Interview mit Markus Mattmann, Rackspace

Cloud Community wächst

Interview mit Markus Mattmann, Regional Director Central Europe & Europe Emerging Markets, über die Notwendigkeit von Open-Cloud-Computing-Modellen

Markus Mattmann, Rackspace

Markus Mattmann, Regional Director Central Europe & Europe Emerging Markets, leitet die im letzten Jahr eröffnete Rackspace-Niederlassung in der Schweiz, um deutschsprachigen Kunden einen besseren Service bieten zu können.

Vor drei Jahren hat das auf Hosting- und Cloud-Geschäfte US-amerikanische Unternehmen Rackspace gemeinsam mit dem Kunden NASA die Software "OpenStack" entwickelt und inzwischen in ein Open-Source-Projekt verwandelt. Durch den Aufbau einer Open-Source-Community versucht das Unternehmen vor allem Mitbewerber Amazon die Stirn zu bieten. Um auch Kunden im DACH-Raum anzusprechen wurde im letzten Jahr eine Niederlassung in der Schweiz eröffnet.

IT-DIRECTOR: Herr Mattmann, was genau beinhaltet das Softwareprojekt OpenStack?
M. Mattmann:
OpenStack ist eine freie Software für das Management von Cloud-Architekturen und ein erfolgreiches Open-Source-Projekt. Initiiert wurde es gemeinsam von der NASA und Rackspace. Inzwischen haben sich über 850 Organisationen dem Projekt angeschlossen, darunter die großen Namen der internationalen IT-Welt. Rackspace ist als einer der Gründer dieses Projekts immer noch eine treibende Kraft – unsere Entwickler sind für über die Hälfte des Codes verantwortlich. Ziel der Community ist es, die allgegenwärtige Open-Source-Cloud-Computing-Plattform zu schaffen, die den Bedürfnissen der öffentlichen und privaten Cloud-Anbietern unabhängig von ihrer Größe gerecht wird, indem sie einfach zu implementieren und massiv skalierbar ist.

IT-DIRECTOR: Worin bestehen, innerhalb der Open-Source-Infrastructure-as-a-Service-Plattform, die Unterschiede zu anderen Angeboten?
M. Mattmann:
Im Vergleich zu anderen Infrastructure-as-a-Service-Angeboten ist OpenStack quelloffen, was ein Vorteil ist, weil sich Unternehmen nicht an proprietäre Lösungen und Anbieter binden und diesen dann im Hinblick auf Lizenzgebühren für die nächsten Jahre quasi ausgeliefert sind. Ein weiterer Pluspunkt ist die hohe Skalierbarkeit. Mit mehr als 6.000 Individuen ist das Projekt nicht nur eine der größten Communitys in diesem Bereich, sondern ein Verbund von Cloud- und Technologie-Experten, die es tagtäglich weiterentwickeln. Eine Studie des deutschen Bundeswirtschaftsministeriums zur Standardisierung von Cloud Computing nennt OpenStack sogar als Referenzarchitektur zum Aufbau von Cloud-Infrastrukturen und stuft Reife und Durchsetzungsfähigkeit des Projekts als hoch ein.

IT-DIRECTOR: 2012 eröffnete Rackspace ein Büro in Zürich, um die DACH-Region zu erobern. Wie reagieren deutschsprachige Unternehmen auf das Angebot?
M. Mattmann:
Rackspace hat bereits einige Kunden in der deutschsprachigen Region, bisher wurden diesen aber von UK aus betreut. Wir erleben ein großes Interesse an unserem Cloud-Portfolio und vor allem auch am Gesamtkonzept. Als einer der Gründer dieses Open-Source-Projekts, können wir mit Recht behaupten, uns in diesem Gebiet so gut auszukennen wie kein anderes Unternehmen. Die wachsende Nachfrage nach Cloud-Lösungen und die bereits bestehende Kundenbasis waren Grund genug eine eigene Dependance in dieser Region zu eröffnen. Ziel ist es, bestehende Kunden von hier aus, in deutscher Sprache, zu betreuen, und natürlich den Kundenstamm auszubauen. Wir sehen hier großes Potential.

IT-DIRECTOR: Welche vielzitierten Bedenken der Cloud gegenüber sind noch berechtigt und welche inzwischen unbegründet?
M. Mattmann:
Die Cloud ist aus unserem Alltag und erst recht aus der Zukunft nicht mehr wegzudenken, es ist bereits gelebte Realität, auf Stundenbasis Rechen-Power zu beziehen und diese beliebig zu skalieren, ohne dafür in eigene Hardware investieren zu müssen. Dementsprechend gibt es heute Angebote auf dem Markt, die die beiden größten Bedenken hinsichtlich der Cloud ausräumen. Zum einen ist das die Frage nach der Datensicherheit, zum anderen die sogenannte „Lock-in“-Gefahr, also die Angst vor der Abhängigkeit von einem einzelnen Anbieter.

Gerade bei großen Anbietern ist die Sorge um die Security inzwischen unbegründet. Mit dem Aufkommen des Cloud Computing war dies das erste Thema, dem sich gewidmet wurde und die Technologieunternehmen haben hier stark investiert. Eine sehr wichtige Frage ist meiner Meinung nach, was bzw. welche Daten sind überhaupt geeignet für die Cloud? Nicht alles muss in der Wolke gelagert werden, auch wenn es sich für vieles anbietet! Ein erfahrener Anbieter ist in der Lage, Unternehmen hier fundiert zu beraten. Hinsichtlich der Angst vor der Anbieter-Abhängigkeit, bieten Open-Source-Angebote natürlich eine gute Alternative. OpenStack ist das Linux oder Android der Cloud-Welt – es wird bereits häufig mit diesen beiden erfolgreichen Open-Source-Projekte verglichen.

IT-DIRECTOR: Welche Möglichkeit haben Sie als Anbieter, Bedenken bei IT-Leitern aus dem Weg zu räumen?
M. Mattmann:
Zum einen natürlich durch ein qualitatives und maßgeschneidertes Angebot. Zum anderen, indem wir dem Kunden beweisen, dass wir ein vertrauensvoller Partner sind, der immer für sie da ist. Was Rackspace von anderen Anbietern unterscheidet, ist unser Service-Versprechen. Wir haben ein dediziertes Support-Team, das 24 Stunden, 7 Tage die Woche, 365 Tage im Jahr für unsere Kunden da ist – das „Fanatical Support“-Versprechen. Gerade beim Thema Cloud möchten Unternehmen nicht allein gelassen werden und wissen, an wen sie sich im Fall der Fälle wenden können.

IT-DIRECTOR: Derzeit gibt es noch kein Rechenzentrum in der DACH-Region, schreckt die Datenlagerung im „fernen Ausland“ Unternehmen ab?
M. Mattmann:
Das Analystenhaus Gartner sieht uns als eines der führenden Unternehmen im Bereich „Managed Hosting“. Rackspace betreibt insgesamt neun Rechenzentren auf der ganzen Welt – einige davon in Europa, in den USA und auch in Hongkong und Australien. Aus meiner Erfahrung und aus den bisherigen Kundengesprächen mit deutschen Unternehmen lese ich heraus, dass es vor allem um die richtige Strategie geht. Firmen möchten wissen, wo welche Daten mit welcher Sicherheitsstufe liegen. Wenn hier ein gutes und sicheres Konzept von einem vertrauensvollen Anbieter vorgelegt wird, ist das unterm Strich meist wichtiger als das „Rechenzentrum in Blickweite“.

IT-DIRECTOR: Ist der Bau eines lokalen Rechenzentrums geplant?
M. Mattmann:
Wenn sich unser Geschäft hier in Europa so entwickelt, wie wir uns das vorstellen, ist das auf jeden Fall eine Option. In anderen Märkten haben wir diese Strategie bereits sehr erfolgreich verfolgt, zum Beispiel in Australien. Wir haben dort ein Büro eröffnet und nachdem wir dort Fuß gefasst hatten, ein lokales Rechenzentrum gebaut.

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