Netzausbau

Auf einem guten Weg

Laut dem Expertenbeirat des Bundeswirtschaftsministeriums liegt Deutschland in Sachen Digitalisierung weiter hinter anderen europäischen Ländern. Vodafone Chef-Netzplaner Guido Weissbrich widerspricht dieser Ansicht im Interview mit IT-DIRECTOR mit Nachdruck.

Vodafone Chef-Netzplaner Guido Weissbrich

„Im Breitband hat Deutschland zuletzt mächtig aufgeholt und mittlerweile eine Spitzenposition inne“, so Guido Weissbrich.

ITD: Herr Weissbrich, wie beurteilten Sie den Stand der Digitalisierung in Deutschland mit Blick auf Breitbandausbau, Netzabdeckung, Unternehmensinvestitionen?
Guido Weissbrich:
Die Netze in Deutschland sind gut. Aber noch nicht gut genug. Wir wollen noch besser werden und sind auf einem guten Weg. Im Mobilfunk versorgen wir mehr als 98 Prozent aller Haushalte in Deutschland mit LTE und 5G wächst schneller als geplant. Wir erreichen bereits 20 Millionen Menschen dort wo sie wohnen und ihren Alltag verbringen mit 5G und haben zahlreiche 5G Projekte mit Industriepartnern gestartet. Im Breitband hat Deutschland zuletzt mächtig aufgeholt und mittlerweile eine Spitzenposition inne. Vor allem weil Vodafone den Gigabit-Ausbau mit der modernen Kabel-Glasfaser-Technik sehr schnell vorantreibt. 22 Millionen Gigabit-Anschlüsse in Deutschland kommen von Vodafone. Und der Ausbau von Gigabit-Leitungen geht weiter. Für Privatmenschen und in Industrieparks.

ITD: In welchen Segmenten sind Ihrer Meinung nach besonders hohe Investitionen notwendig, um Deutschland zum digitalen Vorreiter zu machen?
Weissbrich:
Jeder Euro kann nur einmal ausgegeben werden. Uns wäre es lieber, wenn wir als Telekommunikationsbranche bei Auktionen nicht viele Milliarden Euro für Frequenzscheine ausgeben müssten, sondern das Geld in neue Funkmasten investieren könnten. Andere Länder machen das besser.

ITD: Welche Fortschritte sehen Sie im Bereich der „Digitalisierung ländlicher Raum“, bspw. hinsichtlich Breitbandausbau und Netzabdeckung?
Weissbrich:
Der Netzausbau in ländlichen Regionen ist am schwierigsten. Aber wir sind hier auch einem guten Weg, um unsere Netze auf dem Land noch weiter zu verbessern. In besonders unwirtschaftlichen Gebieten haben wir bei LTE Kooperationen mit Telekom und Telefonica geschlossen, um die Netzabdeckung weiter zu verbessern. Als einziger Anbieter setzen wir zudem auch bei 5G auf den Ausbau auch in ländlichen Regionen mit den sogenannten 700 Megahertz Frequenzen. Ihr Vorteil: Sie reichen besonders weit und bringen schnelles Netz auch bis in die Häuser. Wir bauen 5G also auch gezielt dort aus, wo bislang nur langsame DSL Leitungen verfügbar sind. Zusammen mit dem Mobilfunk-Router Gigacube 5G ist 5G dann eine deutliche schnellere Alternative zum DSL-Anschluss.

ITD: Wie verläuft der 5G-Ausbau Ihrer Meinung nach?
Weissbrich:
5G wächst viel schneller als geplant. Vodafone hat 2019 das erste 5G Netz in Deutschland mit dem Ziel gestartet, 20 Millionen Menschen bis Ende 2021 mit 5G zu versorgen. Das Ziel haben wir schon heute und damit neun Monate früher als geplant erreicht und uns darum jetzt vorgenommen, bis zum Ende des Jahres 5G für 30 Mio. Menschen verfügbar zu machen.

ITD: Mit welchen Technologien könnte man die Abdeckung steigern? Gibt es praktikable Alternativen zum 5G-Ausbau?
Weissbrich:
5G funkt auf unterschiedlichen Frequenzen. Deutschland braucht den optimalen Mix aus Bandbreite und Reichweite. Vodafone setzt als einziger Netzbetreiber bei 5G auf einen Technik-Mix aus dem High-Band (3,5 Gigahertz), dem Mid-Band (1,8 Gigahertz) und dem Low-Band (700 Megahertz). Die hohen Frequenzen bringen die ganz hohen Bandbreiten von bis zu 1.000 Megabit pro Sekunde auf kleinem Raum. Wir aktivieren sie vor allem an Orten, wo besonders viele Menschen zeitgleich mit dem Smartphone unterwegs sind – zum Beispiel im Stadion oder in den Industriehalle wo tausende Roboter vernetzt werden. Die Frequenzen im Mid-Band nutzen wir für schnelles Internet mit bis zu 500 Megabit pro Sekunde in städtischen Bereichen. Die Frequenzen im Low-Band versorgen einen Umkreis von bis zu 8 Kilometern mit schnellem Netz. Wir setzen sie vor allem in ländlichen Regionen ein, wo bislang noch viel zu oft im Schneckentempo gesurft wird.

ITD: 2019 lag die Abdeckung mit Glasfaserabdeckung in Deutschland bei 11 Prozent und damit erheblich hinter den meisten europäischen Nachbarländern. Wie sehen Sie die Entwicklung der Glasfaser-Abdeckung bis in Gebäude?
Weissbrich:
Wichtig ist die Leistung, die ein Netz bringen kann. Mit unserem modernen Kabel-Glasfaser-Netz haben wir schon heute 22 Mio. Haushalte mit Gigabit-Leitungen ausgestattet. Nirgendwo anders wächst ein Gigabit-Netz schneller. Kein anderer Anbieter bringt mehr Menschen ans Gigabit als wir. Perspektivisch kann unser Kabel-Glasfasernetz sogar Bandbreiten von bis zu 10 Gigabit pro Sekunde schaffen.

ITD: Es gibt einige Beispiele für deutsche Start-ups, die die Digitalisierung in Deutschland vorantreiben könnten? Wo sehen Sie Potenzial? Gibt es Leuchtturmprojekte, die auch international relevant sind?
Weissbrich:
Wir arbeiten eng mit zahlreichen Start-Ups zusammen. Vor allem wenn es um die Entwicklung von digitalen und nachhaltigen Services und Anwendungen geht. Gemeinsam mit Mowa haben wir kleine Windmühlen entwickelt, die unsere Mobilfunkstationen mit Strom versorgen und etliche Mobilfunkstationen betreiben wir mit Solarstrom. Zusammen mit Unu bringen wir Elektroroller ins Internet der Dinge. Sie sind voll vernetzt und voll elektrisch, sodass wir sie immer mit unseren Freunden und Liebsten teilen können. Und sie brauchen keinen Schlüssel mehr. Den Motor startet man mit dem Smartphone.

ITD: Welche Digitalisierungsprojekte haben Ihrer Meinung nach hierzulande in Zukunft die höchste Priorität? Auf welchem Stand wird die Technologie Ihrer Meinung nach in fünf bis zehn Jahren sein?
Weissbrich:
Der Ausbau von Gigabit-Netzen unter der Erde und in der Luft wird elementar. Im Mobilfunk mit 5G und im Breitband mit den modernen Kabel- und Glasfaser-Technologien.

Bildquelle: Vodafone

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