IT-Services

Bessere Verständigung durch Service-Beschreibungen

Anwender und IT-Profis haben es schwer miteinander. Der eine will fix seine Arbeit erledigen, der andere erzählt etwas von Systemen, an denen er einen Bug fixen muss.

Ein Taxi ist noch nicht der Taxi-Service

Die Kommunikationsprobleme zwischen IT-Abteilung und Fachbereichen liegen nicht nur an unterschiedlichen Sprechweisen. Oft haben die Probleme auch ein andere Ursache: Beide Parteien haben nicht genau genug geklärt, um was es bei einem „IT-Service“ geht.

Paul G. Huppertz kennt die Verständigungsschwierigkeiten aus seinen Tätigkeiten als IT-Leiter und IT-Berater. Er beschäftigt sich mit scheinbar einfachen Fragen wie: „Was ist ein IT-Service?“ und „Warum fällt es der IT oft  schwer, ihn verlässlich und reibungslos zu erbringen?“ Ein paar Antworten finden sich im Interview mit IT-DIRECTOR.

IT-DIRECTOR: ITler und Anwender reden oft aneinander vorbei. Woran liegt das?
P. G. Huppertz: Sie reden meist über unterschiedliche  Aspekte. Der Mitarbeiter im Fachbereich will einen Service abrufen, der ihm daraufhin verlässlich und verzugslos erbracht werden muss - zum Beispiel ein Druck-Service. Der IT-Experte dagegen erzählt etwas von Druckertreibern, Warteschlangen, Printservern und Multi-Functional-Devices. Vielfach ist der IT-Abteilung gar nicht so genau klar, welche Art von Service sie in welcher Qualität erbringt. Mangels klarer und konsistenter Service-Beschreibung hält sie sich krampfhaft an service-relevanten Systemen und Anwendungen fest.

IT-DIRECTOR: Was ist denn ein IT-Service?
P. G. Huppertz: Der Begriff “IT-Service“ ist per se irreführend. Er legt nahe, dass die IT bereits der Service sei. Eine solche Gleichsetzung erfolgt allerdings sehr häufig. In dem viel verwendeten IT-Service-Management-Framework ITIL  ist definiert, ein Service sei “One or more IT systems that enable a business process.” Kurzum: Service gleich IT-System.

Das ist falsch, denn ein Taxi-Service ist ja auch nicht das Taxi selbst, Vielmehr handelt es sich beim Taxi-Service um einen PKW-basierten Personentransport-Service und beim Taxi um ein service-relevantes technisches System. Der Transport des Fahrgasts von A nach B ist ein einzelner Taxi-Service, genauso wie das erfolgreiche Ausdrucken eines Dateiinhalts ein einzelner Printservice ist.

Etwas allgemeiner formuliert: Ein ICT-systembasierter Business Support Service (ICTBSS) ist ein Bündel von einmalig konsumierbaren und vergänglichen Nutzeffekten, die durch ICT-Systeme (Service-Automaten) erbracht werden. Er ist keinesfalls ein “Ding”, das man anfassen kann. Deshalb muss man ihn sehr genau beschreiben. Andernfalls ist vollkommen unklar, worüber die IT-Abteilung und die Fachabteilungen eigentlich reden.

IT-DIRECTOR: Ihre Überlegungen gehen noch weiter. So haben Sie zum Beispiel den Begriff “Servicialisierung” in die Diskussion eingeführt. Was bedeutet er?
P. G. Huppertz: Servicialisierung ist ein Dachbegriff, der ein umfassendes Leitkonzept für das Erbringen von Services überspannt. Es geht unter anderem um die präzise Beschreibung eines IT-basierten Service und aller damit zusammenhängenden Parameter, so dass die abgerufenen Services verlässlich, rationell und rentabel erbracht werden.

IT-DIRECTOR: Welche Vorteile bringt die Vorgehensweise nach dem Leitkonzept der Servicialisierung?
P. G. Huppertz: Bei der Anwendung des Leitkonzepts geht es um erhöhte Effizienz der Service-Erbringung. Servicialisierung ermöglicht den IT-Abteilungen die  durchgängige Konzipierung und die verlässliche Erbringung von IT-basierten Services. Der Blick richtet sich dabei vor allem auf effiziente Ressourcenverwendung.

Meiner Erfahrung nach sind viele service-relevante ICT-Systeme mit Blick auf effiziente Service-Erbringung überdimensioniert. Zwischen 10 und 30 Prozent des aufgebrachten Aufwands tragen wenig bis gar nichts zur Service-Erbringung bei, sind also pure Verschwendung. Oft wird mangels genauer Service-Beschreibung kein adäquates Systemdesign vorgenommen. Bei einer präzisen Bestimmung der Services lassen sich die Systeme wesentlich besser auf die Erfordernisse zuschneiden.

Bildquelle: Privat, Andreas Morlok / pixelio.de

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