Valerie Hutterer konnte während ihrer Arbeit im Europäischen Parlament und in NGOs wertvolle Erfahrungen in den Bereichen „Klimawandel“, „Bildung“, „Sozialwissenschaften“ und „Umweltpolitik“ sammeln. ((Bildquelle: Axa Climate School))
Ein Wandel gelingt, wenn motivierte Mitarbeiter mitanpacken. ((Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus))
ITD: Frau Hutterer, welche Rolle spielen Mitarbeiter auf dem Weg zu einer nachhaltigen Unternehmenstransformation?
Hutterer: Die eigene Belegschaft ist maßgeblich mitverantwortlich für den Unternehmenswandel hin zu mehr Nachhaltigkeit. Um die betrieblichen Nachhaltigkeitsziele einzuhalten, bedarf es eines Grundverständnisses darüber, warum Nachhaltigkeit so wichtig ist und was jeder Einzelne in seinem Arbeitsalltag tun kann, um darauf hinzuarbeiten. Wenn Mitarbeiter die Sachlage verstehen und Mittel an die Hand bekommen, können sie motiviert werden mitanzupacken. Nur wenn Management und Mitarbeiter an einem Strang ziehen, kann ein Wandel auch gelingen. Eine Möglichkeit, Mitarbeitern Wissen und Mittel an die Hand zu geben, sind Weiterbildungen im Kontext von Klima und Umwelt, zugeschnitten auf ihre Bedürfnisse.
ITD: Wie können Unternehmen ihre Mitarbeiter dabei unterstützen, spezifische Kompetenzen über Umwelt und Klima zu erlangen, um damit eine positive Wirkung auf verantwortungsbewusste Unternehmensaktivitäten zu haben?
Hutterer: Es gibt verschiedene Studien wie die von Stepstone, die besagen, dass es 75 Prozent der Arbeitnehmer wichtig ist, dass ihre Unternehmen dem Thema „Nachhaltigkeit“ einen hohen Stellenwert zuschreiben. Wenn die Geschäftsleitung Mitarbeitern beispielsweise Weiterbildungen zu den Themen „Klima“ und „Umwelt“ ermöglicht, die sie dann auch noch in ihrer Arbeitszeit einbringen können, ist das ein positives und starkes Signal der Geschäftsleitung. Es macht deutlich, dass Mitarbeiter selbst Veränderungen im Betrieb anstoßen und umsetzen können. Es wird aber auch Mitarbeiter geben, die zunächst unsicher oder skeptisch gegenüber dem Thema sind. Deshalb ist es essenziell, mit gutem Beispiel voranzugehen, um diesen Mitarbeitern die Chancen solch einer Transformation vor Augen zu führen. So kann die richtige extrinsische Motivation geschaffen werden.
ITD: Inwieweit ist an dieser Stelle E-Learning im Klimabereich sinnvoll?
Hutterer: Wie erwähnt können Mitarbeiter einen entscheidenden Treiber der grünen Transformation darstellen. Seit diesem Jahr ist es für Betriebe ab 250 Mitarbeitern zudem gesetzliche Pflicht, bestimmte Nachhaltigkeitsstandards einzuhalten und diese gemäß der CSRD-Berichtspflicht nachzuweisen. Somit ist es heute fast unumgänglich, dass jeder im Unternehmen über das Thema „Nachhaltigkeit“ aufgeklärt wird. Dazu gehört auch, konkrete Handlungsmöglichkeiten für die verschiedenen Tätigkeitsbereiche zu kennen.
ITD: Welches Basiswissen sollten Mitarbeiter für solch ein E-Learning-Kurs mitbringen?
Hutterer: Das ist eine gute Frage und bringt uns zu einem wichtigen Punkt: Es sollten keine Grundkenntnisse in den Bereichen „Nachhaltigkeit“ und „Klima“ vorausgesetzt werden. Natürlich ist es vorteilhaft, wenn man sich schon einmal mit dem Thema beschäftigt hat, jedoch darf man dies nicht von allen Mitarbeitern erwarten. In unseren Weiterbildungskursen beispielsweise werden alle dort abgeholt, wo sie gerade mit ihrem Wissensstand stehen, und sie bauen anschließend schrittweise darauf auf. Es gibt Kurse zu den wissenschaftlichen Grundlagen der Transformation, die kein Vorwissen erfordern. Uns ist wichtig, dass alle Beteiligten verstehen, wieso die nachhaltige Unternehmenstransformation so wichtig ist, denn nur dann gewinnt man die Motivation, sich aktiv zu engagieren und auf die Nachhaltigkeitsziele des Unternehmens einzuzahlen.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 1-2/2024. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
ITD: Inwieweit suchen insbesondere Großunternehmen anno 2024 in ihren Jobangeboten konkret nach Mitarbeitern mit Klimakompetenzen?
Hutterer: Stellenausschreibungen, die zunehmend die Suche nach Klimakompetenzen beinhalten, veranschaulichen, dass ESG in den Betrieben angekommen ist. Nachhaltigkeits-Manager sowie Fachleute in den einzelnen Bereichen wie Energie, Legal oder Data können gezielt die richtigen Maßnahmen für die verschiedenen Abteilungen eines Unternehmens identifizieren. Zwei Beispiele: Besonders Großunternehmen, die ein großes Warenvolumen umsetzen, sollten im Einkauf und Vertrieb besonders auf die Lieferkette und die Lieferkettenpartner achten und bei Bedarf Optimierungen vornehmen. Im Marketing wiederum kann für das Phänomen des Greenwashing sensibilisiert werden. So ziehen sich die Klimakompetenzen durch das Unternehmen und sorgen für mehr Nachhaltigkeit im eigenen Betrieb.