Innovative Wege in die Cloud

Cloud-First-Strategie bei ASK Chemicals

Will sich ein Unternehmen heute zukunftsfähig aufstellen und für die ­Herausforderungen der Digitalisierung gerüstet sein, führt an der Cloud kaum mehr ein Weg vorbei.

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    „Eine Cloud-First-Strategie, wie wir sie umgesetzt haben, ist die Voraussetzung für echte digitale Geschäftsmodelle“, sagt Christian Dusek. ((Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus))

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    Das Werk in Wülfrath, der Hauptproduktions­standort von ASK Chemicals. ((Bildquelle: ASK Chemicals))

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    Christian Dusek, CIO von ASK Chemicals: „Der Ansatz eines zentralen Cloud-Rechenzentrums war mit Nachteilen verbunden.“ ((Bildquelle: ASK Chemicals))

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    Das Technikum in Hilden bildet von der Formherstellung bis zum Schmelzen und Gießen alle Prozesse in einer Gießerei ab. ((Bildquelle: ASK Chemicals))

Dies gilt umso mehr, wenn das Unternehmen über unterschiedlichste internationale Standorte verfügt. Bei ASK Chemicals hat man die Bedeutung der Digiralisierung frühzeitig erkannt und sich entschlossen, die IT-Infrastruktur komplett in die Cloud zu migrieren: eine Cloud-First-Strategie. Der in Hilden bei Düsseldorf ansässige weltweit aktive Anbieter stellt Chemikalien und Hilfsmittel her, die für die Produktionskette von Gießereien erforderlich sind. Über technische Services werden die eigenen Produkte optimal auf die Prozesse der Kunden abgestimmt. Ein weiteres Geschäftsfeld sind Kunstharze und Spezialprodukte auf dem Gebiet der Farben und Lacke, der Düngemittelbeschichtung und der Herstellung von Bremsbe­lägen und Composites.

Seit 2015 war bei ASK Chemicals eine Private Cloud im Einsatz, die ein Provider im US-Bundesstaat North Carolina hostete. Auch Application-Managed-Services wurden dort erbracht, wie Hardware-Management, Virtualisierung, Datenbankverwaltung und Backup. Seine Microsoft-Office-Tools betrieb ASK jeweils on premises auf eigenen Servern. „Dieser Ansatz des zentralen Cloud-RZ in North Carolina war mit Nachteilen verbunden“, berichtet Christian Dusek, CIO von ASK Chemicals. „Durch den Datenweg in die USA kam es für unsere Nutzer in Europa und Asien zu recht langen Latenz-, Zugriffs- und Speicherzeiten. Entsprechend schlecht war die Nutzererfahrung. Im Grunde galt für uns damals sogar: not anyhwere, not anytime, not any platform.“

Aber nicht nur die Performance ließ zu wünschen übrig – auch die Komplexität der Architektur war ein Hemmnis. „Uns fehlte einfach Skalierbarkeit, wir hatten zu wenig Flexibilität und Zugriffsmöglichkeiten“, so Dusek weiter. „Auch unser Schutz vor Cyberbe­drohungen war damals limitiert.“ Deshalb begann Dusek bereits 2018 damit, die Möglichkeiten einer Cloud-First-Strategie mit einem global operierenden Hyperscaler auszuloten. Bei der Planung der IT-Transformation ging es ihm um mehrere Ziele: „Wir wollten die Kosten im Bereich ‚Compute‘ senken, mehr Flexibilität und Skalierbarkeit herstellen – beispielsweise für M&A-Vorhaben. Und wir wollten die Innovationsfähigkeit unserer IT steigern, um digitale Geschäftsmodelle zu ermöglichen.“

Proof of Concept mit mehreren Anbietern

2019 trat ASK Chemicals in einen Proof-of-Concept-Prozess mit mehreren Anbietern ein; im Herbst 2019 schloss Dusek den Vertrag mit Arvato Systems. Dieser IT-Spezialist und Multi-Cloud-Service-Integrator mit Sitz in Gütersloh unterstützt ASK nun auf der ganzen Welt bei der Digitalen Transformation. „Die räumliche Nähe zu einem deutschen Cloud-Spezialisten war ein Kriterium“, sagt Dusek, „aber noch wichtiger war für uns die Kompetenz in Sachen Amazon Web Services, Microsoft 365 und SAP. Das Unternehmen ist für uns ein pragmatisch agierender Partner, der Mittelstandsorientierung und hohe Leistungsfähigkeit ideal verbindet.“

Ende 2019 begann die Detailplanung für die Migration hin zu AWS bzw. Microsoft 365. Für das Jahr 2020 war die sukzessive Umsetzung vorgesehen; insgesamt gehörten 78 IT-Systeme zum Projektumfang. 56 Systeme hat man einfach per Lift-and-shift überführt, 15 wurden durch neue Lösungen oder Redesigns ersetzt und sieben Systeme blieben letztlich, wo sie waren.

„Wir hatten die Migration 2020 gerade begonnen, da kam Corona“, erinnert sich Christian Dusek. „In der Pandemie war unsere Konzernpolitik: Wer im Homeoffice arbeiten kann, soll das auch tun. Das ging nur durch entsprechende Konzepte, Bandbreiten und Cloud-Technologie.“ Weil man in der komfortablen Situation war, die Migration schon sehr gut geplant zu haben, konnte man die Umsetzung beschleunigen. „Bereits im März/April 2020 hatten wir eine ‚Digital Readiness‘ erreicht, die Cloud-nativ war“, berichtet Dusek. „So haben wir beispielsweise Office 365 innerhalb von nur zwölf Wochen ausrollen können – in allen 20 Ländern, für mehr als 20 Gesellschaften. Das war eine echte Leistung. Der Dienstleister hat uns dabei massiv unterstützt, obwohl auch dessen Experten zu dieser Zeit alle im Homeoffice waren. Das macht das Ergebnis noch eindrucksvoller.“ So war beispielsweise der Einsatz von Microsoft Teams ursprünglich gar nicht vorgesehen, erwies sich unter Pandemiebedingungen dann aber als großer Vorteil für die (internationale) Zusammenarbeit im Konzern.

Insgesamt 158 Server, 21 SQL-Datenbanken und 15 SAP-Systeme hat ASK erfolgreich in die Cloud migriert. Parallel erfolgte die ERP-Migration auf SAP BW/4 Hana. „All das haben wir 2020 innerhalb von nur zehn Monaten erfolgreich umgesetzt – ohne Ausfälle“, sagt Christian Dusek. Weil der Hyperscaler AWS nun in Nordamerika und Europa hostet (Letzteres in Irland und völlig DSGVO-konform), hat sich die Performance deutlich verbessert, Latenz ist kein Thema mehr.

„Im Computer-Umfeld haben wir durch die Economies-of-Scale-Effekte der Migration Einsparungen von 20 Prozent realisiert“, rechnet Dusek vor. „Das Right­sizing, die stets bedarfsgerechte Nutzung von Ressourcen, zahlt sich aus. Auch durch die neuen Microsoft-Online-Services hat sich das Nutzererlebnis verbessert. Unsere Anwender stellen fest, dass sie jetzt überall – im Büro, im Homeoffice, sogar unterwegs – dieselbe Nutzererfahrung haben.“

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 9/2021. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Im Zuge der Migration konnte dank VMware Carbon Black der Schutz vor Cyberangriffen verbessert werden – auf State-of-the-Art-Niveau. Ein Security Operations Center in Tallinn überwacht nun die IT von ASK Chemicals rund um die Uhr und kann im Verdachtsfall, sobald Carbon Black Anomalien identifiziert, betroffene Endgeräte sofort trennen. Entsprechende Tests, ob etwa eine Datensicherung problemlos wieder einspielbar ist oder ob betroffene Systeme schnell wieder funktionsfähig sind, sorgen dafür, dass Sicherheit nicht bloß auf dem Papier steht. Zudem wollen die Sicherheitsspezialisten in naher Zukunft auch durch simulierte Cyberattacken, durch Penetrationstests, etwaige Schwachstellen identifizieren.

Anlässlich der Cloud-Migration hat ASK im Bereich „Betriebswirtschaft“ von der Oracle-Datenbank auf das neu installierte SAP BW/4 Hana umgestellt. „Bisher ist allerdings nur der SAP-Betrieb in die Cloud gewandert“, erklärt Dusek. „Perspektivisch verfolgen wir die Strategie, unsere weltweite ERP-Plattform zu konsolidieren und zu harmonisieren. Wir werden unser ERP-System auf S/4-Basis dann ebenfalls Cloud-nativ aufstellen.“

Bei einem solch ambitionierten Migrationsprojekt sind naturgemäß auch unvorhergesehene Hürden zu überwinden. So erwies es sich weniger einfach als gedacht, die riesigen Datenmengen des Konzerns in die Microsoft- und AWS-Cloud zu übertragen. „Wir mussten feststellen, dass beim Transfer alle Metadaten zu Owner, Erzeuger, Erstellung und Änderungen verloren gingen“, berichtet Dusek. „Das war für alle ein unwillkommenes Aha-Erlebnis. Diesen Verlust der Meta­daten zu korrigieren, war enorm auf­wendig.“

Nach einigen Monaten in der Cloud hat Dusek eine interessante Erkenntnis gewonnen: „Storage kostet nichts – aber Computing kostet. Deshalb ist ‚Rightsizing‘ so wichtig. Durch die Skalierbarkeit und Flexibilität, die wir durch die Cloud-Migration gewonnen haben, durch das Pay-as-you-go-Modell realisieren wir bedeutende Einsparungen. Beispielsweise fahren wir all unsere SAP-Test- und -Entwicklungssysteme, die wir am Wochenende nicht benötigen – das sind immerhin zwölf von 16 –, dann einfach herunter.“ Letztlich war die Migration ein voller Erfolg. „Wir sind 2020 innerhalb von zehn Monaten, zwischen März und Dezember, von einer Infrastruktur, die zu 100 Prozent on premises war, zu einer 100-prozentigen Cloud-Infrastruktur migriert“, zieht Dusek Bilanz. Die Serverinfra­struktur in der Cloud mit den Application-Managed-Services hat für ASK heute Commodity-Charakter; davon ausgenommen sind nur einige wenige Spezialapplikationen, die der Anwender selbst betreut.

„Aber es geht nicht nur um Kosteneffekte und Flexibilität durch Rightsizing und Pay-as-you-go-Modelle“, ist Christian Dusek überzeugt. „Ebenso wichtig ist die Zukunftsfähigkeit. Eine Cloud-First-Strategie, wie wir sie umgesetzt haben, ist die Voraussetzung für echte digitale Geschäftsmodelle, etwa in Gestalt von IoT-Devices. Eine Cloud-native IT ist ein wertvoller Impulsgeber. Und auch die KI- und Machine-Learning-Lösungen von AWS sind für uns sofort einsetzbar.“

ASK Chemicals

Die Ashland-Südchemie-Kernfest GmbH, entstanden im Jahr 2010 durch Zusammenschluss der Gießereisparten der Ashland Inc. und der Süd-Chemie, produziert verschiedene Harze, Trennmittel, Binder und weitere Produkte für die Gießerei-Industrie. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 1.500 Menschen in Deutschland, Spanien, Tschechien, Brasilien, der Volksrepublik China, Japan, Korea und den USA. Der Hauptsitz befindet sich in Hilden bei Düsseldorf.

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