Schlaue Betrüger

Auch Hacker nutzen KI

Das Thema „Künstliche Intelligenz (KI)“ hat massiv an Fahrt aufgenommen. Im Kommentar erklärt Xavier Coemelck, Worldwide Vice President of Cybersecurity Sales & Services bei Entrust, worauf sich Security-Verantwortliche einstellen müssen.

Schlaue Betrüger

Xavier Coemelck leitet sowohl den direkten und indirekten Vertrieb als auch den Service­bereich für das Cybersecurity-Portfolio von Entrust.

ChatGPT, Bard und andere KI-Sprachmodelle überraschen mit Fähigkeiten, die bisher undenkbar schienen. Auch wenn diese Systeme zum jetzigen Zeitpunkt noch anfällig für Fehler sind, so zeigen sie doch bereits klar die Möglichkeiten auf. Wo ihre Limits liegen, ist nicht vorhersehbar. Absehbar ist jedoch, dass die Fähigkeiten der KI auch von Kriminellen genutzt werden. Wir müssen daher insbesondere mit einer gestiegenen Professionalität und Häufigkeit von Cyberangriffen rechnen.

Malware auf Abruf

So können Hacker etwa mithilfe von KI-Systemen automatisierte Phishing-Angriffe starten. Fehler in Orthografie und Grammatik, die bisher ein augenscheinliches Indiz für solche Angriffe waren, lassen sich mit der fortschrittlichen Intelligenz ausschließen. Damit wird sich die Anzahl überlisteter Opfer vermutlich vervielfachen. Ähnlich verhält es sich mit Social-Engineering-Attacken, bei denen Betrüger Identitäten fälschen und durch scheinbar persönliche Unterhaltungen an kritische Informationen gelangen. Während der hierfür notwendige Grad an Vertrautheit bisher automatisiert schwer herzustellen war, sind KI-gestützte Chatbots zunehmend in der Lage, menschenähnliche Konversationen zu führen. Indem Kriminelle an mehr Informationen über ihre Opfer gelangen, wird auch der auf dem Kapern einer Identität basierende Cyberbetrug immer ausgefeilter und damit gefährlicher. Ein weiteres Problem liegt in der möglichen Entwicklung ausgeklügelter Malware-Programme selbst durch weniger versierte Hacker in deutlich kürzerer Zeit. Sie werden KI-Systeme nutzen, um bösartigen Code für das Verschlüsseln und Exfiltrieren von Daten zu generieren. Hacker, die über Spezialwissen zu Schwachstellen in einem Netzwerk verfügen, können mithilfe Künstlicher Intelligenz schneller ihre Lücken beim Verfassen von Codes schließen. Ebenso wird das Reverse Engineering von bereits vollzogenen Cyberattacken leichter fallen. 

Verstecken hilft nicht

Wir sollten uns darauf einstellen, dass sich die Anzahl kursierender Schadprogramme und Cyberattacken bereits in absehbarer Zeit deutlich erhöhen wird. Umgekehrt arbeitet aber auch die Security-Industrie mit Hochdruck an immer fortschrittlicheren Lösungen, um diese potenziellen Gefahren zu bekämpfen. Und auch auf der „guten Seite“ erweisen sich die Errungenschaften der Künstlichen Intelligenz als Entwicklungsbeschleuniger.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 9/2023. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Noch gibt es für die verantwortungsvolle Nutzung der neuen KI-Modelle keine einheitliche Lösung. Umso wichtiger ist es, dass sich Führungskräfte und IT-Verantwortliche umgehend auf eine neue Situation einstellen. Sie müssen verstehen, was KI zu leisten vermag und wie Kriminelle sie missbrauchen können. Auch sollten Strategien für die unternehmensweite Nutzung von allgemein zugänglichen KI-Systemen entwickelt werden. Aus einem fundierten Verständnis der Situation heraus lassen sich dann in Zusammenarbeit mit Experten und Herstellern die für das jeweilige Unternehmen am besten geeigneten Strategien und Maßnahmen ableiten.

Bildquelle: Entrust

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