Christoph Goller meint dass ChatGPT in der Praxis u.a. schlicht zu teuer ist, sprich die Wirtschaftlichkeit für die Unternehmen fehlt.
Und das hat mehrere Gründe: Als Erstes wäre da der Aspekt der Hardware-Kosten und damit der Skalierbarkeit zu nennen. Dank des Hypes nutzen derzeit Millionen Menschen täglich ChatGPT, allerdings eher zum Spaß und zum Ausprobieren. In einem Unternehmenskontext wäre die Dichte an Suchanfragen pro Person aber um einiges höher und somit mit der derzeitigen Last vergleichbar. Das Problem: Schon heute liegen die Hardware-Kosten der Entwicklerfirma OpenAI bei geschätzten 100.000 Dollar – pro Tag. Für die allermeisten Organisationen ist der praktische Einsatz der Künstlichen Intelligenz (KI) also nicht wegen möglicher technischer Shortcomings problematisch, sondern aus Gründen der fehlenden Wirtschaftlichkeit.
Der zweite Punkt, der gegen einen großflächigen Einsatz von ChatGPT und ähnlich gelagerten Lösungen spricht, betrifft die korrekte Wiedergabe des Vokabulars für spezialisierte Bereiche. Die unüberwacht trainierten Transformermodelle, die modernen Texterkennungs- und Chatprogrammen zugrunde liegen, können domänenspezifische Inhalte nicht adäquat behandeln. Beispiele dafür sind etwa unternehmensabhängige Fehler- oder Produktcodes, auf die eine KI speziell trainiert werden muss. Diese Abstimmung auf spezifische Besonderheiten ist nicht nur rechenintensiv, sie gestaltet sich wegen der benötigten manuell gelabelten Daten auch äußerst schwierig.
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Ein Grund dafür, dass ChatGPT die uns bekannten Suchmaschinen vorerst nicht ohne Weiteres ablösen wird, ist allerdings sehr viel offenkundiger: Die Antworten lesen sich in vielen Fällen schlüssig und sind dank des fortgeschrittenen Sprachmodells in einen glaubwürdigen Kontext verpackt. Auf den zweiten Blick entpuppen sich viele der Angaben allerdings als absolut haltlose Falschaussagen. Ein Beispiel: Auf die Frage, wo in Bayern die besten Wattwanderungen zu finden sind, antwortet ChatGPT mit den Inseln Rügen und Amrum. Knapp vorbei. Bei dem aktuell großen Hype um die KI dürfen wir nicht vergessen, dass es sich dabei um eine Testversion handelt, die auf das Feedback der Anwender angewiesen ist, um weiter zu lernen und besser zu werden.
All diese Feststellungen ändern nichts daran, dass ChatGPT eine beeindruckende Technologie ist und Deep Learning sowie die Leistung der darunterliegenden Transformer auf ein neues Level hebt. Das Programm verbindet Semantik und Syntax dabei auf eine Art und Weise, die täuschend echte Gesprächsverläufe ermöglicht. Es wäre aber ein Fehler, die von der KI erzeugten Antworten als zuverlässige Wissensquelle anzusehen. Von diesem Punkt sind wir aktuell noch weit entfernt. Auch wenn wir eines Tages an dieses Ziel gelangen sollten: Im Moment produzieren die Modelle noch oftmals mehr oder weniger fundierte Vermutungen.
Bildquelle: Intrafind Software AG