Interview mit Dr. Alfred Zapp, CSC

„Attacken sind deutlich aggressiver"

Interview mit Dr. Alfred Zapp, Director Public Sector bei CSC in Deutschland, über die aktuelle Bedrohungslage in Deutschland durch Angriffe auf IT-Netzwerke und Computersysteme und wie sich Unternehmen dagegen schützen können

Dr. Alfred Zapp, CSC

Dr. Alfred Zapp, Director Public Sector bei CSC in Deutschland

IT-DIRECTOR: Herr Dr. Zapp, wie hat sich die Art der kriminellen Bedrohungen durch die modernen Informationstechnologien verändert?

A. Zapp: Die Digitalisierung und Vernetzung aller Geschäftsprozesse in Wirtschaft und Verwaltung setzt sich kontinuierlich fort. Technische Innovationen wie der mobile Internetzugang, Cloud Computing und Bring your own Device (BYOD) haben dazu geführt, dass die zu schützende Infrastruktur räumlich verteilt ist. Die IT-Landschaft jedes Unternehmens unterscheidet sich heute massiv von der Infrastruktur von vor fünf Jahren und die Angriffe sind heute deutlich aggressiver und gezielter als jemals zuvor. Meist stehen mächtige Organisationen, Firmen im aggressiven Wettbewerb oder Geheimdienste dahinter, die - jeder für sich - ganz spezielle Ziele mit ihren Attacken verfolgen. Daher ist die Absicherung unternehmens- sowie verwaltungsrelevanter Prozesse und Daten mittlerweile ein Thema für die Vorstandsebene geworden - das merken wir inzwischen deutlich in den Gesprächen mit unseren Kunden.

IT-DIRECTOR: Was bedeutet das für Unternehmen und Behörden? Welche Handlungsempfehlungen sehen Sie als zwingend notwendig?

Dr. A. Zapp: Die verteilten IT-Systeme können heute nicht mehr durch Einzelmaßnahmen ausreichend abgesichert werden. Die Frage, die es heute von Politik, Verwaltung und Wirtschaft zu beantworten gilt, lautet nicht mehr „Wie schütze ich meine lokalen IT-Systeme?", sondern „Wie sichere ich ganzheitlich und möglichst proaktiv meine globalen Geschäftsprozesse und verteilten Daten unter Einhaltung aller gesetzlichen Vorschriften und Compliance Regeln?".

Nur ein holistischer Ansatz, der alle Schutzmaßnahmen und Compliance-Regeln integriert, wird sowohl die Funktion als auch die Sicherheit der Geschäfts- und Verwaltungsprozesse nachhaltig gewährleisten. Dies kann nur durch ein Zusammenspiel von sorgsam aufeinander abgestimmten Strategien, Technologien und Prozessen auf verschiedenen Ebenen erreicht werden. Wir empfehlen den Unternehmen, sich professionelle Hilfe zu holen, denn ihre IT-Abteilungen sind hier in der Regel überfordert. Die heute typischen Security Overlays und Intrusion-Detection-Systeme haben ohne Zweifel ihren Wert, aber sie sind unzureichend und lassen Lücken.

Wir bei CSC haben ein ganzheitliches Sicherheitsmodell, den sogenannten „Cybersecurity Stack" entwickelt. Es ist ein Vier-Ebenen-Modell, das es erlaubt, ein speziell auf den individuellen Schutzbedarf eines Unternehmens abgestimmtes Vorgehensmodell zu entwickeln, geeignete Prozesse und Werkzeuge zu implementieren und den Sicherheitsbetrieb 7x24 zu gewährleisten.

IT-DIRECTOR: Sie helfen Ihren Kunden auch bei dem Aufbau und dem Betrieb eines Security Operations Center (SOC), was steckt konkret dahinter?

A. Zapp: Um Sicherheit zu gewährleisten, braucht man neben den Prozessen und Werkzeugen auch die Experten, die mit Hilfe der Analysetools Gefahren möglichst im Vorfeld erkennen und im Falle des Falles adäquate Gegenmaßnahmen einleiten, denn die Abwehr von Angriffen kann nicht vollständig automatisiert werden. Der Aufbau und die laufenden Kosten eines eigenen Security-Expertenteams, das 24 Stunden den Sicherheitsbetrieb im eigenen Haus übernimmt, ist aufwendig und teuer. Von daher bieten wir unseren Kunden diesen Service über unsere Security Operations Center (SOC), die wir weltweit an vielen Standorten aufgebaut haben. Jeder Kunde erhält einen auf seine Bedürfnisse maßgeschneiderten Service, über ein lokales SOC in der Nähe seines Standorts. Somit kann auch die Datensouveränität unserer Kunden garantiert werden. Der Kunde profitiert durch die globale Lernfähigkeit der SOC, beispielsweise werden Intrusion-Detection-Signaturen ausgetauscht, Lagebilder an die globale Bedrohungslage permanent angepasst. Das ist Cybersecurity as a Service.

IT-DIRECTOR: Wenn Sie über Cybersecurity as a Service sprechen, denken wir heute sofort an Cloud oder Software as a Service (SaaS). Sehen Sie hier Potential?

A. Zapp: Der Trend, immer mehr Geschäftsanwendungen in die Cloud auszulagern ist ungebrochen und bietet für viele Unternehmen ein Mehr an Flexibilität und deutliche Einsparpotentiale. Unsere Cloud- und SaaS-Angebote sind natürlich auch mit Cybersecurity as a Service verbunden. Im Rahmen unseres ganzheitlichen Ansatzes sind wir in der Lage, sowohl flexible Ressourcen und Anwendungen bereitzustellen, als auch neue Wege der Kommunikation und Zusammenarbeit mit unseren Kunden zu beschreiten. So sind wir deutlich schlagkräftiger und effizienter beim Aufbau und Betrieb einer umfassenden und ganzheitlichen Sicherheitslösung.

IT-DIRECTOR: Der Cybersecurity-as-a-Service-Gedanke ist in Deutschland noch nicht weit verbreitet, wie sehen Sie die Entwicklung im nächsten Jahr?

A. Zapp: Das ist richtig, deshalb haben wir das erste Cybersecurity Demonstration Center (CDC) gemeinsam mit unseren Partnern Fraunhofer Fokus, HP, EMC/RSA, McAfee und Sourcefire eröffnet. Anhand von konkreten Beispielen können wir die wesentlichen Funktionalitäten und Services eines SOC demonstrieren. Wir simulieren auf der Basis realer Bedrohungsszenarien in Echtzeit Angriffe von Innentätern sowie Attacken über das Internet und zeigen Möglichkeiten auf, wie durch unsere Managed-Security-Services verschiedene Angriffstypen in unterschiedlichen Stadien erkannt werden und wie adäquate Gegenmaßnahmen aussehen. Dadurch können unsere Kunden wesentlich besser bewerten, ob ein bestimmtes Service-Angebot für sie in Frage kommt. Wir prognostizieren, dass die Nachfrage nach CaaS im nächsten Jahr deutlich steigen wird. Großunternehmen und zunehmend auch der Mittelstand haben die Relevanz des Themas mittlerweile erkannt und werden professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.

IT-DIRECTOR: Was raten Sie als IT-Beratungsunternehmen Ihren Kunden?

A. Zapp: Bislang beschränkte sich Cybersecurity auf mehr oder minder fokussierte Ansätze und Add-on-Technologien, deren Nutzung dem Endkunden überlassen blieb. Mit konventionellen singulären Sicherheitsinstrumentarien können heutige Geschäftsprozesse mit komplexen verteilten IT-Strukturen kaum noch geschützt werden. Ein angemessener Schutz verlangt entsprechend ausgereifte und aufeinander abgestimmte Schutzsysteme, eine 7x24 Überwachung durch Experten sowie die Möglichkeit der Aktivierung einer Eingreiftruppe bis hin zum Desaster Recovery. Es ist zwingend erforderlich, eine umfassende Aufklärung nach innen wie nach außen zu betreiben und wir brauchen dringend zuverlässige Frühwarnsysteme. Das bedeutet aber auch, dass die Zusammenarbeit zwischen Privatwirtschaft und öffentlichem Sektor deutlich intensiviert werden muss. Die Initiative des BSI mit dem Bitkom sowie die geplante Allianz für Cybersicherheit möchte ich an diese Stelle ausdrücklich begrüßen.

 

 

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