Pat Gelsinger, CEO von VMware
Besser früh als – möglicherweise unter Handlungsdruck – zu spät reagieren, lautet offensichtlich die Strategie von VMware. Obwohl das Unternehmen im abgelaufenen Finanzjahr eine Umsatzsteigerung um 13 Prozent auf den Rekordwert von nunmehr 5,21 Mrd. US-Dollar vermelden konnte, hat CEO Pat Gelsinger dem Unternehmen neue Weichenstellungen verordnet.
Das im August 2013 vorgestellte Konzept eines Software Defined Data Centers (SDDC) zum Standard für moderne Rechenzentrumsarchitekturen zu machen, ist einer der zentralen Punkte auf der neuen Firmenagenda. Die Prinzipien der Virtualisierung – die Abstraktion der IT-Services von der zugrundeliegenden Hardware, die Zusammenfassung in Pools sowie die automatisierte Verwaltung – werden beim SDDC auf sämtliche RZ-Bereiche erweitert. Die Provisionierung und das Management von Rechenleistung, Speicher- und Netzwerkressourcen können dabei von intelligenter, richtliniengesteuerter Software zentral organisiert und erheblich vereinfacht und beschleunigt werden.
Als weitere Priorität hat man die vielfach notwendige Modernisierung von Corporate Desktops im Hinblick auf die Anforderungen der Mobile-Cloud-Ära identifiziert. Unter anderem möchte der Anbieter durch eine Partnerschaft mit Google seine Position in diesem Segment stark ausbauen. Das jetzt vorgestellte Angebot soll Unternehmen sicheren Cloud-Zugriff auf Windows-Anwendungen, -Daten und -Desktops auf Google Chromebooks bieten. „Im Enduser-Computing-Bereich wollen wir die IT radikal vereinfachen, so dass Kunden jede Anwendung immer und überall nutzen und dadurch mit dem rasanten Tempo der heutigen Welt Schritt halten können“, erklärt Sanjay Poonen, Executive Vice President bei VMware. Die gemeinsame Lösung steht Kunden zunächst als On-Premise-Service zur Verfügung, soll aber künftig auch vom Anbieter selbst sowie von verschiedenen Providern in der Cloud oder in Hybrid-Umgebungen angeboten werden.
Zudem unterstreichen die US-Amerikaner mit der im Januar verkündeten Übernahme von Airwatch ihre Ambition, künftig auch im Bereich „Mobile Enterprise Management“ ein führende Rolle einzunehmen. Airwatch ist der weltweit größte Anbieter von Unternehmenslösungen für Mobile Device Management, Mobile Application Management und Mobile Content Management. Mit über 10.000 Kunden und 1.500 Mitarbeitern an weltweit neun Standorten bietet man eine umfassende strategische Plattform für das sichere Management einer steigenden Anzahl an mobilen Mitarbeitern sowie deren Devices. „Unsere Vision ist es, Anwendern ein sicheres virtuelles Arbeitsumfeld zu schaffen. Die Kombination aus Airwatch und VMware liefert unseren Kunden bislang ungekannte Vorteile für ihre Desktops und mobilen Umgebungen“, sagt Sanjay Poonen. Mit der Übernahme attackiert man nicht zuletzt Anbieter wie Citrix. „Die hohen Marktanteile, über die Citrix aktuell in diesem Segment verfügt, werden abbröckeln“, prognostiziert Thomas Kühlewein, Vice President CEMEA bei VMware.
Einen deutlichen Schritt weg von reinen Technologieanbieter hin zum Service-Provider soll die Einführung des vCloud Hybrid Service (vCHS) signalisieren, der in Kürze in ganz Europa verfügbar sein wird. Dieser basiert auf vSphere und ermöglicht es Kunden, ihre bestehenden Applikationen, Prozesse und Tools, Netzwerke sowie ihre Administration über On-Premise- und Off-Premise-Umgebungen auszuweiten.
Neue Hybrid-Cloud-Funktionen machen es Kunden mit vielfältigen Funktionen einfacher, neue und bestehende Anwendungen in die Cloud zu übertragen. Mittels „Direct Connect“ können Kunden beispielsweise ihr RZ-Netzwerk über private dedizierte Netzwerke (VPN) direkt mit dem Service verbinden. Funktionen wie „Disaster Recovery as a Service“ ermöglichen es dem Nutzer, Anwendungen und Daten automatisch in den vCHS zu replizieren, so dass bei einem Ausfall eine schnelle automatisierte Wiederherstellung möglich ist.
Hinsichtlich des neuen Service spielen Channelpartner bei der Integration von Private und Public Clouds sowie bei der Bereitstellung von Hybridlösungen eine Schlüsselrolle. Herstellerangaben zufolge sollen zum Zeitpunkt der Verfügbarkeit zahlreiche Partner als vCHS-Reseller eingebunden sein. „Unser Ziel ist es, den Service als ,die‘ Public-Cloud-Plattform zu etablieren. In Kürze werden wir daher auch in Deutschland ein eigenes Datacenter eröffnen“, betont Thomas Kühlewein die Relevanz des neuen Service-Angebots für die künftige Unternehmensausrichtung.