Aus Anwendersicht betrachtet ist es wichtig,zunächst Klar-heit hinsichtlich der Begrifflichkeiten zu erlangen.Zum einen kursieren zum Thema Cloud Computingviele Definitionen, die häufig zu unpräzise oder aberzu detailverliebt sind. Zum anderen sind die Dienst-leistungen und Services, die im Rahmen von CloudComputing erbracht werden, eben nicht bloß dieFortsetzung des seit langem bekannten IT-Outsourcing unter neuem Namen. Vielmehr handelt es sichum ein neues Computing-Paradigma, bei dem die An-wender IT-Leistungen bedarfsgerecht und dynamischnutzen. Die Services werden über das Web –Internetoder Intranet –bereitgestellt, verwaltet und nach Nutzung abgerechnet.
Dies bringt grundsätzliche Vorteile hinsichtlichKosteneffizienz, Flexibilität und Innovation mit sich.Cloud Computing ermöglicht den Nutzern die Umverteilung von Investitions- in Betriebsaufwand, wodurch sich im zweiten Schritt zwangsläufig die unternehmensinterne Sichtweise auf die IT stark verändert. Sie wird anders als bisher nicht mehr als starrer Fixkostenblock wahrgenommen, sondern als eine variable Kostenstelle, die abhängig von den tatsächlichen Unternehmensanforderungen Aufwände produziert. Auf diese Weise lassen sich z.B. etwaige Lastspitzenviel besser auffangen.
Informationstechnologie wird zur Business-Komponente
Diese Lastspitzen können entweder vorhersehbarund saisonal auftreten, beispielsweise bei Spielwarenherstellern im Weihnachtsgeschäft, oder kurzfristig, wenn aufgrund einmaliger Ereignisse plötzlichganz bestimmte Artikel besonders nachgefragt sind: z.B. im Anschluss an eine groß angelegte Marketingaktion, oder wenn Schadensmeldungen bei Versicherungen infolge von Witterungskapriolen temporär stark ansteigen.
Die Unternehmensverantwortlichen sollten folglich evaluieren, ob sie IT-Komponenten, die nur wenige Male im Jahr wirklich zum Einsatz kommen, als Assets über lange Zeiträumevorhalten wollen. Oder ob es nicht sinniger ist, flexibel und bedarfsgerecht schnell zu reagieren und die entsprechenden IT-Kapazitäten über das Internet hinzuzubuchen. Die Bezahlung erfolgt dann nutzungsabhängig, monatelang brachliegendes Kapital im Rechenzentrum ist ein Relikt der Vergangenheit.
Auch software- und lizenzseitig ist diese Flexibilität erreichbar, wenn etwa ein Katalogunternehmen im Saisongeschäft zur telefonischen Aufnahme von Bestellungen auf den Kauf zusätzlicher Softwarelizenzen verzichten kann und stattdessen die entsprechenden Nutzungsrechte im Pay-per-Use-Modus nur für die benötigte Zeit hinzubucht.
Die Aussicht auf variable IT-Kosten wird jeden Controller in freudige Erwartung versetzen. Auf dem Weg dorthin sind jedoch einige prozessbezogene Dinge innerhalb der Organisation in ihrer Gesamtheit und auch der IT im Speziellen zu klären. Wird Cloud Computing als Alternative erwogen, sollte man zunächst ergründen, welche Varianten dieses modernen Bereitstellungsmodells zur strategischen Ausrichtung des Unternehmens passen. Die derzeitige Situation ist dabei ebenso zu berücksichtigen wie die zukünftige.
Ein zentraler Punkt in dieser Betrachtung ist die Rolle der IT: Befindet sie sich bereits auf dem Weg zu einem internen Dienstleister, der seine Services flexibel bereitstellt? Oder verfährt sie noch nach traditionellen Verhaltensmustern? Und: Kann sie diese Rolle überhaupt einnehmen, weil die organisations- und prozesstechnischen Voraussetzungen dafür gegeben sind? Man denke nur an die effiziente Verwaltung von Lizenzen oder generelle Befürchtungen seitens der Unternehmensleitung. Die Beantwortung dieser Fragen steht und fällt mit den Stichworten ‚Virtualisierung’ und ‚Standardisierung’, beide gelten als elementare Bestandteile des Cloud Computing. Der Grund hierfür ist einfach: Erst wenn Rechenkapazitäten in virtualisierten Umgebungen flexibel verschoben und von verschiedenen Serverkomponenten erbracht werden können – je nach dem, wo gerade welche Ressourcen verfügbar sind – können benötigte Services ebenso flexibel aus der Cloud hinzugefügt werden. Und um flexibel verschoben und ergänzt werden zu können, müssen die IT-Services einen hohen Standardisierungsgrad aufweisen. Die Frage nach Schnittstellenkompatibilität darf keine Rolle mehr spielen.
Unter IaaS, versteht man im Cloud Computing die Bereitstellung virtualisierter IT-Infrastruktur über das Internet. Der Anwender nutzt Server, Storage, Netzwerk und die übrige Rechenzentrumsinfrastruktur als abstrakte, virtuelle Services über das Internet, die typischerweise nutzungsabhängig abgerechnet werden. Gleichwohl behalten die Nutzer die Kontrolle über das Betriebssystem und ihre Anwendungen, zudem können sie den Umgang der Infrastrukturnutzung nach Bedarf erweitern – in der Regel über ein Selbstbedienungsportal. Unter dem Namen Platform as a Service (PaaS) werden neben Hardware-Services und Betriebssystemen als Basis-Infrastruktur (IaaS) höherwertige Dienste aus der Cloud geliefert. Dazu zählt Anwendungsinfrastruktur in Form von technischen Frameworks, etwa Datenbanken oder Middleware, oder die gesamte Entwicklungsumgebung. Mit der technischen Umsetzung dieser Services müssen sich die Nutzer wiederum nicht befassen. PaaS-Angebote wie Microsofts Windows Azure Platform Services erleichtern in erster Linie die Entwicklung, Erprobung, Einführung und laufende Wartung von Anwendungen, ohne dass Kosten für die Anschaffung von Infrastruktur und Software-Umgebungen anfielen.
Die wohl bekannteste und am weitesten verbreitete Variante von Cloud Computing firmiert unter dem Namen Software as a Service (SaaS). Bei dieser Variante, zu der beispielsweise das neue Microsoft Office 365 zählt, bezieht der Nutzer eine Applikation über das Internet, wobei die Infrastruktur-Ressourcen und die Anwendungen gebündelt werden. Der Anwendungsservice wird nach Bedarf abgenommen und bezahlt, lässt sich aber jederzeit im Umfang erweitern oder reduzieren, wenn dies erforderlich sein sollte. Über diese Klassifizierung hinaus gibt es eine zweite wichtige Einteilung von Cloud Computing, bei der nicht die Art der Services, sondern Bereitstellungs-, Eigentums- und Organisationsaspekte im Vordergrund stehen. Es geht um die Differenzierung in Public und Private Cloud sowie die Mischform namens Hybrid Cloud – und die generelle Feststellung, dass der Bezug von Cloud-Computing-Services nicht zwangsläufig über das öffentliche Internet erfolgen muss, sondern auch über das Intranet.
Der Schritt aus dem Privaten ins Öffentliche
Die Public Cloud bezeichnet eine IT-Umgebung, die von einem IT-Dienstleister betrieben wird. Die Kunden, Privatpersonen oder Unternehmen, greifen via Internet auf die Ressourcen zu und teilen sich eine virtualisierte Infrastruktur. Eigene Ressourcen benötigen sie nicht, stattdessen buchen sie die in der Public Cloud verfügbaren Services. Zur Auswahl stehen Geschäftsprozess-, Anwendungs- und/oder Infrastruktur-Services auf variabler, nutzungsabhängiger Basis. Die Kunden und Anwender bedienen sich im Rahmen dieser Szenarien erprobter Technologien und stets aktueller Sicherheitsstandards.
Im Gegensatz zur Public Cloud bezeichnet der Begriff Private Cloud eine sowohl virtualisierte als auch standardisierte IT-Umgebung, die von einem Anwenderunternehmen selbst betrieben wird und ausschließlich Mitarbeitern und Partnern dieses Unternehmens zur Verfügung steht. Auf die Dienste, die in der Private Cloud üblicherweise an die Geschäftsprozesse des Anwenderunternehmens angepasst werden, greifen ausschließlich autorisierte Nutzer zu – Mitarbeiter, Geschäftspartner, Kunden und Lieferanten. Der Zugriff selbst erfolgt nicht über das öffentliche Internet, sondern entweder via Intranet oder über ein Virtual Private Network (VPN), wenn sich der User an einem Standort außerhalb des Unternehmens befindet.
Die dritte Variante des Cloud Computing ist die sogenannte Hybrid Cloud. Darunter versteht man Mischformen aus Public Cloud, Private Cloud und traditioneller IT-Umgebung, die in unterschiedlichen Graden der Nutzungskombination anzutreffen sind. Das Zustandekommen dieser verschiedenen Nutzungsgrade ist darin zu sehen, dass wohl kein Unternehmen von heute auf morgen einen Komplettumstieg auf Cloud Computing in Angriff nehmen wird, sondern sich sukzessive den neuen Möglichkeiten öffnet.
Ein Beispiel: Ein Unternehmen betreibt einen Webshop mit eigenen Servern, die zum Teil im eigenen Rechenzentrum und zum Teil bei einem Hosting- Anbieter betrieben werden. Für Nachfragespitzen werden Ressourcen aus einer Public Cloud hinzugebucht, wodurch es zu einer wirtschaftlich sinnvollen Verknüpfung traditioneller IT-Modelle mit der Flexibilität und Kosteneffizienz des Cloud Computing kommt. Diese Mischformen werden sich in absehbarer Zukunft flächendeckend durchsetzen, wenn die Unternehmensverantwortlichen erkennen, dass sie im Zuge der Ergänzung ihrer lokalen Infrastrukturen, Plattformen und Anwendungen durch flexible Ressourcen aus der Cloud enorme Effizienzgewinne erzielen.
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