No/Low Code: Softwareentwicklung für Nicht-Programmierer
Nico Bäumer, CTO d.velop AG
Der Fachkräftemangel bremst die Digitalisierung in Deutschland aus. 2023 waren laut einer Bitkom-Studie 149.000 IT-Jobs unbesetzt – so viele wie noch nie. Diese fehlende (Wo)manpower sehen viele Unternehmen als eine Hauptursache für mangelnde Digitalisierung ihres Geschäfts an. Insgesamt stehen 48 Prozent der deutschen Unternehmen 2024 immer noch vor Problemen bei der Digitalisierung, so eine weitere Erhebung des Branchenverbandes. Mehr als drei Viertel (78 Prozent) der Befragten geben dort an, dass sie Probleme mit dem Fachkräftemangel haben.
In den nächsten Jahren dürfte sich diese Problematik weiter verschärfen. Einerseits wird eine hohe Nachfrage nach IT-Skills bestehen bleiben. Auf der anderen Seite fehlt es in der IT, anders als in den meisten Branchen, an Ausbildungsplätzen. Auf lange Sicht müssen die meisten IT-Firmen mehr ausbilden, das ist klar. Doch sie benötigen auch kurzfristige Antworten auf das Problem fehlender IT-Skills.
Unternehmen müssen sich darauf einstellen, dass sie nicht ohne weiteres hochspezialisierte IT-Fachkräfte über den Arbeitsmarkt rekrutieren können, um bestimmte Probleme zu lösen. Es müssen Alternativen her. Upskilling der Belegschaft ist dabei ein erfolgversprechender Weg. Dadurch sollen die bestehenden Mitarbeiter in die Lage versetzt werden, selbst digital und datengetrieben zu arbeiten.
Kompetenzen, die bisher oft in der IT-Abteilung konzentriert waren, sollen weiteren Bereichen des Unternehmens zugänglich gemacht werden. Dies kann man mit dem Aufbrechen von Silos vergleichen, von dem in Bezug auf Datenbestände oft die Rede ist. Die Bündelung von Fähigkeiten und Ressourcen in einer einzigen Abteilung ist nicht mehr zeitgemäß, wo heute das gesamte Unternehmen digital denken muss.
Selbstverständlich werden auch zukünftig noch ausgewiesene IT-Experten gebraucht, doch sie können von Routineaufgaben entlastet werden, wenn Angestellte aus anderen Abteilungen bestimmte Dinge selbst übernehmen können. Dafür benötigen sie allerdings Hilfestellung durch spezielle Tools. In No-/Low-Code-Umgebungen können auch Nicht-IT-Fachleute eigenständig arbeiten und beispielsweise Prozesse digital abbilden und automatisieren. Zusätzlich kann KI sie dabei unterstützen und die Effizienz weiter steigern. Durch die Arbeit mit den entsprechenden Werkzeugen erweitern Mitarbeiter außerdem ihr eigenes Wissen und erwerben wertwolle Fähigkeiten.
Durch die Einführung von No-/Low-Code-Lösungen verschwindet der Quellcode natürlich nicht, er verbirgt sich hinter vorgefertigten Modulen und einfach zu bedienenden grafischen Oberflächen. Umso wichtiger ist die Technologie, die hinter diesen Umgebungen steckt. Nur wenn diese unter höchsten Qualitätsmaßstäben entwickelt wurde, können Unternehmen Usability, Sicherheit, Compliance und Performance, der damit erstellten DIY-Lösungen garantieren. Unternehmen, die eine einfach nutzbare Lösung zur Prozessdigitalisierung suchen, sollten dabei mindestens die folgenden vier Punkte beachten:
Ein benutzerfreundliches und intuitives Interface ist essenziell, damit auch Anwender ohne tiefgehende technische Kenntnisse produktiv arbeiten können. Funktionen wie Drag-and-Drop erleichtern die Erstellung und Anpassung von Workflows erheblich, indem sie es ermöglichen, Prozesskomponenten einfach visuell zusammenzufügen. Diese Benutzerfreundlichkeit trägt dazu bei, dass Prozesse schnell modelliert und ohne großen Schulungsaufwand direkt umgesetzt werden können.
Eine leistungsfähige No-Code/Low-Code-Plattform sollte sich problemlos in bestehende IT-Infrastrukturen integrieren lassen, um nahtlosen Zugriff auf alle relevanten Daten zu gewährleisten. Tools wie das d.velop process studio ermöglichen die Nutzung vorhandener Systemdaten und erweitern diese durch die Anbindung an Drittsysteme, beispielsweise über REST-APIs, was die Automatisierung und Anreicherung von Formularen erlaubt. Zusätzlich sind vordefinierte Prozessvorlagen ein hilfreicher Ausgangspunkt, der sich individuell an unternehmensspezifische Anforderungen anpassen lässt. Eine skalierbare Lösung garantiert zudem, dass sie sich dynamisch an zukünftige Anforderungen anpassen kann und das Unternehmenswachstum unterstützt.
Auch bei No-Code/Low-Code-Werkzeugen müssen höchste Anforderungen an Sicherheit und Compliance erfüllt werden. Unternehmen sollten sicherstellen, dass die Anbieter die Verarbeitung und den Schutz sensibler Daten transparent handhaben sowie entsprechende Zertifizierungen vorweisen können. Hierzu gehören beispielsweise die Einhaltung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und anderer branchenspezifischer Regularien.
Die Kostenstruktur einer No-Code/Low-Code-Plattform sollte klar und nachvollziehbar sein, um unvorhergesehene Ausgaben zu vermeiden. Unternehmen sollten nicht nur den Preis, sondern auch das Preis-Leistungs-Verhältnis und die angebotenen Services wie Support und Schulungsmaterialien berücksichtigen. Ein umfassendes Schulungskonzept unterstützt den erfolgreichen Einsatz der grundsätzlich einfach zu bedienenden Werkzeuge und trägt zur langfristigen Akzeptanz im Unternehmen bei.
Durch die Berücksichtigung dieser Faktoren können Unternehmen sicherstellen, dass die gewählte No-Code/Low-Code-Lösung nicht nur kurzfristig, sondern auch langfristig den Anforderungen an Usability, Sicherheit und Skalierbarkeit gerecht wird und eine solide Grundlage für die einfache Digitalisierung von Prozessen bietet. Auch ohne umfassende Programmierkenntnisse.
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