Software as a Service, kurz SaaS, hält zunehmend Einzug in die Unternehmen. Gerade in Bereichen, die nicht das Kerngeschäft eines Unternehmens ausmachen, werden Prozesse durch SaaS effizienter und somit auch wirtschaftlicher, etwa bei Kollaborationsplattformen oder im Personalmanagement. Die IT-Dienste „aus der Dose” sind standardisiert, aber unternehmensspezifisch konfigurierbar, sie werden extern zur Verfügung gestellt und sind einfach über eine Standardschnittstelle, meist den Webbrowser, in die eigene IT-Infrastruktur integrierbar.
Die technischen Neuerungen des Cloud Computing verwandeln nicht nur die IT-Infrastruktur von Unternehmen, sondern gleich ein ganzes Berufsbild. So spüren IT-Administratoren heute, was Analyst Ted Schadler von Forrester vor knapp zwei Jahren prognostizierte: Cloud Computing verändert die Anforderungen, die ein Unternehmen an seine IT-Mitarbeiter stellt. Durch Cloud-Services entstehen vollkommen neue Kompetenzbereiche für IT-Administratoren, während bisherige Aufgaben verloren gehen. Das führt zu Unsicherheiten und Widerständen.
Die Angst vor dem neuen Unbekannten, das den althergebrachten Status bedroht, ist keine neue Entwicklung. Radikale Änderungen, gerade durch technische Innovationen, hat es schon immer gegeben. Bekannte Beispiele aus dem 19. Jahrhundert sind die Einführung des mechanischen Webstuhls, was in Deutschland zu den Weber-Aufständen und zu Hungersnöten führte. Heute sind technische Änderungen und Entwicklungen weit weniger schwerwiegend und haben zumeist auch positive Effekte auf die Gesellschaft. Dennoch werden in Unternehmen Innovationen im Kommunikations- und Kollaborationsumfeld oftmals nur zögerlich eingeführt. Bei der Einführung des Telefons etwa durften Mitarbeiter im Unternehmen nicht privat telefonieren, später keine privaten E-Mails verschicken oder Chat- bzw. Instant-Messaging-Systeme nutzen.
Je gravierender die Veränderung ist, desto hartnäckiger und emotionaler wird sie oft bekämpft. Die Intensität des Widerstands gegen eine Innovation ist ein guter Indikator dafür, wie weitreichend die (bekämpfte) Veränderung sein wird und wie sicher sie schließlich stattfinden wird. So etwa beim Aufkommen von „Second Life“ und „Web 3.0“: Sie wurden kaum kontrovers diskutiert und haben nur geringe Bedeutung erlangt. Und noch etwas lässt sich aus der Geschichte lernen: Je weniger Wettbewerb ein Unternehmen hat, desto langsamer implementiert es Innovationen, wie etwa das jahrzehntelange Desinteresse an alternativen Technologien in der Energiebranche zeigt. Die zögerliche Haltung von Unternehmen und die Skepsis bzw. Ablehnung der IT-Mitarbeiter gegenüber der neuen Technologie sind auch in der aktuellen Diskussion um Cloud Services zu beobachten.
Mit der zunehmenden Akzeptanz von Cloud-Services entstehen vollkommen neue Aufgaben für IT-Administratoren. Darunter fällt vor allem das kontinuierliche Management neuer technischer Möglichkeiten sowie der Abgleich mit den betrieblichen Anforderungen. Denn die Innovationszyklen spezialisierter externer Service Provider sind aufgrund ihrer Struktur enorm kurz. Aus ihnen resultieren viele neue Funktionalitäten, die typischerweise quartalsweise zur Verfügung gestellt und genutzt werden können. Dafür sind „IT-Integratoren“, die IT und Fachlichkeit verbinden, schon heute stark gefragt. „Für den IT-Administrator ergibt sich die Notwendigkeit und die Chance zugleich, seine traditionellen Aufgabengebiete um weitere Kompetenzen zu erweitern.
Aufgrund seiner Vorkenntnisse in Bezug auf IT-Architektur und -Administration steht er in der Pole Position, um interessante Zusatzaufgaben zu übernehmen. Neben den rein technischen Fragen zur Integration berät der IT-Integrator sein Unternehmen auch dabei, welche Dienste es extern zukaufen sollte und welche Anbieter für welchen Service am besten infrage kommen. Damit wirkt sich die Einführung von Cloud-Services auf Dauer positiv auf das neue, künftige Berufsbild IT-Fachkräfte aus“, erklärt Dr. Nikolaus Krasser, Vorstand der Pentos AG. Ungewöhnlich ist ein solcher Wandel des Berufsbildes nicht – man denke nur an den Buchdruck und damit verbundene Berufe wie Buchstabensetzer, Schriftgießer oder Drucker im heutigen Zeitalter des Web 2.0, wo Content vor allem online geschaffen und festgehalten wird.
Auf Dauer werden nur wenige Unternehmen auf Services aus der Cloud verzichten wollen und können. Damit verringert sich zwar einerseits der Bedarf an IT-Administratoren, die für traditionelle Aufgaben wie Hardware-Auswahl oder Installation, Konfiguration und Wartung von Betriebssystemen notwendig waren; andererseits erhöht sich die Nachfrage nach IT-Fachkräften mit neuen, abgeleiteten Kompetenzfeldern, wie etwa der IT-Integrator. Die Etablierung von Cloud Computing in den Unternehmen bedeutet daher nicht, dass nun alle IT-Experten um ihren Job bangen müssen. Vielmehr ändert sich ihr Kompetenzbereich: Bisherige Aufgaben fallen weg, neue kommen hinzu.
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