Sind Überwachungsprogramme das Ende der Cloud im Business-Bereich?
Der NSA-Überwachungsskandal eignet sich besonders für Skeptiker in Sachen Cloud Computing als Killerargument. Doch wird die Verbreitung von Cloudservices wirklich sinken? Eine Expertenumfrage der Kommunikationsagentur Dr. Haffa & Partner legt nahe: Die Überwachungsprogramme werden die Nutzung in Deutschland kaum einschränken.
Die Agentur wollte von 75 deutschen Führungskräften und Meinungsmachern wissen, ob Unternehmen heute noch Cloud-Dienste nutzen können oder ob die staatliche Überwachung ihr Ende bedeutet. Denn bisher weiß niemand, ob geheimdienstliche Überwachungsprogramme nicht auch für Wirtschaftsspionage eingesetzt wurden. Das Ergebnis der Umfrage: Nur sieben Prozent der Befragten gehen von einem Ende der Cloud im Business-Bereich aus. 19 Prozent meinen, dass die Nutzung drastisch abnehmen werde.
Doch etwa die Hälfte der IT-Experten vermutet, dass sich an der Nutzung der Cloud nichts ändern wird. Ein Teilnehmer erklärt: „Das Ende der Cloud ist es definitiv nicht. Aber man wird bewusster mit den Daten umgehen, die man in die Cloud stellt. Und Verschlüsselung wird endlich den Stellenwert erhalten, den sie eigentlich haben sollte. Aber alles dauert seine Zeit."
Ein anderer Teilnehmer sieht die Unternehmen in der Pflicht, mit ihren Daten vorsichtig umzugehen und weist ebenfalls auf Verschlüsselungsmöglichkeiten hin: „Von jeher konnten/sollten sensible Unternehmensdaten nicht über Allerwelts-Clouds verarbeitet werden. Sie bedürfen gesonderter Behandlung, ohne die wirtschaftlichen Vorteile des Cloud-Ansatzes zu missen, zum Beispiel in einer entsprechend gesicherten deutschen beziehungsweise europäischen Cloud sowie in der Regel zusätzlicher End-to-End-Verschlüsselungen."
Ein dritter Teilnehmer sieht die europäischen Anbieter im Aufwind: „Man muss differenzieren zwischen amerikanischen und deutschen Cloud-Anbietern. Die amerikanischen Cloud-Anbieter haben natürlich Geschäftseinbußen und deutsche Anbieter nutzen das Prism-Thema für Marketingzwecke, um noch mehr Stimmung gegen die amerikanischen Anbieter zu machen. Also: deutsche Cloud im Aufwind, amerikanische Cloud im Regen."
Diese Vermutung kann auch durch aktuelle Zahlen gestützt werden. Die US-amerikanische “Information Technology and Innovation Foundation (ITIF)” hat in einer Blitzumfrage einige Anbietern von Cloudservices zu ihren ersten Erkenntnissen interviewt. Das Ergebnis: Der NSA-Skandal dürfte einen Rückgang der Auslandsumsätze von 22 und 35 Milliarden US-Dollar ergeben.
Der ITIF-Analyst Daniel Castro geht iin der Studie davon aus, dass die Umsätze auf den Auslandsmärkten der US-Provider zwischen zehn und 20 Prozent sinken. Viele US-Cloudprovider geben an, das etwa zehn Prozent der Nicht-US-Kunden bereits Aufträge storniert und mehr als die Hälfte die entsprechenende Projekte jetzt erst einmal pausieren lassen. Diese Zahlen entsprechen recht genau denen, die eine Umfrage der ”Cloud Security Alliance (CSA)” unter Ihren Mitgliedern ergeben hat.
Die Ergebnisse stehen für eine deutlich wahrnehmbare Besorgnis, die Dominanz im Cloud-Markt zu verlieren. “Wenn die US-Unternehmen in diesem Bereich ihre Marktführerschaft behalten wollen, müssen sie auf dem globalen Markt konkurrenzfähig bleiben”, meint Castro. “Wenn die US-Regierung die Cloud-Anbieter weiter behindert, werden andere Länder dazwischentreten, um ihre eigene Wirtschaft auf Kosten der USA zu fördern.”
Bildquelle: Dr. Haffa & Partner