Armin Brüning, Coretechnologie-Geschäftsführer, informiert über das Potenzial von industriellen 3D-Anwendungen.
ITD: Herr Brüning, dass die Automobilindustrie seit Jahren auf 3D-Modelle setzt, ist bekannt. Wie und wo kommt diese Technologie im Rahmen von Industrie-4.0-Anwendungen zum Einsatz und weshalb wird sie immer wichtiger?
Armin Brüning: Die CAx-Systeme und 3D-Modelle sind heute die führende Informationsquelle zur Realisierung komplexer Produkte und deshalb aus der Industrie nicht mehr wegzudenken. Die optimale Gestaltung der auf 3D-Technologie basierenden Prozesse wie Konstruktion, Festigkeitsberechnung und Fertigung bis hin zu Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) bergen zudem wesentliche Wettbewerbsvorteile für innovative Unternehmen. Industrie 4.0 ist die Philosophie einer optimalen Prozesskette zur automatischen Verarbeitung aller Daten. Das Faszinierende an der additiven Fertigung ist die direkte Verbindung von virtueller Welt und Fertigung, direkt und ohne Umwege über Werkzeuge. Diese Technologie hat ein enormes Automatisierungspotenzial zur Fertigung bestimmter Bauteile. Unsere neue „Software 4D_Additive“ widmet sich speziell dieser spannenden Technologie.
ITD: Welche Rolle spielt die Qualität der Ausgangsdaten bei der Erstellung von Modellen für die Industrie und wie kann diese sichergestellt werden?
Brüning: Datenqualität ist aus folgendem Grund ein ganz wesentlicher Aspekt zur Gestaltung durchgängiger Prozesse: Immer, wenn 3D-Daten fehlerhaft sind, kommt es zu Unterbrechungen der Prozesskette und zu unerwünschten manuellen Eingriffen. Deshalb haben unsere Tools für die Datenkonvertierung und für die additive Fertigung Funktionen zur Analyse der 3D-Datenqualität sowie automatische Korrekturfunktionen.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 4/2021. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
ITD: Oft wird bemängelt, dass derzeit noch nicht das volle Potenzial der
3D-Daten gehoben wird. Woran kann das liegen und wie lässt sich dies in
Zukunft vielleicht ändern?
Brüning: Es gibt noch enormes Potenzial für alle Arten von 3D-Anwendungen. Dass z. B. große Player aus der Spieleindustrie jetzt in den Markt für die Virtual Factory einsteigen, spricht Bände. Wir arbeiten schon seit über 20 Jahren an der Optimierung von virtuellen Prozessketten und damit an Industrie 4.0. Hier gibt es große Unterschiede, wie konsequent das in Unternehmen verfolgt wird. Um Industrie 4.0 auf breiter Front noch schneller zum Durchbruch zu verhelfen, wäre ein einheitliches Datenformat hilfreich, das alle Aspekte einer durchgängigen industriellen Anwendung berücksichtigt.
ITD: Die neue Version Ihrer 3D-Software bietet spezielle Schnittstellen für Augmented-Reality- und Virtual-Reality-Anwendungen. Auf welche Weise können -Anwender diese nutzen und welche Vorteile bieten sie?
Brüning: Unsere Konverter haben alle gängigen CAD-Formate (Computer-aided Design) sowie spezielle Virtual- und Augmented-Reality-Schnittstellen wie Obj, Fbx und Gltf, mit denen auch Animationen und sogar Kinematik in Virtual-Reality-Formate sowie nach Step 242 übertragen werden können. Zusätzlich zur Konvertierung kann man mit dem Tool „3D-Evolution Simplifier“ eine automatische Hüllgeometrie erzeugen, wobei die Größe der Daten extrem reduziert wird. Erst durch diese Technologie können z.B. auch komplette Fabriken mit hoher Performance dargestellt und simuliert werden.
Bildquelle: Coretechnologie