Larry Page war auf Einkaufstour
So schnell kann es gehen: Noch in der letzten Woche hat Motorola-CEO Sanjay Jha verkündet, dass er Lizenzgebühren für Android eintreiben will. Das hat nicht gerade für Begeisterung gesorgt. US-Techblogger Stasys Bielinis meinte rotzfrech: "C'mon, Larry, the foundation of your mobile OS is now on a rapidly shifting sand. Just buy Motorola or some other big patent pool." Schon passiert.
Google übernimmt den US-Handyhersteller Motorola Mobility für 12,5 Milliarden US-Dollar. Damit sichert sich der Suchmaschinenriese Google den Erfinder der Mobiltelefonie. Der Preis für den in jüngster Zeit nicht besonders erfolgreichen Hersteller mit lediglich knapp 2,4 Prozent Weltmarktanteil ist ziemlich großzügig berechnet. Google bietet 40 Dollar pro Aktie und liegt damit fast 65 % über dem Schlusskurs vom Freitag.
Offensichtlich möchte Larry Page verhindern, das ihm irgendwer seinen schönen Plan noch zunichte macht. Das lenkt den Blick auf den Grund für den Kauf. Die zahlreichen Klagen gegen Hersteller aus dem Android-Umfeld zeigen ganz deutlich, das in dem bisher rasant wachsenden Smartphone-Markt bereits die Konsolidierung einsetzt und die Claims auch mit Anwaltshilfe gesichert werden.
Wer kann, der klagt. Und verdient damit Geld, wie zum Beispiel Microsoft. Interessanterweise folgt dem Software-Riesen aus Seattle das Gerücht, er nehme mit Lizenzzahlungen in Sachen Android mehr Geld ein als mit seinem eigenen Smartphone-Betriebssystem. Selbst Branchenprimus Apple verlegt sich darauf, Konkurrenten vom Markt zu klagen.
Bisher ist es die Geschäftspolitik von Google, Android als offenes System jedem interessierten Hersteller ohne zusätzliche Lizenzkosten zur Verfügung zu stellen. Diese Idee war stark unter Druck geraten. Unternehmen in der Android-Infrastruktur sehen sich mit üppigen Forderungen von Patentinhabern konfrontiert.
Langfristig hätten ausdauernde Rechtshändel und teure Lizenzzahlungen den Ruf und die Verbreitung von Android schädigen können, zugunsten von Google-Konkurrenten wie Apple oder Microsoft. Mit dem Kauf von Motorola Mobility hat Google gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.
Erstens ist Google jetzt Besitzer von 14.600 erteilten und 6.700 beantragten Patenten rund um die Mobilfunktechnologie. Die Firma kann sie nun in den Giftschrank einschließen oder aber als Verhandlungsmasse in Auseinandersetzungen nutzen. Denn im Prinzip könnte Google nun ebenfalls Lizenzzahlungen eintreiben oder wenigstens damit drohen, um Klagen seiner Konkurrenten im Keim zu ersticken.
Zweitens ist Google nun Hardwarehersteller. Mit seinen eigenen, von Samsung produzierten Geräten war das Unternehmen nicht besonders erfolgreich. Motorola ist zwar ein eher unbedeutender Hersteller, hat sich in der Vergangenheit aber immer wieder durch solide Technik ausgezeichnet. Möglicherweise ist die Verbindung mit Google eine Initialzündung für innovative Hardware mit dem grünen Robot.
Immerhin hat Motorola mit dem (von Apple in einer Klage bedrohten) Xoom das erste Tablet mit Android 3.0 auf dem Markt gehabt. In den nächsten Jahren werden vor allem die kleinen, flachen Touchcomputer interessant sein. Es ist extrem wahrscheinlich, dass sich Tablets relativ schnell sowohl bei technikfernen Heimanwendern als auch bei Büroanwendern durchsetzen werden. Wer in diesem Markt mitmischt, wird in Zukunft sicherlich noch viele Fantastilliarden verdienen können.
Bildquelle: Google