Im Juni lud HP zur Anwenderkonferenz Discover 2012 nach Las Vegas.
„Infrastruktur ist unsere Basis“, sagte Meg Whitman zu Beginn ihrer Keynote, mit der sie die Discover 2012 in Las Vegas eröffnete. „Wir sind stolz darauf, im Infrastrukturgeschäft zu sein“, so die HP-Vorstandsvorsitzende weiter. Den Vorstoß ins Softwaresegment – von ihrem Vorgänger Leo Apotheker initiiert – hat Whitman deutlich gebremst. Software spielt wieder eine eher untergeordnete Rolle bei HP. Vielmehr geht es darum, durch eine Konvergenz der hauseigenen Hard- und Softwareprodukte sowie der Dienstleistungsangebote den Anwenderunternehmen eine einheitliches IT-Architektur aus einer Hand anbieten zu können. Das dazugehörige Konzept heißt Converged Infrastucture. „Wir müssen mehr sein als nur die Summe unserer Teile“, formulierte es Whitman.
Diese einheitliche Architektur soll den gesamten IT-Ressourcen einer Firma als Basis dienen – unabhängig davon, ob diese auf klassische Weise im eigenen Rechenzentrum betrieben werden, in einer Private Cloud oder in einer öffentlichen Datenwolke liegen. So brachte HP vor ein paar Monaten die Lösung Cloudsystem auf den Markt, die als eine einheitliche Plattform für Private-, Public- und Hybrid-Cloud-Umgebungen dient. Auf der diesjährigen Anwenderkonferenz zeigte HP Erweiterungen dieser Plattform. Dazu zählen u.a. Bursting-Möglichkeiten. Bei Bedarf können Unternehmen zusätzliche IT-Ressourcen aus dem Cloud-Portfolio anderer Anbieter beziehen. Im Fall von Cloudsystem sind dies Amazon Web Services sowie Savvis.
Die Managementsoftware Cloudsystem Matrix ist nun zudem als Standalone-Lösung verfügbar. Firmen können damit laut HP innerhalb eines Tages selbständig eine Infrastructure-as-a-Service einrichten. Ebenfalls als eigenständige Lösung ist Cloud Service Automation auf dem Markt, mit der sich der Lebenszyklus von Cloud-Services verwalten lässt. Gerade im Cloud-Geschäft sieht Andreas Zilch, Analyst beim Marktforschungshaus Experton Group, einen Vorteil für HP durch die Kombination aus Produkt- und Service-Angebot.
Die Vorteile einer einheitlichen Architektur verdeutlicht HP mit durchaus beeindruckenden Zahlen. Bei der Datensicherung ermöglicht die Converged Infrastructure eine durchgängige Deduplizierung. Auf Basis von Lösungen wie der Store-Once-Backup-Produktfamilie und dem Dataprotector lässt sich laut HP ein Datendurchsatz von 100 Terabyte pro Stunde bei der Datensicherung und 40 Terabyte pro Stunde bei der Wiederherstellung erreichen.
Backup- und Recovery-Prozesse beschleunigt HP zudem mit einer Technologie, die der IT-Konzern durch die Übernahme von Autonomy hinzugewonnen hat. Die Daten-Management-Software Idol wurde mit den Backup- und Recovery-Systemen von HP integriert. Das Besondere an Idol: Die Software erkennt die Bedeutung von unstrukturierten Informationen und kann diese entsprechend klassifizieren. „Das ermöglicht uns Datensicherung und -wiederherstellung auf semantischer Basis“, erklärt David Scott, Vicepresident und General Manager für das Speichergeschäft bei HP. Daten lassen sich kontextbezogen speichern und wiederfinden. So werden nur die wirklich relevanten Informationen gesichert. „Das macht die Backup- und Recovery-Prozesse deutlich schneller“, so Scott.
So versucht HP, die innovative Technologie von Autonomy mit den eigenen Produkten zu kombinieren und deren Leistungsfähigkeit dadurch zu steigern. Und nach Meinung von Zilch hat HP einige Softwareperlen im Portfolio. Trotzdem hält er die Abkehr vom Softwaregeschäft für richtig: „Die Experton Group ist grundsätzlich skeptisch, ob in der heutigen Zeit der Ausbau des Software-Bereichs für einen Anbieter strategisch sinnvoll ist.“ Je weiter sich der Gesamtmarkt in Richtung Cloud und Software as a Service entwickle, umso mehr würden etablierte Software-Anbieter unter Druck geraten. „Vielleicht kein guter Zeitpunkt für HP, um in diesen Markt einzusteigen“, glaubt Zilch. Insgesamt vermisst er jedoch eine klare Strategie und eine Vision beim amerikanischen IT-Konzern. „Wo zum Beispiel IBM für Smarter Planet und T-Systems für Core Beliefs steht, fehlt bei HP ein ganzheitlicher Ansatz, der das komplette Produkt- und Service-Portfolio umfasst.“ Auch in Las Vegas war noch keine Vision zu erkennen.
Bildquelle: Markus Strehlitz