Gaben bei einer Umfrage im Jahr 2010 noch 85 Prozent der Unternehmen an, von Cloud Computing nichts gehört oder aktuell nicht darüber nachgedacht zu haben, so hat sich dies mittlerweile etwas ändert. Nach einem aktuellen Report der Gartner Group sollen bis 2015 abgespeckte Cloud-Versionen in Firmen aller Größen Einzug halten. Bei Fragen der Sicherheit verlässt sich dabei knapp die Hälfte aller Unternehmen auf zertifizierte Cloud-Services. Doch mit zunehmender Nutzung werden auch Schwachstellen aufgedeckt. Dies hat zur Folge, dass eine Zunahme der Cyber-Kriminalität um bis zu zehn Prozent jährlich prognostiziert wird. Damit stehen den Vorteilen der Cloud-Technologie eine Reihe problematischer Argumente gegenüber. Dazu zählen u. a.:
Stehen Cloud-Dienste nicht zur Verfügung, dann steht ein Teil des Betriebs. Provider werden zwar versuchen, eventuelle Schadensersatzansprüche durch gewissenhaftes Arbeiten abzuwenden – aber einmal eingetretene Schäden verursachen einen nicht unerheblichen Arbeits- und Kostenaufwand.
Auch ein weiteres Szenario ist denkbar: Wird ein Provider verkauft oder insolvent, so erhöht der Übergang der Daten und Anwendungen an einen anderen Provider nicht nur das Risiko unberechtigter Zugriffe, sondern kann unter Umständen den Betrieb lahmlegen oder zumindest spürbar stören. Es muss daher schon im Vorfeld geklärt werden, in welcher Form der Anwender die Daten zurückbekommt und mit welchem Service man sofort wieder intern bzw. bei einem anderen Provider damit weiterarbeiten kann.
Mit der Verteilung der Daten im weltweiten Netz und der Zunahme des administrativen Personenkreises steigt auch das Risiko, dass Daten verloren gehen, unerlaubt kopiert oder manipuliert werden. Zudem ist häufig nicht klar, in welchen Ländern und von welchen Mitarbeitern Daten gespeichert und verwaltet werden. Da in einer Cloud unterschiedliche Mandanten von Haus aus nicht physikalisch getrennt werden, steigt auch damit die Gefahr des Datenzugriffs durch unbeteiligte Dritte. Ganz davon abgesehen, dass auch die Infrastruktur der Cloud selbst angegriffen werden kann. Bekannte Sicherheitsmaßnahmen sind sicher ein Hilfe – für einen umfassenden Schutz bedarf es jedoch neuer und cloud-gerechter Techniken.
Ein besonders prekäres Thema ist der Datenschutz. Hier lassen EU-Richtlinien sowie das Bundesdatenschutzgesetz die Verarbeitung personenbezogener Daten Dritter nur zu, wenn der Provider wie auch seine Subunternehmer die Cloud innerhalb der EU oder den Vertragsstaaten des EWR betreiben.
Allerdings können US-Behörden nach dem US Patriot Act (2001) und FISAA (Foreign Intelligence Surveillance Amendment Act, 2008) sich heimlich uneingeschränkten Zugang zu allen bei US-Unternehmen gespeicherten Daten verschaffen, egal wo auf der Welt diese ihre Rechenzentren betreiben. Ohne konkreten Verdacht, ohne richterlichen Beschluss und ohne die Betroffenen informieren zu müssen. Heißt im Umkehrschluss: Cloud-Anbieter, die den geforderten Datenschutz nicht erfüllen, scheiden für bestimmte Vorhaben aus. Generell gilt es, sich im Vorfeld Klarheit darüber zu verschaffen, wo die Daten liegen werden.
Wer seine Daten derzeit in die Cloud migriert, legt sie unter einer URL (Uniform Resource Locator) auf einem genau spezifizierten Speichermedium eines Rechners im weltweiten Netz ab. Dieses Verfahren sollte künftig „cloud-gerechter“ werden: Verschiedene Gremien und Industrievereinigungen sind gerade dabei, neue Standards und APIs für Cloud Computing zu definieren.
Hinsichtlich der Sicherheit und der Vermeidung unberechtigter Datenzugriffe wäre eine Variante denkbar, nach der die in die Cloud gegebenen Daten zunächst verschlüsselt, dann nach einem individuell wählbaren Algorithmus in Teile zerlegt und nach dem Zufallsprinzip bei unterschiedlichen Providern „gelagert“ werden. Damit wären die Transportwege durchs Internet abgesichert und auch die Mitarbeiter der Provider könnten mit den einzelnen und verschlüsselten Datenfragmenten nichts anfangen. Hierfür braucht es ebenfalls hersteller- und provider-übergreifende Standards. Solche neue Techniken erscheinen einerseits sinnvoll, „vernebeln“ aber andererseits die Cloud weiter. Denn wer weiß hier am Ende noch, wo und bei welchem Hostinganbieter sich die einzelnen Datenfragmente seiner Großbestellung befinden und wie sicher sie dort vor unberechtigtem Zugriff, Manipulation und Verlust tatsächlich geschützt sind?
Vor diesem Hintergrund könnte die Rolle des gerade entstehenden Cloud Brokers in Zukunft immer größer werden. Als Schnittstelle und Mediator zwischen Cloud-Anbietern und -Nutzern befasst er sich täglich mit den neuesten Trends und Möglichkeiten des Cloud Computings. Er hat einen aktuellen Überblick über Markt und Anbieter und kann am ehesten passende Dienste mit ihren Chancen und Risiken aufzeigen und bewerten. Doch wie im Falle der Finanzdienstleister könnten auch bei Cloud Brokern im Hintergrund laufende Verträge mit bevorzugten Anbietern eine objektive Beratung unterlaufen. Daher ist unbedingt wichtig, auf eine seriöse und unabhängige Mediatorfunktion des Brokers zu achten.
Was sind Cloud Broker?
Quelle: Gebhardt Sourcing Solutions
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