Fachkräfte

Automatisierung mit KI ist nicht die Lösung

Deutschland fehlen in den nächsten 15 Jahren rund sieben Millionen Arbeitskräfte. Künstliche Intelligenz wird diesen Rückgang nicht ausgleichen.

Firma ohne Menschen? Ein Irrtum

Deutschland steht vor einem deutlichen Rückgang seines Arbeitskräfteangebots. In den nächsten 15 Jahren könnten dem Arbeitsmarkt allein durch den demografischen Wandel rund sieben Millionen Arbeitskräfte fehlen. Künstliche Intelligenz wird diesen Rückgang nicht ausgleichen, betonen Herbert Brücker, Yuliya Kosyakova und Enzo Weber in Ihrem Aufsatz „Der KI-Irrtum“, der im Wirtschaftsdienst des ZBW Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft unter CC-Lizenz erschienen ist.

KI verändert Arbeit, senkt aber nicht den Gesamtbedarf

Künstliche Intelligenz verändere Arbeitsprozesse und steigere die Produktivität, betonen die Autoren. Unternehmen bearbeiten damit bestimmte Aufgaben schneller und produzieren mit weniger Personal. Doch an anderer Stelle wächst der Bedarf. Neue Rechenzentren und IT-Infrastruktur erfordern Investitionen und Arbeitskräfte. Neue digitale Geschäftsmodelle schaffen zusätzliche Märkte. Höhere Produktivität kann zudem Einkommen, Konsum, Investitionen und Exporte erhöhen. Dadurch entstehen neue Beschäftigungsmöglichkeiten.

„Der zentrale Effekt von KI ist daher Strukturwandel: Alte Tätigkeiten verschwinden, neue entstehen“, betonen die Autoren. Modellrechnungen zeigen, innerhalb von 15 Jahren rund 800.000 Arbeitsplätze wegfallen, aber gleichzeitig ähnlich vierle neue Arbeitsplätze entstehen. „Es kommt somit zu einem Umbruch, nicht zu einem Einbruch der Beschäftigung“, ergänzen die Wissenschaftler.

Migration bleibt wirtschaftlich notwendig

Die Beschäftigung verändert ihre Struktur. Weiterbildung, berufliche Mobilität und neue Qualifikationen gewinnen an Bedeutung. Die Autoren betonen, dass der Bedarf an qualifizierter Zuwanderung hoch bleiben wird. Selbst bei einer weiter steigenden Erwerbsbeteiligung von Frauen und älteren Menschen sei eine jährliche Nettomigration von rund 400.000 Personen nötig, um das Arbeitskräfteangebot stabil zu halten.

Unter anderem nennt der Aufsatz ein gestuftes Modell, bei dem digitale Arbeitsformen die Migration erleichtern. Unternehmen können Fachkräfte zunächst im Ausland beschäftigen, digital einarbeiten und später nach Deutschland holen. Doch ganz ersetzt das die Zuwanderung nicht. Viele Tätigkeiten bleiben an einen Ort gebunden.

Der Bedarf reicht über Hochqualifizierte hinaus

Der Bedarf betrifft auch arbeitsintensive Dienstleistungsbereiche. In Pflege, Gastronomie, Haushaltsdienstleistungen, Verkehr und Logistik ist die Nachfrage stark gestiegen. Auch dort kann KI Tätigkeiten verändern. Trotzdem bleibt der Personalbedarf hoch und wächst weiter. Eine Migrationspolitik, die nur auf hochqualifizierte Akademiker schaut, greift daher zu kurz.

Geringe Zuwanderung hätte erhebliche Folgen für die Finanzierung von Sozialversicherungen und der öffentlichen Infrastruktur. Zudem verlieren schrumpfende Gesellschaften an Dynamik, Produktivität und Innovationsfähigkeit. Ohne Migration droht deshalb ein Rückgang des Wohlstands.

Integrationspolitik muss den Wandel mitdenken

Eine zukunftsorientierte Migrations- und Integrationspolitik muss den Strukturwandel durch KI berücksichtigen. Qualifikationsanforderungen verändern sich schneller und weniger vorhersehbar. Eine kurzatmige Reaktion auf den aktuell sichtbaren Fachkräftebedarf bringt Risiken. Wichtig sind Lernfähigkeit, Entwicklungsmöglichkeiten und beruflicher Aufstieg.

„Der wirtschaftliche Erfolg Deutschlands wird wesentlich davon abhängen, ob es gelingt, gleichzeitig ausreichend Arbeitskräfte zu gewinnen und ihre Integration nachhaltig zu sichern“, sagen die Autoren. „Migration bedeutet dabei nicht nur zusätzliche Arbeitskraft, sondern auch Ideen, Austausch und gesellschaftliche Dynamik.“

Mit KI-Unterstützung verfasst.

Bild: Pressfoto / Magnific

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