Jochen Schein, COO bei Ista
IT-DIRECTOR: Herr Schein, wie sieht das Geschäftsmodell von Ista aus?
J. Schein: Mit dem Ziel, die Energieeffizienz von Gebäuden zu steigern, bieten wir verschiedene Services für das Energiemanagement an. Unser Angebot reicht von der verbrauchsgerechten Erfassung und Abrechnung von Wasser, Wärme, Kälte und Strom über die Analyse der Energiedaten bis hin zu individuellen Lösungen für die Energieversorgung.
Mit rund 48 Millionen Messgeräten in über elf Millionen Nutzeinheiten – z.B. Wohnungen und Gewerbeeinheiten – sind wir weltweit Marktführer. Dabei agieren wir mit rund 4.500 Mitarbeitern in 25 Ländern. Diese Ausrichtung spiegelt sich auch in unserer IT-Organisation wider, die ebenfalls international aufgestellt ist und große Standorte in Deutschland, USA, Polen sowie Rumänien unterhält. In diesen Ländern entwickeln und testen wir insbesondere unsere Corporate-Applikationen.
IT-DIRECTOR: Wie groß ist Ihre IT-Abteilung?
J. Schein: Wir beschäftigen an den verschiedenen Standorten rund 300 Mitarbeiter. Darüber hinaus arbeiten wir bei der Abwicklung größerer Projekte mit Dienstleistern zusammen.
IT-DIRECTOR: Welche Kunden bedienen Sie mit Ihren Services?
J. Schein: Wir sind vorwiegend in der Immobilienwirtschaft unterwegs und zählen insbesondere Hausverwalter und Wohnungseigentümer zu unseren Kunden. In Zusammenhang mit Fernwärme oder anderen Energieleistungen sind wir in verschiedenen Ländern für Energieversorger tätig.
IT-DIRECTOR: Sie statten Gebäude mit Energiezählern und Messgeräten aus. Produzieren Sie diese selbst?
J. Schein: Wir entwickeln die wichtigsten Messgeräte selbst, lassen diese in unserem Auftrag fertigen und vermieten sie an die Immobilienbesitzer. Anschließend sind wir für das Funktionieren der Geräte sowie für deren Wartung verantwortlich. Darauf basierend bieten wir das Ablesen und Abrechnen der Energiedaten, die Erstellung einer Betriebskostenabrechnung sowie weitere Services wie das Energiedatenmanagement an.
IT-DIRECTOR: Wie viele Ihrer Mitarbeiter sind vor Ort in den Objekten unterwegs?
J. Schein: Da wir ein zyklisches Geschäft besitzen, arbeiten wir mit Servicepartnern zusammen, die uns bei der Installation bzw. dem Austausch von Geräten unterstützen. Zudem übernehmen sie die regelmäßigen Vor-Ort-Ablesungen. Allein in Deutschland sind rund 2.500 Servicepartner unterwegs, jeweils ausgestattet mit den entsprechenden Handhelds. Dabei handelt sich es um Industriegeräte, die den erforderlichen Normen genügen müssen, d.h., sie müssen gewisse Fallhöhen wegstecken und lange Akkulaufzeiten aufweisen.
IT-DIRECTOR: Welche Anforderungen stellen Sie generell an Ihre Unternehmens-IT?
J. Schein: Sehr wichtig ist für uns die kosteneffiziente Erfassung und Verarbeitung von Massendaten. Die Schlagworte für die IT lauten hier Digitalisierung und Automatisierung, um alle entstehenden Informationen effizient verarbeiten zu können.
Weitere Anforderungen sind die Gewährleistung von Datensicherheit und Datenschutz sowie das Bewältigen immer neuer, hochkomplexer Aufgaben. So erweitern wir unsere Services kontinuierlich und integrieren etwa Rauchmelder oder Sensoren für Heizungs-, Feuchtigkeits- oder Temperaturüberwachung in unser Angebot. Solche Sensoren müssen in unsere intelligente Infrastruktur eingebunden werden, um alle ermittelten Daten effizient verarbeiten zu können.
IT-DIRECTOR: Welche Software nutzen Sie für das Datenmanagement?
J. Schein: Wir nutzen vorwiegend Eigenentwicklungen, da unsere Anforderungen sehr speziell sind und man im Submetering-Bereich kaum die dafür passende Standardsoftware findet.
IT-DIRECTOR: Wie sorgen Sie für die Sicherheit der Energiedaten?
J. Schein: Wir verschlüsseln alle erhobenen Daten bei der Übertragung. Zudem stellen wir sicher, dass die Messwerte direkt nach ihrem Eintreffen in unseren Systemen pseudonymisiert werden, so dass wir Einfallstore für Datenmissbrauch komplett schließen.
IT-DIRECTOR: Betreiben Sie Ihre IT in Eigenregie oder haben Sie Bereiche an externe Dienstleister – vielleicht sogar Cloud-Service-Anbieter – ausgelagert?
J. Schein: Cloud Computing ist im Moment ein heiß diskutiertes Thema, mit dem auch wir uns bereits auseinandergesetzt haben. So haben wir unseren Rechenzentrumsbetrieb ausgelagert und nutzen die Cloud im Bereich „Infrastructure as a Service“ (IaaS). Vor dem Hintergrund, dass wir bei unserer Auftragsdatenverarbeitung den Schutz sensibler Daten sicherstellen müssen, ist eine unkontrollierte Auslagerung der Daten in die Wolke für uns kein Thema. Deshalb konzentrieren wir uns beim Outsourcing vorrangig auf die Infrastruktur und weniger auf die Applikationsebene.
IT-DIRECTOR: Wie sieht das genutzte IaaS-Modell denn aus?
J. Schein: Wir lassen unsere Hardware in Deutschland in einem externen Rechenzentrum betreiben. Müssen wir zu bestimmten Zeiten mehr Daten verarbeiten, erhalten wir flexibel Rechenkapazität dazu. Generell liegen alle unsere Datenbanken in diesem Rechenzentrum physisch vor, wobei hier die strikte Vorgabe für unseren Dienstleister gilt: Die Daten müssen ausschließlich innerhalb Deutschlands vorgehalten werden.
IT-DIRECTOR: Neben der Cloud treibt viele Unternehmen derzeit das Thema Mobility um. Auch Sie bieten bereits eine App an. Welche Nutzen können sich die Anwender davon versprechen?
J. Schein: Die Software bildet unsere Services für das Energiedatenmanagement auf mobilen Endgeräten ab. Im Moment erfassen wir für unsere Kunden Tageswerte und machen ihnen diese über ein Webportal bzw. mobil zugänglich. Auf diese Weise erhalten sie Transparenz über ihren Verbrauch – nicht nur einmal jährlich in Papierform, sondern mehrfach innerhalb eines Jahres, sobald die Energiedaten ausgelesen sind.
IT-DIRECTOR: Für welche Betriebssysteme bieten Sie die App an?
J. Schein: Wir starteten mit einer Android-App und planen künftig eine weitere Version für iOS. Die App eignet sich sowohl für Immobilienbesitzer als auch für Mieter, die ihren persönlichen Verbrauch aufgezeigt bekommen und demgemäß ihre Nutzung energieeffizienter ausrichten können. Darüber hinaus gibt es spezielle Features für die Besitzer bzw. Wohnungsverwalter. So lässt sich der Leerstandsverbrauch anzeigen oder die energetische Situation eines Gebäudes im Vergleich zu anderen darstellen.
IT-DIRECTOR: Welche Voraussetzungen müssen für die Nutzung Ihrer App gegeben sein?
J. Schein: Die Vorteile der App kommen erst mit der entsprechenden Messtechnologie voll zum Tragen, d. h., insbesondere wenn ein fernauslesbares Gerät sowie eine fernablesbare Kommunikationsstruktur im Gebäude vorhanden ist.
IT-DIRECTOR: Aufgrund dieser Vorgaben kommen vermutlich nur Besitzer bzw. Mieter von Neubauten in den Genuss Ihrer App?
J. Schein: Nicht unbedingt. Da unsere Geräte batteriebetrieben und funkbasiert arbeiten, ist man auf keine fest installierten Kommunikationsstrukturen angewiesen. Vielmehr nutzen wir ein in ein sicheres Netzwerk eingebundenes Funkprotokoll, auf dessen Basis die Energiedaten erhoben sowie an unser Rechenzentrum weitergeleitet werden.
IT-DIRECTOR: In der Vergangenheit führte Ista einige Vorzeigeprojekte durch, darunter im Empire State Building oder im Burj Khalifa ...
J. Schein: Bei solchen Großprojekten gibt es die unterschiedlichsten Voraussetzungen. Hinter dem Projekt beim Empire State Building steht unser Kunde Green Mountain Energy, einer der größten Ökostromanbieter in den USA. Er versorgt den Wolkenkratzer mit von Windkraftwerken produziertem Strom. Dabei müssen wir bei der Abrechnung des Stromverbrauchs aufzeigen, wie viel CO2 pro Büroeinheit eingespart wird. Zudem ist es bei US-amerikanischen Kunden üblich, die Werte in gefahrene Autokilometer umzurechnen.
Für das Burj Khalifa gestalten sich die Services etwas anders: Hier fokussieren wir uns auf das Messen des Wasserverbrauchs sowie des Verbrauchs der Kälte. Die Betreuung des höchsten Gebäudes der Welt liegt in der Verantwortung unseres Büros in Dubai, die Abrechnung der Energiewerte erfolgt jedoch im Servicecenter in Bukarest.
IT-DIRECTOR: Inwiefern sorgen Ihre Services bei solchen Projekten für mehr Energieeffizienz?
J. Schein: Wir liefern Transparenz über alle Energiedaten. Damit weiß ein Eigentümer genau, wie hoch sein tatsächlicher Energieverbrauch ist. Dies sensibilisiert ihn für einen bewussteren Umgang mit Energie.
Die Ista Deutschland GmbH
Das Unternehmen ist weltweit führend, wenn es darum geht, Energie, Wasser und Hausnebenkosten verbrauchsgerecht zu erfassen und abzurechnen. Allein in Deutschland betreuen rund 1.200 Mitarbeiter an 26 Standorten die Kunden mit insgesamt vier Millionen Wohneinheiten. 2011 erwirtschaftete Ista weltweit einen Umsatz von 671,6 Mio. Euro.
Im Internet: www.ista.de