Homeoffice

Arbeiten auf dem Sonnendeck

Die Arbeit im Heimbüro gilt vielen als Win-Win-Situation für Chefs und Mitarbeiter. Doch flexibles Arbeiten wird nicht von allen geliebt.

Arbeiten auf dem Sonnendeck

Es gibt fast keinen Trend, der nicht binnen kürzester Zeit einen Gegentrend erzeugen würde. So hat Marissa Meyer, CEO von Yahoo, bei dem schwächelnden Ex-Dotcomstar eine heilige Kuh geschlachtet und die von zahlreichen Mitarbeitern genutzte Homeoffice-Regelung abgeschafft.

Die Folge: Eine Welle der Kritik schwappte über die ehemalige Google-Managerin hinweg. Denn die Arbeit im Heimbüro ist vor allem in der IT-Branche beinahe sakrosant. Die meisten Unternehmen setzen darauf und viele Mitarbeiter arbeiten häufig zu Hause - mit Zugriff auf das Unternehmens-LAN und dem guten Gefühl, an der Zukunft der Arbeitswelt mitzuwirken.

Früher war die strikte Trennung von Büro und Heim üblich, denn sie hatte einen guten Grund. Das Büro war der Ort, an dem sich die Akten, die Kundenkartei, Schreib- und Rechenmaschinen sowie viele andere Arbeitsmaterialien befanden. Doch in den Zeiten von Computern, Tablets und Breitbandnetzen ist der Arbeitsplatz dort, wo ein Zugriff auf die Corporate-IT möglich ist.

In den meisten Unternehmen ist dies nur noch aus Konvention ein Raum in der Niederlassung. Vor allem in den IT-Berufen ist oft der heimische Schreibtisch ein Großteil der Woche die Arbeitsstätte. Zahlreiche Leute schwören auf dieses Modell, weil es ihnen deutlich mehr Flexibilität gibt, als eine von Anwesenheitszwang bestimmte Unternehmenskultur. Und der Austausch untereinander wird durch interne soziale Netzwerke, Videokonferenzsysteme und andere Hilfsmittel erledigt.

Weder Bohème noch Faulenzerei

Das typische Vorurteil lautet entweder “Die sitzen den ganzen Tag im Café und trödeln rum” oder “Die sitzen den ganzen Tag im Pyjama und gammeln rum”. Doch ein flexibles Arbeitsmodell mit der Möglichkeit, zuhause zu arbeiten, bedeutet in aller Regel weder Zugehörigkeit zur digitalen Bohème noch zur Faulenzerelite.

In vielen Fällen geht es einerseits um ungestörtes Arbeiten an Projekten, andererseits um Flexibilität bei der Gestaltung des Zusammenlebens mit kleinen Kindern. Und häufig wollen auch jüngere, kinderlose Mitarbeiter weniger pendeln, um mehr Zeit für ein Hobby oder für sich selbst zu haben.

Auch aus unternehmerischer und gesamtgesellschaftlicher Sicht hat das Homeoffice viele Vorteile: Vor allem in Großstädten ist Büroraum exorbitant teuer, so dass sich jeder Heimarbeiter rechnet. Und jeder Pendler weniger nutzt der Umwelt, dem Zeitkonto und der Seelenruhe der Mitarbeiter - wer ärgert sich schon gerne über Staus und Bahnverspätungen.

Doch offensichtlich scheint die Anwesenheit im Büro wieder ein Trend zu sein. “Das Beispiel Yahoo zeigt vor allem eines: Es ist nicht einfach, Strukturen aufzubauen, die effizientes, ortsunabhängiges Arbeiten ermöglichen”, meint Christoph Bauer von Capgemini. “Es geht um die Qualität des Managements”, ergänzt der Fachjournalist Eric Knorr, ein erfahrener Beobachter der IT-Branche.

Moderne Managementmethoden richten den Fokus von Erfolgsmessungen eher auf Ergebnisse und weniger auf Dinge wie Anwesenheit oder Arbeitszeit. “Es geht immer darum, Ziele und Kennzahlen zu definieren - innerhalb oder außerhalb des Büros”, meint Knorr. Tatsächlich ist es möglich, den Erfolg von Heimarbeit versus Büroarbeit zu vergleichen.

Mitarbeiter sollen selbst entscheiden

Die wissenschaftliche Forschung hat in den letzten Jahren die Vorteile und Nachteile von “Telearbeit” oder “Telecommuting” sehr intensiv erforscht. Das Problem dabei: Die Ergebnisse sind uneinheitlich, es ist für praktisch jede Meinung zum Thema Homeoffice das passende Ergebnis dabei.

So hat zum Beispiel John Sullivan von der San Francisco State University herausgefunden, dass Telearbeit die Innovationskraft eines Unternehmens beeinträchtigt. Zu einem anderen Schluss kommt Glenn Dutcher von der Universität Innsbruck: Telearbeit ist besonders bei kreativen Aufgaben förderlich.

Die grundsätzliche Ablehnung von Homeoffice-Regeln dürfte wohl trotz Yahoo eine Ausnahme bleiben. Allerdings: “Eine Standardregel für alle funktioniert nicht”, meint Stewart Friedman von der Wharton School, der Managementfakultät an der University of Pennsylvania. Im Falle von Yahoo ist reguläre Anwesenheit der meisten Mitarbeiter sogar positiv.

In einem kriselnden Unternehmen sei die persönliche Kommunikation extrem wichtig, um wirkungsvolle Antworten auf alle Herausforderungen zu finden, sagt Friedman. Unter normalen Umständen dagegen sei es vor allem wichtig, die richtigen Tools für den Austausch der Teams zu nutzen - von Skype über soziale Netzwerke bis hin zur E-Mail.

Letztlich sollten die Mitarbeiter selbst entscheiden dürfen, wo sie ihren Arbeitsschwerpunkt haben möchten. Die Heimarbeit hat einen entscheidenden Nachteil: Ohne einen Funken Selbstdisziplin geht es nicht. Wer also die soziale Kontrolle der Kollegen als Arbeitsanreiz benötigt, sollte lieber morgens ins Büro fahren. Doch auch Selbstdisziplin kann eines nicht leisten: Karrieren werden immer noch vor Ort in die Wege geleitet.

Bildquelle: elegant_woman  / pixelio.de

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