Digitale Souveränität

Cloud und Daten müssen strategisch getrennt werden

In der Cloud entstehen neue Abhängigkeiten. Nur noch 61 Prozent der Unternehmen profitieren von Kosteneinsparungen. Oft fehlt eine klare Trennung zwischen Cloud- und Datenstrategie.

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Souveränität verspielt? Die Kosten einer vermischten Cloud- und Datenstrategie

Viele Unternehmen haben ihre IT bereits in die Cloud verlagert und sind der Meinung, damit sei die digitale Modernisierung abgeschlossen. Doch die Realität sieht anders aus. Der aktuelle KPMG-Cloud-Monitor 2025 zeigt, dass nur 61 Prozent der Unternehmen klare Kosteneinsparungen durch die Cloud verzeichnen. Häufig liegt der Grund darin, dass Datenstrategie und Cloud-Strategie als ein und dasselbe verstanden werden. In vielen Organisationen bestimmt die Infrastruktur den Umgang mit Daten und nicht die Datenstrategie den Einsatz der Cloud.

Die Folgen einer fehlenden Datenstrategie sind spürbar: Anbieterwechsel sind nur mit großem Aufwand möglich, die Exit-Kosten laufen aus dem Ruder und es entstehen Compliance-Risiken. Besonders kleine Unternehmen und Mittelständler mit begrenzten IT-Ressourcen geraten dadurch schnell in Schieflage. Doch auch große Konzerne spüren die gleichen Effekte, wenn sie ihre Cloud- und Datenstrategie nicht klar trennen und verzahnen.

Zwei Strategien, zwei Zielsysteme

Eine Datenstrategie beantwortet grundlegende Fragen: Welche Daten gibt es im Unternehmen? Welchen Wert haben sie? Wie wird ihre Qualität sichergestellt? Wer darf sie nutzen? Sie legt außerdem Regeln für die Klassifizierung, die Zugriffsrechte und die Interoperabilität fest. Im Kern schafft sie ein gemeinsames Verständnis für Daten als strategisches Asset.

Eine Cloud-Strategie verfolgt völlig andere Ziele. Sie befasst sich mit dem Betrieb von Anwendungen, Skalierung und Performance sowie Kostenkontrolle und Governance. Sie legt fest, welche Architektur gewählt wird, welche Provider eingebunden werden und wie Ausstiegspläne gestaltet werden können.

In der Praxis werden diese beiden Strategien jedoch häufig vermischt. Unternehmen stellen die Cloud-Migrationen in den Vordergrund und verwechseln dabei den technischen Betrieb mit dem Wertmanagement der Daten. Die Folge ist, dass Architekturentscheidungen Datenaspekte überlagern. Wenn Daten beispielsweise unreflektiert in proprietäre Umgebungen verlagert werden, wirkt das zwar kurzfristig effizient, führt aber langfristig zu Abhängigkeiten und Kosten. Dadurch wird nicht nur die Flexibilität eingeschränkt, sondern auch die digitale Souveränität gefährdet.

Kostenfalle Vendor Lock-in

Cloud- und Datenstrategie müssen klar voneinander getrennt sein, sonst entstehen Risiken. Der klassische Vendor Lock-in macht einen Anbieterwechsel teuer und aufwändig. Denn proprietäre Schnittstellen und Formate binden Unternehmen an einen Provider. Wer aussteigen will, muss demzufolge mit hohen Migrationsaufwänden und Projektrisiken rechnen. Hinzu kommen die sogenannten Egresskosten – Gebühren, die fällig werden, sobald Daten die Cloud-Plattform verlassen. Viele Unternehmen übersehen diesen Punkt in der Planung und erleben ein böses Erwachen, wenn Budgets gesprengt werden.

Kein Wunder also, dass immer mehr Unternehmen einen Wechsel aus der Public Cloud in Erwägung ziehen. Laut dem aktuellen Bitkom Cloud Report 2025 nutzen bereits 90 Prozent der deutschen Unternehmen Cloud-Dienste. Doch die anfängliche Euphorie weicht zunehmend kritischen Fragen. Denn wer sensible und wertvolle Daten ohne klare Strategie in globale Plattformen verlagert, verliert schnell die Kontrolle darüber.

Von Strategien zu Souveränität

Die Bitkom-Studie macht den großen Handlungsdruck deutlich. 53 Prozent der Cloud-Nutzer fühlen sich ihren Providern ausgeliefert, beispielsweise bei der Preisgestaltung, den Vertragsbedingungen oder den fehlenden Ausstiegsoptionen. Genau hier setzt die klare Trennung von Cloud- und Datenstrategie an. Beide Strategien tragen zu den verschiedenen Schichten der digitalen Souvernität bei und verschaffen Unternehmen schrittweise die Kontrolle zurück.

Eine Datenstrategie kann die Souveränität auf den grundlegenden Ebenen stärken, indem sie für Datenschutzkonformität sorgt und die Datenhoheit sicherstellt. Unternehmen wissen somit jederzeit, welche Daten sie besitzen, wo diese liegen und wer darauf zugreifen darf. Damit schaffen sie die Grundlage für Vertrauen und reduzieren das Risiko einer Abhängigkeit von externen Plattformen.

Auf dieser Basis baut die Cloud-Strategie auf, die vor allem die höheren Ebenen beeinflusst. Mit einer bewusst gestalteten Multi-Cloud-Architektur können Unternehmen Rechtsraumsouveränität erreichen, indem sie ihre Daten in dem jeweils passenden rechtlichen Rahmen speichern. Operative Souveränität gewinnen sie, indem sie Governance und Exit-Szenarien in ihre Architektur einbauen. Technologische Souveränität können Unternehmen erreichen, indem sie auf offene Standards setzen und so verhindern, dass sie in einen Lock-in geraten.

Datenstrategie in der Praxis

Der Aufbau einer tragfähigen Datenstrategie beginnt mit einer Bestandsaufnahme: Welche Daten liegen im Unternehmen vor, wo werden sie gespeichert, wer hat Zugriff darauf und wie geschäftskritisch sind sie? Im nächsten Schritt werden die Daten nach Wert, Sensibilität und rechtlichen Anforderungen klassifiziert. Anschließend sollten Unternehmen klare Governance-Regeln festlegen, beispielsweise zu Zugriffsrechten, Qualitätssicherung, Speicherorten und Aufbewahrungsfristen.

Zur Sicherung der Souveränität gehört auch die Definition von Portabilitäts- und Exit-Szenarien, damit die Daten jederzeit unabhängig von einem Provider genutzt werden können. Ein entscheidender Erfolgsfaktor ist die Integration offener Standards und Schnittstellen, um Interoperabilität zu gewährleisten. Schließlich muss die Strategie durch regelmäßige Überprüfung und Anpassung lebendig gehalten werden, da sich Geschäftsanforderungen, Technologien und Regulierungen kontinuierlich ändern. Unternehmen, die diese Schritte konsequent umsetzen, schaffen ein stabiles Fundament für eine souveräne und flexible Cloud-Strategie.

Vom Getriebenen zum Handelnden

Mit einer durchdachten Cloud- und Datenstrategie können Unternehmen die Rolle des passiven Cloud-Kunden verlassen und ihre digitale Infrastruktur aktiv gestalten. Sie gewinnen die Kontrolle über ihre Daten und Workloads zurück, reduzieren ihre Abhängigkeit von einzelnen Anbietern und stärken zugleich Compliance und Transparenz. Auf dieser Basis entsteht digitale Souveränität, die nicht nur für Sicherheit sorgt, sondern auch neue Freiräume für Innovation und Wachstum eröffnet.

Bild: plusserver

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