„Erklärtes Ziel war es, die Entwicklung von hochwertiger Unternehmenssoftware voranzutreiben, um die Herausforderungen des digitalen Dilemmas mit technologischen Innovationen gewinnbringend zu meistern“, so Alexander Neff von Micro Focus.
Alexander Neff, Micro Focus: „Generell ist unsere Philosophie darauf ausgerichtet, den Kunden dabei zu unterstützen, unter weitgehender Beibehaltung seiner existierenden Ressourcen und Infrastrukturen in eine neue IT-Welt zu wechseln.“
„Um den kontinuierlichen Geschäftsbetrieb beim Kunden sicherzustellen und gleichzeitig optimal zu transformieren, setzt ‚Run and Transform‘ im Gegensatz zum häufig praktizierten ‚Rip and Replace‘ nicht auf rigorosen Austausch, sondern auf fließende Übergänge“, meint Alexander Neff, Micro Focus.
Alexander Neff von Micro Focus betont: „Wir gehen davon aus, dass im Laufe des Jahres noch größere Workloads auf die Plattformen beliebter Cloud-Betreiber verlagert werden.“
„Nachhaltigere Wertschöpfung, effizientere Prozesse oder der Aufbau einer Kreislaufwirtschaft sind wesentliche Mittel, um externe Abhängigkeiten zu verringern“, meint Alexander Neff von Micro Focus.
ITD: Herr Neff, trotz der Unternehmensgröße und den weltweiten Aktivitäten ist Micro Focus nach wie vor eher den IT-Insidern als der breiten Masse der Unternehmen ein Begriff. Wie würden Sie die generelle Ausrichtung Ihres Unternehmens beschreiben?
Alexander Neff: Wir sind einer der weltweit größten Anbieter im Bereich „Unternehmenssoftware“ und bieten ein umfassendes Lösungsportfolio, bestehend aus geschäftskritischen Technologien und Services, um gemeinsam für und mit unseren Kunden die wichtigsten IT-Herausforderungen erfolgreich umzusetzen. Konkret stellen wir ein innovatives und breit gefächertes Angebot an Technologien für die Bereiche „Sicherheit“, „IT-Betrieb“, „Applikationsbereitstellung“, „Governance“, „Modernisierung“ und „Datenanalyse“ zur Verfügung. Ergänzt durch unsere Cloud-Services können Unternehmen ihre Kernanwendungen vom eigenen Host-System auf beliebige Cloud-Plattformen verlagern und damit Kosten reduzieren und Prozesse vereinfachen. Abgerundet wird unser Leistungsangebot durch ein breites Spektrum begleitender Consulting-Leistungen.
ITD: Das Unternehmen existiert bereits seit 1976, bekannt wurde der Brand allerdings erst durch die Übernahme des Software-Geschäfts von Hewlett Packard Enterprise (HPE), die im Herbst 2017 abgeschlossen wurde.
Neff: Das ist richtig. Micro Focus hat seine Wurzeln im Cobol-Markt, wo das Unternehmen über viele Jahre eine Führungsposition einnahm. In den letzten 15 Jahren hat es sein Portfolio durch eine Reihe von Akquisitionen erweitert, darunter namhafte Unternehmen wie Attachmate, Borland, NetIQ, Novell und Suse. Anlässlich der kompletten Neustrukturierung des Hewlett-Packard-Konzerns hat Micro Focus 2017 im Rahmen eines sogenannten „Spin-Merge“ das Software-Geschäft von Hewlett Packard Enterprise übernommen. Durch diesen Zusammenschluss ist eine „neue“ Micro Focus entstanden. Daraufhin hat das Management beschlossen, den Brand als eigenständige Marke am Markt zu etablieren.
ITD: Welche konkreten Erwartungen hat das Management mit der Übernahme des HPE Software- Portfolios verbunden?
Neff: Erklärtes Ziel war es, die Entwicklung von hochwertiger Unternehmenssoftware voranzutreiben, um die Herausforderungen des digitalen Dilemmas mit technologischen Innovationen gewinnbringend zu meistern und somit die Lücke zwischen bestehenden und neuen Technologien erfolgreich zu schließen. Heute verfügen wir über ein breit gefächertes Software-Portfolio mit mehr als 300 Produkten, das unsere Kunden in die Lage ver-setzt, ihren Geschäftsbetrieb kontinuierlich sicherzustellen und gleichzeitig optimal zu transformieren.
ITD: Wie ist das Verhältnis zu HPE? Gibt es bei der Entwicklung oder Vermarktung von Software-Lösungen technische oder geschäftliche Kooperationen?
Neff: Wir sind zwei getrennt agierende, aber freundschaftlich verbundene Unternehmen. HPE konzentriert sich auf Software-Defined- und Edge-to-Cloud-Technologien sowie Datacenter-Infrastrukturen. Das ist nicht unser Tätigkeitsfeld. Es gibt allerdings – dort, wo es Sinn macht – Partnerschaften. Das gilt insbesondere für neue IT-Anwendungsbereiche, wo wir eine Konvergenz in der Ausrichtung beider Unternehmen feststellen. Ein Beispiel hierfür ist die neue HPE-Edge-To-Cloud-Plattform Greenlake, die es Anwendern erlaubt, durch ein Höchstmaß an Flexibilität höhere Leistung, Skalierbarkeit, Effizienz und Agilität bei Datenspeicher und Computing zu erreichen, Einblicke in Kosten und Compliance zu gewinnen und die Verwaltung der gesamten hybriden Umgebung zu vereinfachen. In diesem Segment sind wir ein Technologiepartner.
ITD: Wie stellt sich der Markt für Unternehmenssoftware angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Sie dar und wer sind Ihre Mitbewerber?
Neff: Aufgrund unseres – wie bereits erwähnt – breiten Produktangebots haben wir es unter Wettbewerbsaspekten mit dem gesamten „Who is Who“ der Software-Branche zu tun. Corona hat uns und unsere Kunden nicht nur vor große Herausforderungen gestellt, die Pandemie hat dem Markt auch viele neue Impulse gegeben. Das gilt nicht nur für klassische Industriesparten wie die Logistik, das gilt auch für das Bildungswesen oder das Behördenumfeld, wo das Thema „Digitalisierung“ einen starken Schub erhalten hat. Hier eröffnen sich Chancen für neue Player, beispielsweise im Security-Segment oder wenn es darum geht, durch intelligente API-Anbindungen Software-Applikationen benutzerfreundlicher zu gestalten.
ITD: Welche Rolle spielt Micro Focus Deutschland innerhalb des Gesamtkonzerns?
Neff: Der gesamte deutschsprachige Raum hat für uns eine hohe Relevanz. Deutschlands Wirtschaft ist, wie wir wissen, generell die viertgrößte der Welt durch den starken und exportorientierten Mittelstand und viele Weltkonzerne, die ihr Rückgrat bilden. Dies ist auch die Basis für unseren Erfolg und unsere breite Kundenbasis, die wir über Jahrzehnte aufgebaut haben. Dadurch ist unsere Region ein starker und verlässlicher Partner im globalen Micro Focus-Konzern. Wir betreiben in Deutschland sechs Niederlassungen und haben darüber hinaus Büros in Wien und Zürich. Aktuell beschäftigen wir knapp 400 Mitarbeiter, darunter – und ich denke, das unterstreicht unsere Bedeutung – sind etwa 150 Software-Entwickler, die hauptsächlich in unserer Böblinger Niederlassung tätig sind.
ITD: Wie sind Sie vertrieblich organisiert?
Neff: Wir praktizieren ein dreistufiges Vertriebsmodell. Tier-1-Kunden sind ausgewählte Global Accounts. Bei den Tier-2-Kunden handelt es sich hauptsächlich um Unternehmen, die im DAX, MDAX oder SDAX vertreten sind. Tier-3-Kunden betreuen wir indirekt gemeinsam mit unseren Vertriebspartnern. Das sind in diesem Kundensegment üblicherweise kleine bis mittelgroße Systemhäuser. In größeren Projekten mit Tier-1- und Tier-2-Kunden arbeiten wir ebenfalls mit Partnern zusammen, dann allerdings häufig mit Consulting-Unternehmen, die international aufgestellt sind, wie beispielsweise Accenture, Capgemini, Deloitte, PwC oder Tata Consultancy Services. Weltweit haben wir ein Partnernetzwerk von mehr als 7.500 Partnern, mit dem wir gemeinsam mehr als 40.000 Kunden betreuen.
ITD: Aus welchen Wirtschaftssegmenten kommen Ihre Kunden, und gibt es branchenspezifische Schwerpunkte?
Neff: Mit unseren Lösungen und den vorhandenen vertikalen Kompetenzen und Erfahrungen unserer Mitarbeiter bilden wir das komplette Spektrum der Wirtschaft ab. Unsere Kunden kommen aus der Luftfahrt- und Automobilindustrie, Medizintechnik, Pharmabranche, Telekommunikationsbranche genauso wie aus klassischen Industriesektoren wie „Öl und Gas“, dem Banken- und Versicherungsumfeld oder auch der Retail-Branche. Aktuell gehören 98 der Fortune-100-Unternehmen zu unseren Kunden.
ITD: Ein Kernsatz von Micro Focus lautet „Run and Transform – at the same Time“. Was kennzeichnet diese Vorgehensweise und was unterscheidet sie möglicherweise von anderen Digitalisierungsstrategien?
Neff: Unternehmen weltweit bewegen sich aktuell in einem Spannungsfeld. Es ist entscheidend, dass der Ge-schäftsbetrieb reibungslos funktioniert – unabhängig davon, was um sie herum geschieht. Für die IT bedeutet dies, sicher, konform und datenbasiert zu operieren. Außerdem benötigt sie vereinfachte und effiziente IT- und Software-Bereitstellungsprozesse, die mit den sich stetig ändernden Anforderungen Schritt halten können. Gleichzeitig müssen die Unternehmen aber auch nach vorne schauen und Innovationen vorantreiben, um durch neue digitale Services oder Geschäftsmodelle auch zukünftig wettbewerbsfähig zu bleiben. Dabei gilt es, auch die Nachhaltigkeit zu berücksichtigen, da Gesellschaft, Politik und die eigene unternehmerische Verantwortung dies langfristig erzwingen. Für Unternehmen ist daher eine starke, ressourcenschonende IT überlebensnotwendig. Hohe Priorität haben Themen wie operative Effizienz, flexible Betreibermodelle, durchgängige Automatisierung, eine bessere Kundenerfahrung, die Beschäftigung mit und der Einsatz neuer Technologien, Innovation auf Basis von Künstlicher Intelligenz (KI) und Machine Learning sowie eine noch intensivere Zusammenarbeit zwischen IT und Fachabteilungen bzw. Anwendern. Doch wie lösen sie dieses digitale Dilemma? Indem sie sich, ohne den laufenden Geschäftsbetrieb zu stören, in ein zukunftsfähiges Unternehmen transformieren – zeitgleich. Das ver-stehen wir unter „Run and Transform – at the same Time“. Wir bieten Lösungen, um diesen Spagat zu meistern. Dadurch unterscheiden wir uns von anderen Anbietern.
ITD: Wie machen Sie das konkret?
Neff: Generell ist unsere Philosophie darauf ausgerichtet, den Kunden dabei zu unterstützen, unter Berücksichtigung existierender Ressourcen und Infrastrukturen in eine neue IT-Welt zu wechseln. Im übertragenen Sinne nehmen wir den Kunden an der Hand und führen ihn über die dafür notwendigen Brücken. Um den kontinuierlichen Geschäftsbetrieb beim Kunden sicherzustellen und gleichzeitig optimal zu transformieren, setzt „Run and Transform“ im Gegensatz zum häufig praktizierten „Rip and Replace“ nicht auf rigorosen Austausch, sondern auf fließende Übergänge. Ein aktuelles Beispiel ist hier die Automobilindustrie. Bei der Durchführung von Digitalisierungsprojekten verfolgen wir im Wesentlichen vier Ziele: die Anwendungsbereitstellung zu beschleunigen, die IT-Transformation zu vereinfachen, die Cyberresilienz zu stärken und Daten rechtzeitig zu analysieren, um eine höhere Prognosegenauigkeit zu erhalten.
ITD: Welche Konzepte können dazu beitragen, die IT-Transformation zu vereinfachen?
Neff: IT-Operations-Teams haben früher Mitarbeiter unterstützt und keine umsatzgenerierenden Services. Doch jetzt stehen sie den unaufhörlichen Anforderungen von digital kompetenten Kunden gegenüber, die mehr Innovation fordern. Eine Lösung hierfür ist eine „digitale Fabrik“ – ein Bereitstellungsmodell für ein oder mehrere digitale Angebote. Innerhalb der Fabrik erstellen vertikal ausgerichtete funktionsübergreifende Teams, die mit wiederverwendbaren Tools und wiederholbaren Prozessen ausgestattet sind, neue Services, Lösungen oder Erfahrungen. Ein IT-Kompetenzzentrum unterstützt alle ihre Werke. Das hat eine Reihe von Vorteilen: Das Fachwissen in der Domäne wächst und ermöglicht es der IT Operations, sich auf Geschäftsergebnisse zu konzentrieren. Doppelte Tool-Sets verschwinden, was die Kosten der Komplexität verringert. Und – last but not least – stellt man eine konsistente Governance sicher und reduziert Budget- und Sicherheitsrisiken.
ITD: Wieso ist die Datenanalyse so wichtig?
Neff: Die Nutzung fortschrittlicher Analysetechniken, um zu skalieren, unerwartete Risiken zu erkennen und proaktiv zu handeln, wird schnell zu einem entscheidenden Element einer Unternehmensstrategie. Unternehmen müssen in der Lage sein, Erkenntnisse aus ihren Daten, Systemen und ihrer Organisation zu gewinnen, um bessere Entscheidungen zu treffen – wichtige Entscheidungen, um die Effizienz zu steigern oder um sich neue Möglichkeiten zu erschließen. Es ist wichtig, dass diese Entscheidungen auf vollständigen und aktuellen Informationen beruhen.
ITD: Können Sie ein Beispiel nennen, bei dem die Vorteile der „Run and Transform“-Philosophie zum Tragen kommen?
Neff: Ich denke, sehr deutlich wird die Thematik, wenn es um den Einsatz von Mainframes geht. Großrechner spielen in der Wirtschaft und Industrie weiterhin eine wichtige Rolle. Die können Sie nicht einfach abschalten, obwohl es unter reinen Kostenaspekten manchmal sinnvoll wäre. Große etablierte Banken und Versicherungen als „klassische“ Mainframe-Anwender stehen unter enormem Druck seitens einer steigenden Zahl von Start-ups in der Finanz- und Versicherungsindustrie, die mit neuen IT-basierten, benutzerfreundlichen Services in den Markt drängen. Teilweise gemeinsam mit Cobol-Experten, die sich zum Teil bereits im Ruhestand befanden und von den Banken reaktiviert wurden, entwickelt Micro Focus Lösungen, um die bestehenden Mainframe-Anwendungen in die neue, verteilte IT-Welt zu transformieren. Einen wichtigen Schritt in diese Richtung stellt die im Dezember 2021 angekündigte Partnerschaft mit Amazon Web Services (AWS) dar, in der es um die Bereitstellung eines Mainframe-Modernization-Services geht, die es Kunden ermöglicht, Mainframe-Anwendungen in der AWS Cloud zu analysieren, zu entwickeln, zu testen und bereitzustellen. Diese Zusammenarbeit schafft eine klar definierte Referenzplattform mit guter Architektur, um Risiken zu mindern, Kosten zu senken und die Geschwindigkeit noch weiter zu erhöhen, indem diese Vorteile durch einen Managed-Service auf die Infrastruktur und den Prozess ausgeweitet werden.
ITD: Nach einer aktuellen Bitkom-Studie gehen immer mehr Unternehmen in Deutschland die Digitalisierung strategisch an. Dennoch verfügen immer noch 16 Prozent der Unternehmen über keine fundierte Digitalisierungsstrategie. Können Sie diese Einschätzungen bestätigen?
Neff: Das deckt sich weitgehend mit unseren Erfahrungen. Gerade im gehobenen Mittelstand gibt es diesbezüglich noch einige Defizite. Selbst Marktführer in ihren jeweiligen Branchen verfügen gelegentlich über keine oder nur unzureichende Strategien, beispielsweise hinsichtlich Security, oder sie haben ihre Digitalisierungsstrategien nicht in verbindlicher Form zu Papier gebracht. Für solche oder ähnlich gelagerte Fälle haben wir sogenannte „Transformation Workshops“ konzipiert, die wir auf den jeweiligen Kunden zuschneiden. Nicht selten kommt der CIO oder CDO mit einem langen Anforderungskatalog auf uns zu. Aufgelistet sind dann eine Steigerung der operativen Effizienz, flexible Betreibermodelle, eine durchgehende Automatisierung, eine verbesserte Kundenerfahrung, die Beschäftigung mit KI, die Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen IT und Fachabteilungen und, und, und. In diesen Workshops agieren wir als eine Art „Vermittler“ zwischen den verschiedenen Interessensgruppen. Das Ergebnis dieser Workshops, die mehrere Tage dauern können, ist ein Report – quasi ein Vorschlag für einen Projektplan –, den wir dem Kunden am Ende unterbreiten. Wir bezeichnen diese Vorgehensweise als „Journey to Value“.
ITD: Die Pandemie hat viele Unternehmen dazu veranlasst, ihre Geschäftsprozesse und damit auch ihre IT-Infrastrukturen komplett auf den Prüfstand zu stellen. Welche Erkenntnisse wurden dabei gewonnen und vor welchen Herausforderungen stehen Ihre Kunden im Jahr 2022?
Neff: Die Pandemie hat deutlich gemacht, wie wichtig es für Unternehmen ist, flexibel, entschlossen und digital gut aufgestellt zu sein. In meinen Augen hat es einen ungeahnten Paradigmenwechsel gegeben in der Art und Weise, wie Kunden Innovation und Digitale Transformation betrachten – ob es nun darum geht, in einer Multi-Cloud-Welt agil und sicher zu bleiben, die Komplexität von Prozessen durch Automatisierung zu reduzieren, die Anwendungsbereitstellung zu beschleunigen, Cyberbedrohungen zu managen oder Services zu skalieren, ohne zusätzliche Kosten oder Ressourcen zu benötigen. Früher hat die IT den „Takt“ vorgegeben, in Corona-Zeiten war es das Business, an dem sich die Geschäftsentscheidungen orientiert haben. Erfahrene Micro Focus-Experten aus unterschiedlichen Fachbereichen haben sich Ende letzten Jahres zusammengesetzt und eine IT-Prognose für das Jahr 2022 erstellt. Die Ergebnisse ihres Gedankenaustauschs haben sie in drei Kernaussagen zusammengefasst:
1. Reifeprozesse in der Unternehmens-IT schreiten voran.
2. Der Run auf die Cloud hält an.
3. Auch kritische Anwendungen werden remote verfügbar.
ITD: Das heißt, die Unternehmens-IT insgesamt und speziell die Nutzung von Cloud-Lösungen werden an Relevanz gewinnen?
Neff: Richtig. Die IT hat längst nicht mehr nur eine unterstützende Funktion. IT und Business werden zunehmend verschmelzen. Eine neue Denkweise ist gefordert. Agile DevOps-Praktiken werden als De-facto-Standards angesehen, die Interaktion zwischen Nachfrage und Lieferung wird neu definiert. Die letzten 18 Monate waren eine schwierige Lektion für viele IT-Abteilungen, die noch nicht vollständig auf eine Digital-First-Strategie umgestellt haben. Bei großen Unternehmen, deren Kerngeschäftsanwendungen in Cobol geschrieben sind oder auf Mainframes laufen, sehen wir eine noch größere Dynamik in Richtung „Cloud-basierter Initiativen“. Wir gehen davon aus, dass im Laufe des Jahres noch größere Workloads auf die Plattformen beliebter Cloud-Betreiber verlagert werden. Das heißt Unternehmen werden sich mehr und mehr darauf konzentrieren, hybride und Multi-Cloud-Umgebungen in ihrem Unternehmen zu etablieren, um die Einführung digitaler Technologien zu unterstützen, agiler auf Geschäftsanforderungen reagieren zu können und natürlich die Opex zu optimieren. Diese gemischten Infrastrukturen (Cloud, On-Premises, etc.) bringen jedoch ein hohes Maß an Komplexität mit sich. Unsere Software-Lösungen helfen dabei, diese Realität zu bewältigen, indem sie IT-Services von Mainframe zu Mobile, Corporate zu Cloud überbrücken.
ITD: Viele Mitarbeiter werden nicht oder nur noch selten in ihre Büros zurückkehren und ihre Aufgaben stattdessen aus dem Homeoffice oder mobil ortsunabhängig erledigen?
Neff: Remote Work wird auch dann noch ein wesentlicher Bestandteil der Business-Landschaft bleiben, wenn wir die Pandemie endlich überwunden haben. Für Unternehmen bedeutet das, dass Mitarbeiter auch Fernzugriff auf geschäftskritische Anwendungen benötigen – egal, an welchem Ort sie sich gerade befinden. Das wiederum heißt, das Perimeterkonzept in der IT-Sicherheit hat endgültig ausgedient. Wenn Mitarbeiter von privaten, potenziell unsicheren Netzwerken auf kritische Ressourcen zugreifen sollen, müssen CISOs ihre Sicherheitskontrollen sowie Identitäts- und Zugriffsverwaltungsrichtlinien neugestalten und einen konsequenten Zero-Trust-Ansatz verfolgen. Daher steht die Sicherheit im Epizentrum der Transformation.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 1-2/2022. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
ITD: Welchen Stellenwert hat Nachhaltigkeit in Ihrem Unternehmen?
Neff: Nachhaltig zu agieren, hat sowohl für uns als auch für unsere Kunden eine hohe Relevanz. Nachhaltigere Wertschöpfung, effizientere Prozesse oder der Aufbau einer Kreislaufwirtschaft sind wesentliche Mittel, um externe Abhängigkeiten zu verringern. Die IT ist in diesem Zusammenhang ein wichtiger Wegbereiter. Reports, die die Nachhaltigkeit unseres Handelns belegen, sind immer häufiger eine Voraussetzung für den Aufbau neuer Kundenbeziehungen. Mit unserem „Environmental, Social and Governance“-Programm verpflichten wir uns, nachhaltiges und verantwortungsbewusstes Handeln in den Mittelpunkt unserer Tätigkeit zu stellen. Darüber hinaus engagieren wir uns in unterschiedlichsten Initiativen, deren gemeinsames Ziel es ist, den ökologischen Fußabdruck zu reduzieren. Seit Oktober des vergangenen Jahres sind wir Mitglied des Low Carbon Patent Pledge, einem Zusammenschluss von nunmehr sechs namhaften Großunternehmen (Facebook, HPE, JPMorgan Chase, Majid Futtaim, Microsoft und Micro Focus), die es sich zum Ziel gesetzt haben, weltweit CO2-Emissionen zu reduzieren, indem sie technologische Patente zur Schadstoffreduzierung frei zugänglich machen. Mehr als 400 solcher Patente wurden inzwischen veröffentlicht. Wir sind mit Patenten zur Verbesserung des Managements von Windturbinen sowie zur effizienteren Energieverteilung beteiligt.
ITD: Welche unternehmerischen Ziele verfolgen Sie mittel- und langfristig?
Neff: Wir setzen auf Kontinuität. Das gilt für die Weiterentwicklung unseres Angebotsportfolios genauso wie für unser Verhältnis zu unseren Kunden, mit denen wir vielfach seit Jahrzehnten zusammenarbeiten. Über unser Customer Advisory Board haben wir stets ein offenes Ohr für die Bedürfnisse unserer Kunden. Die Philosophie „Run and Transform“, die auf fließende Übergänge und fließende Entwicklungen setzt, wird auch in den kommenden Jahren unseren Unternehmenskurs bestimmen.
Alter: 57 Jahre
Familienstand: verheiratet, drei Kinder
Werdegang: Master-Abschluss in Wirtschaft und Technik; u.a. Computer 2000, Managing Direktor bei Logitech, WW Sales & Marketingdirektor bei der CE Consumer Electronic AG, Management-Positionen bei Symantec, Quest sowie Dell Software; seit 2018 bei Micro Focus.
Derzeitige Position: Vizepräsident Vertrieb DACH & Vorsitzender des regionalen Management Boards bei der Micro Focus Deutschland GmbH
Interessen: Skifahren, Mountainbiking
Bildquelle: Claus Uhlendorf