„Viele Unternehmen gehen bereits einen hybriden Weg“, ist sich Klaus Berle, Director Cloud Computing bei HP Deutschland, sicher.
IT-DIRECTOR: Herr Berle, welche Bedeutung schreiben Sie dem Thema „Cloud Computing“ für das Jahr 2014 zu?
K. Berle: 2014 wird die Cloud definitiv an Bedeutung gewinnen. Eine neue Studie von 451 Research sagt beispielsweise voraus, dass 69 Prozent aller IT-Verantwortlichen ihre Cloud-Budgets weiter erhöhen werden. Unternehmen werden mehr denn je die Vorteile, die Cloud Computing bietet, nutzen: Agilität, Skalierbarkeit, Kosteneffizienz. Dementsprechend wird auch das Geschäft mit Services rund um die Cloud wachsen: Ich rechne damit, dass mehr IT-Dienstleister auf den Cloud-Service-Brokerage-Zug aufspringen oder sich zusätzliche Umsätze durch Partnerprogramme sichern werden wie etwa unser Cloudagile-Programm.
IT-DIRECTOR: Wie wird sich das Interesse der Großunternehmen im Vergleich zum Vorjahr an der Wolke gestalten?
K. Berle: Cloud Computing ist in Großunternehmen längst angekommen, gut ein Drittel der Firmen nutzen bereits die Wolke. Teilweise kommt die Nachfrage aus dem Fachbereich, dort werden oft externe Cloud-Services genutzt oder die IT hat ihre internen Systeme in einer Private Cloud automatisiert. Um beide Ansätze wieder zusammenzubringen, benötigen die Unternehmen eine Cloud-Strategie, die zu den Mitarbeitern passt – und zur eigenen Unternehmens-, IT- und Sicherheitsstrategie. Deshalb gilt für das kommende Jahr: Unternehmen, die noch keine Strategien haben, werden eine brauchen. Und Unternehmen, die bereits in der Wolke sind, werden besser werden wollen. Wir gehen davon aus, dass die Kunden etwa 20 bis 25 Prozent mehr Geld für Cloud-Technologien ausgeben werden.
IT-DIRECTOR: Wann ist für Großunternehmen die Private, wann die Public Cloud interessant?
K. Berle: Private Clouds eignen sich hervorragend, um kritische IT-Ressourcen und -Dienste zu automatisieren, die auf jeden Fall im Haus bleiben sollen. Public Clouds sind dagegen eher geeignet, weniger kritische Ressourcen im Bedarfsfall kurz anzumieten. Was wann aus welcher Wolke bezogen werden sollte, richtet sich natürlich nach den jeweiligen Anforderungen an Verfügbarkeits- und Datensicherheitslevels und nach den Fähigkeiten des jeweiligen Unternehmens – da lassen sich keine Pauschalaussagen treffen.
IT-DIRECTOR: Welche Rolle spielt wiederum die Hybrid Cloud? Welche Möglichkeiten bietet sie den Großunternehmen?
K. Berle: Viele Unternehmen gehen bereits einen hybriden Weg; die Marktforscher von Gartner rechnen damit, dass etwa die Hälfte aller Konzerne bis 2017 hybride Umgebungen betreiben werden. Sensible Daten werden in der Private Cloud gelagert, während die Public Cloud dabei hilft, Lastenspitzen aufzufangen und kostengünstig Rechenkapazitäten bereitzustellen. Aber das Verwalten solcher Umgebungen wird schnell sehr komplex und versursacht entsprechenden Aufwand. Deshalb brauchen Unternehmen eine gute Governance und ein effizientes Management für ihre hybride Umgebung – sonst geht viel Cloud-Mehrwert verloren.
IT-DIRECTOR: Wann ist der Einsatz einer Hybrid Cloud sinnvoll? Was gibt es für konkrete Anwendungsszenarien?
K. Berle: Gute Anwendungsszenarien sind „Dev-Test-Prod“, Entwicklung, Test und Start bzw. Implementierung von Produktivumgebungen. Software-Entwickler benötigen schnellen, temporären Zugriff auf Entwicklersysteme, einschließlich der Entwicklungsumgebung beim Kunden. Deshalb ist es bereits Gang und Gebe, Entwicklungsumgebungen per Public Cloud bereitzustellen. Wenn es dann um das Testen und Implementieren einer Software geht, also Test- und Produktivumgebung gebraucht werden, kommen meist in Private Clouds gehostete Umgebungen zum Einsatz.
IT-DIRECTOR: Mit welchem Aufwand ist bei der Migration zu rechnen?
K. Berle: Wenn Unternehmen HP Cloud OS nutzen, dann nicht mit viel Aufwand: Unser System setzt auf Openstack; das gewährleistet ein Höchstmaß an Interoperabilität nicht nur zwischen verschiedenen Cloud-Modellen, sondern auch mit Clouds anderer Betreiber. Das erleichtert die Migration natürlich erheblich; mit unserer Plattform können sie ohne große Schwierigkeiten ganze Stacks verschieben und weiterbetreiben. Unabhängig vom eingesetzten System lässt sich auch mit Vorsorge viel machen. HP bietet beispielsweise Dienstleistungen wie die Hybrid Cloud Design Professional Services. Damit können Kunden ihre Clouds von vorneherein so aufbauen, dass Migrationsprobleme minimiert werden.
IT-DIRECTOR: Wie lässt sich der Datentransport in einer Hybrid-Cloud bewältigen – also etwa von der Private- in die Public-Umgebung oder umgekehrt?
K. Berle: Bei unserer Hybrid Cloud Management Platform erledigen das HP Cloud OS und die openstack-fähige Cloud-Lifecycle-Management-Software Cloud Service Automation: Sie ermöglicht das einfache Verschieben ganzer Stacks zwischen verschiedenen Cloud-Modellen bzw. HP-Clouds und Clouds anderer Betreiber.
IT-DIRECTOR: Wie behalten Unternehmen den Überblick, wer welche Daten in der Private- und wer welche Informationen in der Public-Umgebung einer Hybrid-Cloud ablegt?
K. Berle: Gute Managementsysteme wie unsere Hybrid Cloud Management Platform bieten eine Oberfläche für alles, sprich: Sie ermöglichen einen umfassenden Überblick, der traditionelle herkömmliche IT-Ressourcen, Public und Private Clouds sowie Virtual Private Clouds einschließt. Wer solche Systeme einsetzt, kann alle IT-Ressourcen über eine Konsole verwalten. Das spart Verwaltungsaufwand und -kosten und erleichtert das Umsetzen von Hybrid-Strategien. So ziehen Unternehmen den höchstmöglichen Nutzen aus ihrer Cloud-Umgebung. Übrigens: Systeme, die wie die Hybrid Cloud Management Platform Openstack nutzen, sind mit unterschiedlichen Hypervisoren kompatibel. Das macht die Anbindung und Verwaltung von Clouds unterschiedlichster Hersteller möglich.
IT-DIRECTOR: Welche Rolle spielen hier Management-Tools?
K. Berle: Die vereinfachen das Lizenzmanagement ganz erheblich, sind aber nicht unbedingt nötig. Eine gute Governance kann völlig ausreichend sein. HP bietet Kunden mit dem Beratungsservice Software Licensing Advisory Service for Cloud Unterstützung bei der Softwarelizenzierung in Cloud-Umgebungen.
IT-DIRECTOR: Welche Abrechnungsmodelle gibt es und mit welchen Kosten ist bei einer Hybrid Cloud im Vergleich zur Private und Public Cloud zu rechnen?
K. Berle: Da die Hybrid Cloud sowohl Public als auch Private Cloud nutzt, gibt es hier keine pauschale Antwort. Kunden können die für ihre Anforderungen besten Service-Level-Agreements (SLA) und Preismodelle individuell festlegen.
IT-DIRECTOR: In welchen Punkten sind Hybrid Clouds noch „ausbaufähig“ bzw. „verbesserungsbedürftig“?
K. Berle: Sicherlich im Bereich der Standardisierung, aber hier tut sich gerade was. Openstack setzt sich zunehmend durch – bei Service-Providern und bei Kunden. Damit wird er zu einer Art Quasistandard, der die Nutzung hybrider Umgebungen noch effizienter macht.
IT-DIRECTOR: Welche Zukunft sagen Sie der Hybrid Cloud voraus?
K. Berle: Unternehmen haben viele unterschiedliche Anforderungen, die eine Private Cloud oder eine Public Cloud allein nicht erfüllen können – deshalb werden sich die Hybrid-Modelle durchsetzen. Die Frage ist daher nicht ob, sondern wie sie zu einer Hybrid Cloud kommen. Wir sind natürlich der Ansicht, dass sie auf uns setzen sollten – und Gartner sieht das genauso: Wir verfügen über die Technologie- und Beratungsexpertise, um Kunden auf dem Weg von einer komplexen, unübersichtlichen IT-Landschaft zu einem einheitlichen, leicht zu bedienenden und zu verwaltenden hybriden Bereitstellungsmodell zu begleiten – und wir bieten alle Hardware- und Softwaresysteme, die sie für eine Cloud brauchen, aus einer Hand.