Das Auto ist heute eher eine updatefähige Software-Plattform als ein Mechanikmonster
Die „2026 Global Automotive Consumer Study“ von Deloitte analysiert zentrale Konsumtrends in acht Kernmärkten, darunter die USA, das Vereinigte Königreich, Deutschland, China, Indien und mehrere Länder Südostasiens. Wichtigster Trend ist natürlich die weltweit zunehmende Bedeutung des Elektroantriebs. Doch auch ein zweiter Trend sticht hervor: „Software-defined vehicles“. Ein Vergleich zwischen den westlichen Industrienationen USA, UK und Deutschland auf der einen Seite sowie China, Indien und Südostasien auf der anderen Seite zeigt deutliche Unterschiede in Erwartungshaltung, Zahlungsbereitschaft und Vertrauen.
Bei software-definierten Autos werden zentrale Funktionen durch Software gesteuert. Es gibt nicht einzelne Steuergeräte pro Funktion, sondern eine einheitliche, leistungsfähige Rechnerplattform, auf der die Funktionen als Softwaremodule laufen. Ein softwaredefiniertes Auto wird nicht mehr primär über mechanische Innovationen definiert, sondern über Software sowie die Fähigkeit zu regelmäßigen Updates und zur Einführung völlig neuer Funktionen.
Die Studie zeigt klar, dass es hier erhebliche Wahrnehmungsunterschiede in den einzelnen Märkten gibt. In China, Indien und Südostasien gilt das softwarezentrierte Fahrzeug mehrheitlich als sinnvoll. In Indien bewerten 81 Prozent der Befragten das Konzept als nützlich, in Südostasien 71 Prozent, in China 68 Prozent. Ganz anders dagegen die traditionellen Märkte: In den USA liegt die Zustimmung bei 41 Prozent, im Vereinigten Königreich bei 38 Prozent, in Deutschland bei 33 Prozent. Diese Zahlen markieren eine klare Trennlinie zwischen dynamischen Wachstumsregionen und reifen Märkten.
Auch das Thema „Over-the-Air-Updates“ (OTA) und ein dafür notwendiger Aufpreis folgt demselben Muster. In China sind 50 Prozent bereit, mehr als zehn Prozent des Listenpreises zusätzlich zu zahlen. In Indien liegt dieser Wert bei 45 Prozent. In Deutschland sind es lediglich drei Prozent, in Großbritannien sechs Prozent, in den USA sieben Prozent. Ein erheblicher Anteil der deutschen Befragten, nämlich 40 Prozent, lehnt einen Aufpreis grundsätzlich ab.
Noch deutlicher wird die Differenz zwischen den Märkten bei integrierten Diensten. In Indien zeigen 75 Prozent Interesse daran, das Fahrzeug als Plattform für zusätzliche Services wie Lieferdienste oder dynamische Versicherungsmodelle zu nutzen. In China sind es 64 Prozent, in Südostasien 58 Prozent. Ganz anders wieder die alte Welt: In Deutschland liegt der Anteil von Personen mit Interesse an Zusatzdiensten bei 19 Prozent, im Vereinigten Königreich bei 27 Prozent, in den USA bei 29 Prozent. Diese Diskrepanz deutet auf ein unterschiedliches Verständnis des Autos als Teil eines digitalen Ökosystems hin.
Das neue, digitale Verständnis zeigt sich vor allem bei der Einschätzung, ob regelmäßige OTA-Updates die Haltedauer eines Fahrzeugs verlängern. In Indien können sich 84 Prozent vorstellen, ihr Fahrzeug in diesem Fall länger zu behalten. In China und Südostasien sind es jeweils 72 Prozent. In Deutschland liegt der Wert bei 36 Prozent, im Vereinigten Königreich bei 47 Prozent, in den USA bei 52 Prozent.
Die Studie zeigt zudem, dass viele Befragte in Asien ihr Fahrzeug ein bis drei Jahre länger behalten würden, wenn kontinuierliche Softwareverbesserungen verfügbar sind. Hier entsteht für Hersteller ein strategischer Hebel zur Kundenbindung, vor allem in Märkten mit hoher Wechselbereitschaft. Wenn es regelmäßige Updates gibt und die Software alle aktuellen Funktionen erhält, bleibt der Wagen aus Sicht der indisch-asiatischen Verbraucher längere Zeit wertvoll und muss nicht unbedingt ersetzt werden.
Daraus lässt sich schließen, dass in diesen Ländern das Fahrzeug zunehmend Teil eines umfassenden digitalen Dienstleistungsangebots ist, dass von den Verbrauchern geschätzt wird. Die Bereitschaft, Softwarefunktionen zu nutzen und dafür zu zahlen, ist hoch. Das Auto wird als Plattform verstanden, die sich kontinuierlich weiterentwickelt. In den USA, dem UK und in Deutschland dominiert dagegen eine traditionelle Haltung: Das Auto ist ein „Fertigprodukt“, das nach dem Kauf weitgehend so bleibt, wie es ist. Software ist weniger wichtig, zusätzliche digitale Dienste werden sehr zurückhaltend bewertet.
Laut der Studie können diese Trends zu einem Problem für die OEMs werden: Sie müssen sowohl traditionell denkende als auch digital enthusiastische Kunden bedienen. Hinzu kommt die vergleichsweise langsame Adoption von Elektroautos in den USA und weiten Teilen Europas. China hat das Elektroauto bereits vor mehr als zehn Jahren als große Chance erkannt. Es hat ihm eine strategische Bedeutung beigemessen: Für die Abtrennung vom Erdölmarkt und den Aufbau einer eigenen, potenziell exportstarken Autoindustrie.
Eine ähnliche Kalkulation machen Indien und viele andere Länder, auch in Afrika und Südostasien. Erneuerbare Energien und eine eigene Industrie mit kostengünstig gebauten Elektroautos machen unabhängig von überteuerten (Öl-)Importen und bewirken zusätzliche Exportchancen. Das der Bedeutungsverlust des Verbrennungsmotors auch positive Folgen für die „Volksgesundheit“, Umwelt und das Weltklima hat, ist dabei eher ein Nebeneffekt.
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Geschrieben mit KI-Unterstützung.