Enorm agiles Projektmanagement

Agile Software-Entwicklung

In agilen Software-Entwicklungsprojekten muss die Kommunikation zwischen Entwicklern und Kunden, beziehungsweise den späteren Anwendern stimmen. Denn erst dadurch können sie an einem Tisch sitzen und gemeinsame Lösungen schaffen.

Agilität und Flexibilität können in der Software-Entwicklung zum schnellen Erfolg führen.

„Menschen und Interaktionen sind wichtiger als Prozesse und Werkzeuge“. Dieser Satz war den Erstunterzeichnern des agilen Manifests so wichtig, dass sie mit ihm ihr fundamentales Werk eröffneten. Von heute auf morgen sollten plötzlich der Mensch und die Kommunikation im Mittelpunkt stehen. Das traditionelle Bild des Programmierers, der im stillen Kämmerlein vor sich hin entwickelt und nach Monaten seine Ergebnisse zeigt, wurde auf den Kopf gestellt. Nur noch eine oder mehrere Programmiersprachen sattelfest zu beherrschen, reicht heute in der Software-Entwicklung nicht mehr aus. Software-Experten müssen vielmehr ein Gefühl für Anwender und ihre Bedürfnisse entwickeln, in Meetings ihre Positionen vertreten können, Branchenwissen mitbringen und unter dem Zeitdruck des laufenden Sprints (siehe Glossar) gute Ergebnisse liefern.

Zwei Sachbearbeiter, vier Softwareentwickler, eine Erfassungsmaske und jede Menge Redebedarf: Den halben Vormittag diskutieren die beiden Gruppen bereits darüber, wie die Oberfläche des neuen Schadenserfassungssystems aufgebaut werden soll. Am Ende der Woche, mit Abschluss dieses „Sprints“, soll für diesen Teil der neuen Lösung ein Prototyp fertiggestellt sein. Bisher konnten beide Gruppen keine Einigung erzielen. Die Entwickler beharren auf dem Lösungsweg, den die Standardsoftware vorgibt. Die Anwender sind davon überzeugt, dass eine geänderte Anordnung der Felder die Prozesse besser abgebildet. Solche Situationen sind immer häufiger in Projekten anzutreffen: Entwickler und Kunden, beziehungsweise die späteren Anwender, sitzen an einem Tisch und sollen gemeinsam Lösungen entwickeln. Das Beispiel zeigt, was Unternehmen im agilen Umfeld von ihren Software-Experten erwarten.

Branchen- und Fachwissen:

Anwender werden immer erfahrener im Umgang mit Soft- und Hardware. Für Entwickler hat das zur Folge, dass sie sich stärker in Fachthemen einarbeiten müssen. Sie müssen zudem verstehen, wie User arbeiten und Workflows funktionieren. Zudem müssen Entwickler einschätzen können, welche IT-Trends die Entwicklung der eigenen Branche beeinflussen. Nur so können IT- mit Fachexperten auf gleicher Augenhöhe diskutieren und Lösungen entwickeln, welche die Erwartungen der Kunden und Anwender treffen.

Von Fachmagazinen bis hin zum Besuch von Branchenkongressen: Für IT-Experten gibt es zahlreiche Möglichkeiten, ihr Know-how aufzubauen. Unternehmen sollten darauf achten, zu Schulungen, zum Beispiel für neue Mitarbeiter, auch die Kollegen aus der IT-Abteilung einzuladen.  

Kommunikation:

Agile Software-Entwicklung lebt von Austausch und Verständnis. Das zeigt sich vor allem dann, wenn unterschiedliche Vorstellungen, Arbeitsweisen und Meinungen aufeinanderprallen. Die Fähigkeit, zwischen Beteiligen vermitteln zu können, ist dann mindestens genauso wichtig wie Kenntnisse der aktuellen Java-Version. Entwickler, die diese Voraussetzungen mitbringen, können in Diskussionen den Nutzen, aber auch die Einschränkungen ihrer Lösungen besser vermitteln. Das hat einen unmittelbaren Einfluss auf Kosten und Laufzeit: Der Anwender kann besser verstehen, welche Lösung ihn erwartet. Unnötige Funktionen werden gar nicht erst weiterentwickelt, fehlende hingegen schneller erkannt.

Deshalb sollten IT-Entwickler über ein Verständnis für unterschiedliche Kommunikationssituationen und -typen verfügen. Darüber hinaus gilt es, ein Gespür dafür zu entwickeln, wie die eigene Persönlichkeit beim Gegenüber ankommt. Fähigkeiten, die der eine von Natur aus mitbringt. Für den anderen ist das ein hartes Stück Arbeit. Aber es sind Fähigkeiten, die erlernbar sind. Im Rahmen von Kommunikationskursen können sich Entwickler das nötige Rüstzeug aneignen, um sich entsprechend der Situation und des Gesprächspartners angemessen zu verhalten und ihre Gesprächsziele zu erreichen.

Zeitmanagement:
Agil zu entwickeln bedeutet häufig auch, unter Zeitdruck zu entwickeln. Entwickler müssen zahlreiche „User Storys“ (siehe Glossar) Sprint für Sprint abarbeiten. Gleichzeitig arbeiten der Einzelne und sein Team, der agilen Idee folgend, deutlich selbstbestimmter als in klassisch strukturierten Software-Entwicklungsprojekten. Dieses Mehr an Freiheit können die Teammitglieder als Belastung empfinden.

Entwickler sollten, damit sie in agilen Projekten bestehen, von ihrem Unternehmen mithilfe von Schulungen sorgsam auf diese Themen vorbereitet werden. Denn die Fähigkeit zur Selbstorganisation ist nicht allen Software-Experten in die Wiege gelegt. Gefragt sind Arbeits- und Zeitmanagementmethoden, die es den Projektbeteiligten ermöglichen, ihren Umgang mit Zeit zu verändern. Das fängt bei der Priorisierung von Aufgaben an und hört beim Umgang mit Störungen und Zeitfressern nicht auf.

Diese Liste ließe sich noch verlängern. Präsentationsfähigkeiten, Rhetorik oder Stressmanagement – den sogenannten Soft Skills kommt in Zeiten der agilen Softwareentwicklung eine zentrale Bedeutung zu. Schulungs- und Fortbildungsprogramme für Entwickler sollten das Erlernen dieser Fähigkeiten berücksichtigen. Denn wer diese weichen Faktoren beherrscht, wird auch bei harten Faktoren wie „Velocity“ (siehe Glossar) oder „Time to Market“ besser abschneiden.

Glossar: Agile Software-Entwicklung:

Das Product Backlog ist eine geordnete Liste von Produktanforderungen. Es dient als einzige Anforderungsquelle für alle Änderungen am Produkt.

Der Product Owner ist für die Wertmaximierung des Produkts sowie die Arbeit des Entwicklungsteams verantwortlich.

Ein Epic ist eine grobe und übergreifende Beschreibung einer Anforderung. Epics werden in User Stories verfeinert.

Die Themen bilden eine fachliche Klammer über eine Reihe von Anforderungen (Epics, User Stories).

Eine User Story ist eine formalisierte Beschreibung einer in einem Sprint umsetzbaren und Mehrwert generierenden Anforderung.

Story Points sind Hilfsmittel zur Abschätzung von Aufwand. Sie unterstützen vergleichende Schätzungen.

Ein Velocity ist ein Messwert zur Bestimmung der Entwicklungsgeschwindigkeit.

* Der Autor Martin Schmitz-Ohrndorf ist Competence-Center-Leiter Consulting bei Adesso

Bildquelle: Fuse/Thinkstock

©2026Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok