Tom Kingham ist ein Ingenieur mit langjähriger Erfahrung in den Bereichen „Design“ und „Konstruktion“ sowie ein Experte für kundenspezifische Lösungen
ITD: Herr Kingham, wie handeln Rechenzentren (RZ) die Verantwortung zwischen sich und den Kommunen aus?
Kingham: Wasser, das für die Kühlung verwendet wird, muss sauber und frei von Bakterien sein. Der einfachste und sicherste Weg für eine ideale Wasserversorgung ist die kommunale Versorgung. Das Wasser wird nach hohen Standards aufbereitet und geprüft. Gemeinden gewähren uns Zugang zum normalen Wassersystem. Da Wasser zur Kühlung immens wichtig ist, haben wir im Idealfall immer zwei Anschlüsse, damit die Versorgung gesichert ist. In Deutschland ist es nicht möglich, zwei getrennte Wasseranschlüsse zu beantragen, und so müssen Rechenzentren bei einem Ausfall der Wasserzufuhr auf vor Ort in Tanks gespeichertes Wasser zurückgreifen. Allerdings wird damit eine Aufbereitung nötig, um sicherzugehen, dass das Wasser die erforderliche Qualität hat.
ITD: In welchem Zustand ist das Wasser, wenn es zurückgeleitet wird?
Kingham: Im Grunde unterscheidet sich das Wasser, das wir zurückleiten, nicht groß von dem, welches wir entnommen haben. Es ist lediglich durch das Kühlungssystem gelaufen. Wir müssen das Wasser alle 24 Stunden austauschen, um eine Kontamination zu vermeiden. Denn wenn die Wassertemperatur im Kühlungsverlauf über 25° C steigt, können sich darin viel leichter Bakterien ansiedeln. Da ein gewisser Anteil auch verdampft, könnten Krankheitserreger so leicht in die Luft gelangen und sich verbreiten. Für mehr Nachhaltigkeit wurden aber in den letzten Jahren Testmethoden entwickelt, damit das Wasser erst ausgetauscht werden muss, wenn kritische Werte erreicht werden. Idealerweise würden Rechenzentren das Wasser also so lange wie möglich nutzen, aber das ist natürlich auch riskant. Daher finden diese Testmethoden bisher wenig Anwendung, obwohl sie den Wasserverbrauch senken würden.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 6/2023. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
ITD: Für die Messung des Wasserverbrauchs wird der WUE-Wert (Water Usage Effectiveness) verwendet. Wie könnte die Transparenz der WUE verbessert werden?
Kingham: Beim WUE-Wert geht es nicht darum, wie viel Wasser man bezieht und dann wieder zurückleitet. Es geht darum, wie viel durch Verdunstung an die Umwelt verloren geht. Das ist kein wirkliches Maß für die Effizienz, sondern einfach ein Maß dafür, wie viel Wärme vor Ort entsteht. Denn die Verdunstungsmenge hängt damit zusammen, wie viel Wärme erzeugt wird. Sie sagt nichts darüber aus, wie effizient man mit der Wassermenge umgeht, die ankommt. Die Transparenz, die ich persönlich gerne sehen würde, ist folgende: Ich möchte wissen, wie viel Wasser auf dem Gelände ankommt. Steht das im Verhältnis zur IT-Kapazität des Standorts in Kilowatt? Es ist nicht wichtig, ob es verdunstet oder in die Kanalisation geleitet wird. Es ist die Menge an Wasser, die aus der Wasserversorgung entnommen wird und den Menschen so nicht mehr zur Verfügung steht. Die Frage für alle Rechenzentren ist: Wie können wir sicher sein, dass wir aus jedem Liter Wasser, der auf dem Gelände ankommt, das Beste machen, bevor wir ihn „wegschütten“?
Bildquelle: Cyrusone