte wird. Dabei können beispielsweise einfache, auf hohe Leseleistung optimierte HD-Verbünde oder Resilient Spaces mit Plattenspiegelung erzeugt werden.
6. Daten-Deduplikation: Noch eine Premiere: Der 8er-Server kennt jetzt auch ein im Hintergrund arbeitendes Verfahren zur Datendeduplikation, mit dem sich redundante Daten identifizieren lassen. Dadurch lässt sich der Speicherbedarf je nach Datenart um 30 Prozent oder mehr senken.
7. Neues Dateisystem: Das neue Dateisystem von Windows 8 heißt ReFS ("Resilient FS") und ist besonders auf die schnelle und fehlerfreie Bearbeitung von Datenmassen jenseits der 2-Terabyte-Grenze ausgerichtet. Es ist nicht startfähig und zielt in erster Linie auf Datenfestplatten. Hier hat es enorme Vorteile, da es unter anderem große Festplatten mit drei oder vier Terabyte am Stück verwalten kann.
8. Administration: Der neue Windows Server Manager sowie die erweiterte Powershell erleichtern und beschleunigen die Administration erheblich. So ist es jetzt zum Beispiel möglich, alle Konfigurationsaufgaben remote zu erledigen - auch in einer "schlafenden" Virtuellen Maschine. Zusätzlich wurde das Skripting erweitert, so dass ein Coreserver nun weitgehend automatisch konfiguriert werden kann. Tatsächlich ist es das Ziel von Microsoft, künftig völlig auf eine grafische Benutzeroberfläche zu verzichten.
9. Zugriffsrechte: Die Zuweisung und Verwaltung von Zugriffsrechten unter Windows Server gilt zu recht als kompliziert. Der neue Server soll hier deutliche Verbesserungen bringen. Das neue (zusätzliche) System der Zugriffsrechte benutzt keine Listen, sondern "Tags", die Rechte an Dateien und Nutzer vergeben. Im Active Directory werden zentrale Zugriffsregeln festgelegt, mit denen die Tags verknüpft werden.
10. Internet Information Services (IIS): Die IIS sind in Windows Server 8 deutlich beschleunigt worden und lassen sich besser skalieren. So wirbt Microsoft damit, dass eine Hosting-Konfiguration mit 5.000 Websites nur noch mit 402 MB RAM benötigen soll - gegenüber 1.400 MB bei der Version 2008 R2.
Bildquelle: Paul-Georg Meister/pixelio.de