Nils Manegold verantwortet als CEO der GFN GmbH die Strategie und Ausrichtung des Tochterunternehmens der Amadeus-FiRe-Gruppe.
ITD: Herr Manegold, gibt es den viel zitierten IT-Fachkräftemangel nach wie vor in Deutschland?
Nils Manegold: Den Fachkräftemangel in der IT gibt es weiterhin und er war noch nie so kritisch wie aktuell. Die Pandemie hat die Digitalisierung extrem vorangetrieben und viele Unternehmen sind nicht dazu in der Lage, die notwendigen Veränderungen aus eigener Kraft umzusetzen.
ITD: Welchen Einfluss übt die derzeitige Pandemie auf die Nachfrage nach IT-Fachkräften aus?
Manegold: IT-Fachkräfte sind gerade jetzt in Unternehmen besonders gefragt, um in der Digitalisierung Schritt zu halten. Je nach individueller Situation und Teamaufstellung ist es nicht nur sinnvoll, sondern sogar notwendig, Mitarbeiter fachbereichsübergreifend in IT-Themen weiterzubilden, um auch nach der Pandemie gut aufgestellt zu sein.
ITD: Corona hat viele Mitarbeiter kurzfristig ins Homeoffice getrieben, was vielerorts zu (sicherheits-)technischen Herausforderungen und Problemen führte. Eine Aufgabe für externe IT-Experten oder können diese Herausforderungen in der Regel durch die internen IT-Abteilungen, auf die sich Großunternehmen in der Regel stützen, abgefangen werden?
Manegold: Die Entscheidungen im März 2020 wurden sehr kurzfristig getroffen, sodass hier erst einmal die internen IT-Abteilungen gefordert waren. Wo diese bereits auf bestehende Homeoffice-Regelungen zurückgreifen konnten, mag die Umstellung technisch etwas leichter gefallen sein. Allerdings konnten die organisatorischen Konzepte unserer Erfahrung nach in vielen Unternehmen nicht Schritt halten. Hierzu zählt ein übergreifendes Kommunikationskonzept, die flächendeckende Schulung aller Mitarbeiter auf die neuen Tools und natürlich auch eine Anpassung der Führungskultur. Dieser organisatorische Change als wesentlicher Erfolgsfaktor wurde deutlich unterschätzt.
ITD: Dass die IT-Abteilungen viel zu tun haben, liegt mitunter auch daran, dass viele Mitarbeiter im Homeoffice mit der Remote-Technik überfordert sind. Der Anstieg von Remote Work im Zuge der Pandemie hat beispielsweise zu vielen Sicherheitsverletzungen geführt. Wie können Unternehmen die fehlenden digitalen und technischen Kompetenzen ihrer Mitarbeiter daheim erkennen und angehen?
Manegold: Hier sind IT-Abteilungen insbesondere da auf Unterstützung angewiesen, wo es darum geht, Mitarbeiter im Homeoffice für Datenschutzthemen zu sensibilisieren und Geräte richtig und sicher zu nutzen. Ein begleitendes Change Management, das nicht nur die technischen Aspekte beleuchtet, sondern sämtliche Abläufe im Unternehmen auf die neue Situation umstellt, ist der Schlüssel zum Erfolg. Darüber hinaus können externe Dienstleister die Mitarbeiter in den Bereichen „Kommunikation“ und „Kollaboration“ fit machen und dabei auch auf Security-Themen und Best Practices eingehen.
ITD: Welchen Stellenwert hat an dieser Stelle das Thema „IT-Weiterbildung“ im Rahmen der Corona-Pandemie eingenommen?
Manegold: Das Thema „IT-Weiterbildung“ hat im letzten Jahr einen sehr hohen Stellenwert eingenommen, da in der Pandemie ein sehr großer Teil der Mitarbeiter im Homeoffice ist. Dort sind die Teams genauso mit IT-Problemen konfrontiert wie am Firmenarbeitsplatz, doch die Kollegen und IT-Techniker sind nicht mehr so einfach greifbar wie zuvor. Schulungen befähigen Mitarbeiter dazu, mit den Programmen sicher umzugehen sowie hier und da auch Probleme selbstständig lösen zu können.
ITD: Worin sehen Sie die Vor- und Nachteile von Online-Weiterbildungsmaßnahmen im Vergleich zu Präsenzschulungen?
Manegold: Die Vorteile von Online-Weiterbildungsmaßnahmen liegen vor allem in der höheren Flexibilität: Modulare Schulungskonzepte und arbeitsbegleitende, kontinuierliche Maßnahmen sind digital wesentlich einfacher und kosteneffizienter umsetzbar als im reinen Präsenztraining. Allerdings fehlt der persönliche Draht zu den Teilnehmern, wodurch die menschliche Komponente sich verändert. Das lässt sich schwer in Zahlen messen, doch wer schon einmal in ein Projekt involviert war, welches Mitarbeitern größere Veränderungen abverlangt hat, der weiß, wie wichtig es manchmal ist, auf der persönlichen Ebene ein größeres Verständnis für Maßnahmen herbeizuführen. Im persönlichen Austausch werden andere Fragen gestellt, man kommt besser ins Gespräch. Dies lässt sich virtuell nicht zu 100 Prozent ersetzen.
ITD: Was wird von Mitarbeitern an solchen digitalen Weiterbildungsmaßnahmen häufig bemängelt?
Manegold: Die Kritik ist sehr abhängig von der individuellen Situation der Schulungsteilnehmer sowie deren Vorerfahrungen mit Online-Weiterbildungen. Einige finden es sehr anstrengend, über den Lerninhalten am Bildschirm zu folgen – einfach weil sie sonst Präsenzveranstaltungen gewohnt sind. Wir bieten daher kostenlose 45-minütige Test-Sessions an, in denen Teilnehmer einen Eindruck davon gewinnen, wie digitale Weiterbildungsmaßnahmen durchgeführt werden.
ITD: Wie könnte solch ein Online-IT-Schulungsangebot gestaltet sein, an dem Mitarbeiter auch wirklich Spaß haben?
Manegold: Die optimale Gestaltung hängt von der jeweiligen Zielgruppe ab. Gamification ist beispielsweise ein guter Ansatz, in dem Punkte oder Medaillen die Mitarbeiter für absolvierte Schulungen belohnen. Generell gilt, dass Online-Schulungen kleinteiliger aufgebaut sein sollten als Präsenzweiterbildungen, damit die Teilnehmer schnell Erfolge erleben und motiviert bleiben.
ITD: Wie wichtig sind letztlich Mitarbeiterqualifikation und -motivation für den Unternehmenserfolg?
Manegold: Mitarbeiterqualifikation und -motivation sind Schlüsselfaktoren für den Unternehmenserfolg. Denn gut qualifizierte und motivierte Mitarbeiter sind neugierig auf neue Technologien und Veränderung. Diese Grundeinstellung kommt im zweiten Schritt auch den Kunden des jeweiligen Unternehmens wieder zugute, schafft einen lebendigen Austausch und die Offenheit für Innovationen.
ITD: Was halten Sie von einer Art „Technologie-Führerschein“ für Mitarbeiter?
Manegold: Im Prinzip ist eine Art „Technologie-Führerschein“ eine gute Sache, um das Basiswissen für Mitarbeiter festzulegen. Doch ein solcher Test allein reicht nicht aus, um für die unterschiedlichen Infrastrukturen und Programme, welche in Unternehmen im Einsatz sind, ein ausreichendes Wissen aufzubauen. Individuelle Schulungen für bestimmte Prozesse und Programme sind und bleiben darüber hinaus wichtige Investitionen.
Bildquelle: GFN