Da ein Datenverlust immer eine Katastrophe für Unternehmen ist, ist es wichtig, die Daten bereits vor einem Hackerangriff ausreichend zu sichern.
Eine Studie von Trend Micro zeigt, dass Backups in letzter Zeit immer mehr in den Fokus von Cyberkriminellen rücken. Insbesondere bezieht sich die Studie auf Network-Attached-Storage-Geräte. Die Ursache liegt in der Konnektivität: Unternehmen sind immer stärker auf das Internet of Things (IoT) angewiesen – damit einhergehend steigt laut Studie die Nachfrage nach maßgeschneiderten Features und einer durchgängigen Verbindung zum Internet. Auch Cyberkriminellen ist diese Entwicklung nicht entgangen. Sind nicht ausreichend geschützte Devices mit dem Internet verbunden, sind sie umso leichter auffindbar für Hacker.
Da ein Datenverlust immer eine Katastrophe für Unternehmen ist, ist es wichtig, die Daten bereits vor einem Hackerangriff ausreichend zu sichern. Dieses vorausschauende Handeln wurde vor allem durch die Corona-Pandemie deutlich erschwert. Das Gute dabei: „Technologien und Lösungen werden ständig weiterentwickelt, um den Herausforderungen der Sicherung und Wiederherstellung von Daten gerecht zu werden“, sagt Jeff Harbert, Director of Strategic Alliances Data Protection bei Vast Data. Konzepte von vor fünf Jahren seien unter den neuen Voraussetzungen nicht mehr in der Lage, die Wiederherstellungsziele für die meisten kritischen Workloads zu erfüllen.
Roland Rosenau, SE Manager für Zentral- und Westeuropa bei Rubrik, rät zum Einsatz einer modernen Appliance, deren grundlegende Architektur nicht auf der IT-Welt der 90er basiert, sondern die das Cloud-Konzept sozusagen in ihrer DNA hat. „Um eine reibungslose Automatisierung der Backup-Abläufe sicherzustellen, eignen sich Restful APIs am besten“, sagt er. Dies ermögliche einen sehr geringen Management- und Wartungsaufwand. Der manuelle Aspekt solle so gering wie möglich gehalten werden, da dort in der Regel die Fehler passierten. „Sicherungsprozesse, die automatisiert greifen, reduzieren das Fehlerpotenzial erheblich. Der Verzicht auf Netzwerkprotokolle wie NFS oder CIFS ist ebenfalls im Backup-Kontext zu empfehlen“, rät er. Zu guter Letzt bewähre sich die Nutzung eines unveränderbaren Filesystems, durch das ein Logical Airgap umgesetzt werden könne.
„Wenn Unternehmen ihre Speicheroptionen als Teil ihres Business-Continuity-and-Disaster-Recovery-Plans (BCDR) bewerten, ist es wichtig, dass sie Schlüsselfaktoren wie die Compliance- und Sicherheitsanforderungen ihres Unternehmens sowie den Möglichkeiten ihrer Techniker für Management und Wartung kritischer Systeme berücksichtigen“, betont Joe Noonan, Product Executive, Backup und Disaster Recovery für Unitrends und Spanning – beides Unternehmen von Kaseya. Stark regulierte Branchen wie das Finanz- und Gesundheitswesen benötigten dabei mehr Sicherheit, da sie mit großen Mengen sensibler Daten arbeiten würden. „Deshalb entscheiden sie sich häufig für Private-Cloud-Lösungen, um ihre Anforderungen zu erfüllen“, erklärt er. Weniger stark regulierte Unternehmen hingegen könnten sich für eine Kombination aus öffentlichen und privaten Cloud-Lösungen entscheiden, um kritische Daten auf kostengünstigere Weise zu schützen. Dabei gelte es zu beachten, dass jedes Unternehmen individuelle Datenanforderungen habe. „Trotzdem ist ein hybrides Cloud-Backup-Modell, das Daten sowohl in der Cloud als auch auf lokalem Speicher sichert, oft die beste Lösung für große Unternehmen, die Server, Anwendungen und große Datensätze schützen müssen.“
Obwohl Unternehmen die Notwendigkeit erkennen, ihre Daten zu sichern, zögern sie doch häufig vor den Hürden bei der Planung. Sowohl Jeff Harbert als auch Joe Noonan sehen dabei die Finanzierung als einen der größten Hinderungsgründe. „Unternehmen zögern, vor einem Angriff in geeignete Lösungen zu investieren, aber ein kleiner präventiver Aufwand kann große Verluste verhindern“, betont der Experte. Viele Opfer von Ransomware würden von Verlusten in Millionenhöhe berichten. Deutlich günstiger sei deshalb die vorsorgliche Absicherung. „Für einen Bruchteil dessen, was nötig wäre, um sich von einem Angriff zu erholen, könnte ein Unternehmen in Tools und Lösungen investieren, die Daten besser schützen und eine Lösung schaffen, um die Rückkehr zum normalen Betrieb im Falle eines Angriffs zu beschleunigen“, sagt er. Neben der Finanzierung sei die Planung essenziell. Viele Unternehmen würden glauben, dass sie auf einen Angriff reagieren können, selbst wenn sie keinen Wiederherstellungsplan erstellt haben. „Sie liegen falsch“, ist sich Harbert sicher.
Kaseya-Experte Joe Noonan warnt indes vor zu vielen Backup-Lösungen. „Sobald es zu viele gibt, besteht die Gefahr, dass die Techniker von den Benachrichtigungen überwältigt werden und wichtige Anzeichen für einen Datenverlust übersehen“, erklärt er. „Unternehmen, die sich mit integrierten Unified-BCDR-Lösungen ausstatten, die sowohl herkömmliche Sicherheits- als auch Backup-Funktionen umfassen, können Account-Kompromittierungen und Datenverluste verhindern, vorhersehen und eindämmen.“ Da viele Unternehmen aufgrund der Auswirkungen der Corona-Pandemie noch immer vor großen Investitionsausgaben zurückschrecken, sollten IT-Experten seiner Ansicht nach für einen abonnementbasierten Plan plädieren, der die Datensicherung als Betriebsausgabe und nicht als Investitionsausgabe betrachtet.
Neben den genannten Herausforderungen hat auch die Corona-Krise ihr übriges getan und den Themen „Backup“ und „Storage“ eine neue Wichtigkeit verliehen – nicht nur in finanzieller Hinsicht. „Die Verlagerung zur Remote-Arbeit hat die Art und Weise verändert, wie Unternehmen ihre Daten schützen und speichern“, erklärt Noonan. Der Schwerpunkt liege nun auf dem Schutz von Daten, unabhängig davon, wo sie sich befinden – vor Ort, auf den Laptops von Remote-Mitarbeitern, in Clouds oder in SaaS-Anwendungen. Darüber hinaus würden viele Unternehmen oft mit mehreren Backup-Lösungen jonglieren, die nicht miteinander verbunden sind. „Sie haben daher keinen Überblick über die gesamte Datenlandschaft“, erläutert Noonan.
Der Work-from-Home-Trend habe zwar die Notwendigkeit von Backups nicht grundsätzlich verändert, wohl aber die Risiken, ist sich Harbert sicher. „Heute nutzen Millionen von Mitarbeitern mit dem Netzwerk verbundene Geräte außerhalb des Unternehmensnetzwerks und die Sicherheit, die hinter Unternehmens-Firewalls und anderen Sicherheitsprotokollen steht.“ Das Ergebnis: Angreifer nähmen Einzelpersonen durch Phishing oder Social Engineering ins Visier und verschaffen sich mit alarmierender Geschwindigkeit Zugang zu Unternehmensnetzwerken und -daten. „Dies hat den weltweiten Anstieg von Ransomware-Angriffen vorangetrieben, die Unternehmen dazu zwingen, ihre Datenschutzlösungen und ihre Fähigkeit zur Wiederherstellung kritischer Daten bei Bedarf zu überprüfen – und in vielen Fällen zu verbessern“, betont er. Leider würden die meisten Unternehmen erst jetzt erkennen, dass die von ihnen bereitgestellte Backup-Infrastruktur für Backups und nicht für Wiederherstellungen konzipiert worden sei. Dies mache sich besonders nach einem Angriff bemerkbar und sorge häufig dafür, dass Datenwiederherstellungen Wochen und Monate dauern können.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist laut Roland Rosenau, dass die Daten weiterhin zentral abgelegt werden. „Im Homeoffice werden Daten entweder gar nicht gesichert oder sind unzureichend gegen Zugriff von außen geschützt. Von daher sollte es keine lokalen Kopien geben, sondern alle Daten sollten im geschützten Bereich des Unternehmens abgelegt werden“, hebt er hervor.
Sind also die verschiedenen Lösungen, um Daten zu schützen, selbst nicht sicher genug? Laut Jeff Harbert kommt es in Sachen „Sicherheit“ auf einen mehrschichtigen Ansatz an. Zu den wesentlichen Schritten gehören seiner Meinung nach die Implementierung einer mehrstufigen Autorisierung für alle Benutzer und das Ändern aller Systemkennwörter, um die Standardeinstellungen zu beseitigen. „Dazu kommen das Definieren und Implementieren von rollenbasierter Authentifizierung, um Zugriff und Autorisierung einzuschränken sowie das Implementieren von Sicherheitsfunktionen der Datenschutzanwendung“, erläutert er. Zudem erforderlich seien das Bereitstellen unzerstörbarer Snapshots von Backup-Dateien sowie die Fähigkeit, Backup-Daten an einen zweiten Speicherort zu replizieren. „Ich rate außerdem zum Implementieren einer Netzwerksegmentierung, um die Fähigkeit von Hackern einzuschränken, das Netzwerk zu durchqueren. Und nicht zu vergessen: Testen, testen, testen – die IT-Abteilunge müssen beweisen, dass ihr Plan funktioniert und die Daten wirklich wiederherstellbar sind.“
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 3/2022. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
Roland Rosenau rät zu einer Zero-Trust-Architektur, da Standardnetzwerkprotokolle und Pfade sehr anfällig für Angriffe von außen seien. Die Zero-Trust Architektur sei als effektiver Schutz der Backups eine grundlegende Voraussetzung. Joe Noonan hebt hervor, dass sich nicht nur die Bedrohungen weiterentwickeln, sondern auch die direkt in BCDR-Lösungen integrierte IT Threat Detection. „Künstliche Intelligenz und Machine Learning spielen eine wichtige Rolle bei der Erkennung von Malware und Anomalien im Backup-Verhalten.“ So könnten Unternehmen böswillige Akteure stoppen, bevor sie ein ganzes Netzwerk infizieren oder Zugang zu wichtigen Daten erhalten. Neben dem Schutz vor Ransomware würden Funktionen wie die Überwachung des Dark Web und Anti-Phishing-Funktionen eine weitere Ebene des Schutzes vor weit verbreiteten Bedrohungen wie der Kompromittierung von Zugangsdaten und der Übernahme von Konten bieten.
Einen letzten Tipp gibt Jeff Harbert: „Der entscheidende Schritt bei der Sicherung von Daten besteht darin, zu verstehen, was mit den Lösungen der Unternehmen möglich ist, und Anbieter herauszufordern, um die Sicherheitsfunktionen in Zukunft zu verbessern.“
Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus