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Biometrische Authentifizierung

Biometrische Authentifizierungsverfahren sind auf dem Vormarsch. Längst ist das Entsperren eines Mobiltelefons durch einen schnellen und unkomplizierten Scan des Fingerabdrucks oder des Gesichts für viele zum Standard geworden – auch in Deutschland. Doch gibt es nach wie vor auch große Vorbehalte gegenüber den unterschiedlichen hierbei zum Einsatz kommenden passwortlosen Verfahren.

  • Biometrische Authentifizierungsverfahren

    Bedenken gegenüber biometrischen Daten sind weit verbreitet, dabei werden Authentifizierungsverfahren so sicherer. ((Bildquelle: Getty Images/iStock/Getty Images Plus))

  • Biometrische Authentifizierungsverfahren

    „Das biometrische Muster erfolgreich zu reproduzieren ist für Angreifer praktisch unmöglich“, erklärt Mehmet Yaliman. ((Bildquelle: Ping Identity))

Viele fürchten den Diebstahl, die Kompromittierung, den Missbrauch ihrer biometrischen Daten. Sie fragen sich, wie und wo Informationen über ihr Gesicht, ihre Iris, ihren Fingerabdruck oder auch ihre DNA abgespeichert werden, wie sicher das alles ist – und was sie konkret tun können, um etwaige Risiken zu minimieren.

Für die meisten Menschen gehören biometrische Authentifizierungsverfahren längst zum Alltag – auch in Deutschland. 52 Prozent der Deutschen, so die Covid Monitoring-Umfrage 2022 von Capterra, nutzen mittlerweile Scans des Fingerabdrucks, 27 Prozent Scans des Gesichts und 7 Prozent Scans der Stimme, um sich für eine Anwendung oder ein System zu authentifizieren. Der große Vorteil gegenüber Nutzername-Passwort-Verfahren: mehr Nutzerfreundlichkeit, mehr Sicherheit, eine gesteigerte Nahtlosigkeit. Doch sind Bedenken bezüglich der Sicherheit der eigenen biometrischen Daten nach wie vor weit verbreitet. So erklärten in der Umfrage ganze 40 Prozent, überhaupt keine biometrischen Verfahren zu nutzen. Sie fürchten Diebstahl und Missbrauch ihrer biometrischen Informationen durch Cyberkriminelle. Sie fürchten, ihren digitalen Fingerabdruck, haben Cyberkriminelle erst einmal eine digitale Kopie in ihren Besitz gebracht, für immer als sicheres Authentifizierungsverfahren verloren zu haben – zur Anmeldung am Arbeitsplatz, am privaten Endgerät oder auch bei einer IT-Anwendung, z.B. zum Online-Shopping oder zum Online-Banking. Viele Anwender und Anbieter sind deshalb nach wie vor unsicher, ob sie den Schritt in Richtung biometrische Authentifizierungsverfahren wagen sollen.

Wie und wo werden biometrische Daten gespeichert?

Um biometrische Daten für eine Identitätsauthentifizierung nutzen zu können, müssen diese zunächst einmal erfasst und zu einer Musterdatei verarbeitet werden. Hierzu werden die biometrischen Informationen, zum Beispiel ein Scan des Gesichts, zunächst in ein binäres mathematisches Äquivalent überführt – in ein biometrisches Muster – und abgespeichert. Kommt es dann zu einer biometrischen Authentifizierung, wird das biometrische Muster in mathematischer Form mit dem biometrischen Live-Abbild des Nutzers verglichen. Nur das biometrische Muster wird gespeichert, die Live-Version nicht. Das biometrische Muster erfolgreich zu reproduzieren ist für Angreifer praktisch unmöglich.

Gespeichert werden kann das biometrische Muster auf einem Endgerät oder einem Server, wobei ein Endgerät die sicherere Alternative darstellt. Denn umso geringer die Anzahl der gespeicherten biometrischen Muster an einem Ort, umso unattraktiver wird dieser auch als Angriffsziel für Cyberkriminelle wirken. In aller Regel ist die Datei über einen zufällig generierten Schlüssel geschützt, der selbst wiederum im System verschlüsselt ist. Für noch mehr Sicherheit kann gesorgt werden, wenn das biometrische Muster im Scanmodul selbst abgespeichert wird, da es dann nicht auf das Betriebssystem angewiesen ist.

Können biometrische Daten gehackt werden?

Biometrische Muster können also sicher abgelegt werden. Doch wie steht es um das Live-Abbild, mit dem der Abgleich erfolgt? Schließlich stehen im Internet doch vielerorts Fotos und Videos von Nutzern zur freien Verfügung. Eine Zeitlang war dies tatsächlich ein Risiko. Immer wieder gelang es Cyberkriminellen, sich mittels gestohlener biometrischer Daten unbemerkt in die Nutzerkonten ihrer Opfer einzuschleichen. Mittlerweile ist dies aber nicht mehr so einfach möglich. Die biometrische Authentifizierungstechnologie hat sich weiterentwickelt.

Mittlerweile prüfen biometrische Authentifizierungsverfahren die Echtheit eines Scans im Hinblick auf dessen ‚Lebendigkeit‘. Stimmen biometrisches Muster und Live-Abbild überein, wird nun zusätzlich auch noch überprüft, ob es sich beim Live-Abbild um den Scan eines lebenden Organismus handelt. Bei einem Scan des Fingerabdrucks kann dies dann etwa bedeuten, dass ein Hochfrequenzscanner nicht allein den Abdruck, sondern auch das lebende Gewebe, ein paar Schichten unterhalb der obersten Hautschicht, liest. Bei einem Iris-Scan wird zusätzlich der Blutfluss der Netzhaut überprüft. Frei zugängliche biometrische Daten, Fotos, Videos, ein gestohlener Abdruck des Fingers, helfen Cyberkriminellen so nicht mehr weiter. Um ein Nutzerkonto erfolgreich zu kompromittieren, eignen sie sich nicht. Deutlich komplexere Tools und Taktiken, größere Investitionen, mehr Arbeitsaufwand sind erforderlich, um solche Authentifizierungssysteme zu überlisten. Die Wahrscheinlichkeit, dass Cyberkriminelle all diese Herausforderungen auf sich nehmen, ist gering.

Biometrische Daten richtig im Griff

Biometrische Daten sind also nicht etwas, das man fürchten und meiden muss. Sie bieten Anwendern und Anbietern die Möglichkeit, Authentifizierungsverfahren sicherer und nutzerfreundlicher zu gestalten. Sofern sie sich nur an einige einfach zu befolgende Regeln halten.

Anwender sollten:

  • nicht allein biometrische Faktoren, sondern – im Rahmen einer 2FA oder MFA – auch Besitz- und Wissensfaktoren zur Authentifizierung heranziehen.
  • biometrische Faktoren nicht immer, sondern nur dann, wenn es sich um Anwendungen mit hohem Risikopotential handelt, nutzen.
  • bei der Übertragung biometrischer Daten über das Netz ein VPN nutzen, um vor Datenabfangversuchen geschützt zu sein.
  • sich bei jedem Anbieter genau über die Umsetzung der Speicherung und Nutzung ihrer biometrischen Daten informieren, bevor sie in eine Authentifizierung über ihre biometrischen Daten einwilligen.
  • darauf achten, dass Ihre Gerätesoftware immer auf dem neuesten Stand ist, um etwaige Sicherheitslücken, die ihre biometrischen Daten gefährden könnten, auszuschließen.

Anbieter sollten:

  • als Aufbewahrungsort des biometrischen Musters einen möglichst sicheren – und deshalb dezentralen – Speicherplatz wählen; idealerweise ein Endgerät.
  • für eine effektive Verschlüsselung des biometrischen Musters sorgen.
  • die Zahl der Zugriffsberechtigten für das biometrische Muster auf das absolute Minimum begrenzen.
  • sich an die geltenden Regeln hinsichtlich der Speicherung und Verarbeitung biometrischer Daten halten. Vor allem Artikel 9 der DSGVO, der vorschreibt, dass „biometrischen Daten zur eindeutigen Identifizierung einer natürlichen Person“ nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Nutzers gespeichert und verarbeitet werden dürfen, muss eingehalten werden.

Helfen kann Anbietern bei all dem eine effektive Identity und Access Management-Plattform. Moderne Lösungen wie z.B. von Ping Identity unterstützen mittlerweile auch biometrische Verfahren und sorgen dafür, dass Sicherheitsbedenken hinsichtlich der Muster-Datei und des Live-Abbilds der Vergangenheit angehören.

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