Die größte „IT-Schwachstelle“ sitzt noch immer vor dem Bildschirm.
In der Vergangenheit trat der Schadenaufwand insbesondere durch Betriebsunterbrechungsschäden in produzierenden Unternehmen auf. International zeigen sich bereits Folgen: Ein US-Versicherer hat sich zum Jahreswechsel komplett aus der Cyberversicherung für das produzierende Gewerbe in Europa zurückgezogen. Andere Versicherer erhöhen ihre Prämien für Bestandskunden und werden selektiver bei der Herauslegung von Angeboten. Der Markt für Cyberversicherungen verhärtet sich also zunehmend. Für einige Branchen wird es immer schwieriger, das Cyberrisiko auf einen Versicherer zu transferieren. Und immer häufiger knüpfen die Versicherer den Abschluss oder auch die Prämienhöhe an bestimmte Mindestanforderungen, die betreffende Unternehmen oder Verwaltungen zu erfüllen haben.
Wir erleben gerade einen Zeitraum, in der auch mittelständische Unternehmen in zunehmendem Maße in den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) und Robotik investieren. Damit sollten auch zwangsläufig Investitionen in notwendige Cybersicherheitsmaßnahmen und in die technische Sicherheitsinfrastruktur steigen. Die gute Nachricht: Viele Unternehmen sind sich dessen bewusst. Die schlechte: Die größte IT-Schwachstelle in den Unternehmen und Verwaltungen von Organisationen sitzt noch immer vor dem Bildschirm. Das Budget, die Mitarbeiter regelmäßig zu unterweisen, beispielsweise mit Awareness-Schulungen für Phishing-Mails, sollte genauso mitwachsen, wenn nicht überhaupt erst eingerichtet werden. Ein Phishing-Simulationstests bei 300 Unternehmen von Cyberdirekt zeigte, dass noch immer 18 Prozent der Phishing-Mails geöffnet und fünf Prozent der enthaltenen Links angeklickt werden. Dabei reicht bereits ein Klick aus, um Schäden im zweistelligen Millionenbereich zu verursachen, ganz abgesehen vom Reputationsverlust.
Auch werden die Versicherer künftig verbindliche IT-Sicherheitsrichtlinien mit Dokumentation und einen ausformulierten Notfallplan verlangen (können). Gerade beim Notfallplan wird es allerdings wieder analog: Was nützt das detaillierte IT-Krisenhandbuch, wenn es als PDF abgelegt ist und im Fall der Fälle keiner auch nur eine Datei öffnen kann?
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 10/2021. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
Die Phase der Marktverhärtung bei Cyberversicherungen hat letztlich Auswirkungen auf die Bedingungen, die Versicherer an den Versicherungsnehmer stellen können. Sie ist aber existenziell notwendig und wird über kurz oder lang zu einem festen Bestandteil des Risikomanagements für Unternehmen werden müssen. Durch Mitarbeiterschulungen, das Einhalten von IT-Sicherheitsrichtlinien und einen detaillierten Notfallplan lassen sich bei bestimmten Versicherern die Prämien reduzieren.
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