Interview mit Sven Euteneuer, SQS Software

Cloud und Mobility bedingen neue Fehlerquellen

Interview mit Sven Euteneuer, Senior Research Manager bei SQS Software Quality Systems AG über Veränderungen bei der Software-Entwicklung.

Sven Euteneuer, SQS Software

Sven Euteneuer, Senior Research Manager bei SQS Software Quality Systems AG

IT-DIRECTOR: Inwieweit verändern neue Technologien wie Cloud Computing oder Mobility die herkömmliche Software-Entwicklung?
S. Euteneuer: Entwicklungen wie Cloud oder Mobility schaffen zum einen neue Anforderungen an Software, die in herkömmlichen Projekten keine oder nur eine geringfügige Rolle gespielt haben. Eine mobile App muss zum Beispiel damit umgehen können, dass das Gerät häufig zwischen klassischem Mobilfunk, UMTS und WLAN wechselt und sich der Netzzugang entsprechend verändert. Andererseits schaffen diese Trends natürlich auch andere technologische Umfelder, die ein Umdenken in Bezug auf Technologien und Entwicklungs- und Testwerkzeuge bedingen.

IT-DIRECTOR: Welche neuen Fehlerquellen sind bei der Entwicklung von Individualsoftware für Anwenderunternehmen zu beachten – und welche altbekannten sind nach wie vor relevant?

S. Euteneuer: Die bereits genannten „neuen“ Anforderungen führen sicher auch zu neuen Fehlerquellen. Insbesondere im Bereich nichtfunktionaler Fehler, wie Probleme mit Sicherheit, Effizienz oder Gebrauchstauglichkeit, bedingen die Trends hin zu Cloud und Mobility neue Fehlerquellen. Dies bedeutet natürlich nicht, dass alte Bekannte – nämlich die funktionalen Fehler – keine Rolle mehr spielen würden!

IT-DIRECTOR: Welche Programmiersprache ist derzeit unter Software-Entwicklern besonders beliebt? Und warum ist das so?
S. Euteneuer: Hier ist es keine Frage der Beliebtheit von Sprachen, vielmehr diktieren die Technologiestacks häufig die zur Verfügung stehenden Programmiersprachen. In der mobilen Welt kann für ein iPhone oder iPad nur mit dem von Apple zur Verfügung gestellten Framework entwickelt werden, welches die Sprache Objective C vorschreibt. Da das eigentliche Coding aber sowieso nur ca. 20 Prozent der Aufwände in einem IT-Projekt ausmacht, ist es sowieso geboten, den Fokus auf die Auswahl des passendsten Technologiestacks zu legen.

IT-DIRECTOR: Mit welchen gängigen Methoden bzw. Modellen lässt sich die Qualität der Software-Entwicklung bewerten?
S. Euteneuer: In den letzten Jahren hat die Komplexität sowohl der umzusetzenden Anforderungen, aber auch der zur Verfügung stehenden Entwicklungsumgebungen massiv zugenommen. Wer hier erfolgreich bleiben will, muss auf ein systematisches Vorgehen, also eine hohe Prozessreife setzen. Dies bedeutet übrigens nicht, dass traditionelle Vorgehensmodelle wie V-Modell hier im Vorteil gegenüber moderneren Methoden wären; konsequent umgesetzte Agilität erzeugt eine reife, disziplinierte Softwareentwicklung.

IT-DIRECTOR: Gibt es Automatisierungs-Tools, mit denen sich die Qualität messen lässt? Wenn ja, welche? Und wie funktionieren diese?
S. Euteneuer: Vor wenigen Jahren erst erlebten Kennzahlensysteme – und damit der Glaube an die universelle Messbarkeit von Qualität – ihre Hochzeit, auf die nun eine gewisse Ernüchterung folgt. Es bleibt festzustellen, dass bestimmte Aspekte von Qualität, beispielsweise nichtfunktionale Eigenschaften wie Effizienz, noch recht erfolgversprechend automatisiert messbar gemacht werden können. Für funktionale Qualität gelingt dies allerdings nur noch punktuell und keine Messung kann gewährleisten, dass eine hohe „Quality in Use“, also die vom Benutzer festgestellte Qualität, folgt. Im schlimmsten Fall erfüllt die Software alle dokumentierten Anforderungen perfekt, wichtige Anforderungen des Nutzers sind aber nie erfasst worden.

IT-DIRECTOR: Was sollten Anwenderunternehmen, die ihre Software bei einem externen Dienstleister entwickeln lassen, hinsichtlich der Softwarequalität bei der Ausgestaltung der SLAs auf jeden Fall beachten?
S. Euteneuer: Ein Service Level Agreement ist nur so gut, wie seine Bestimmungen hinsichtlich Erfolg oder Misserfolg präzise sind. Entsprechend ist es imperativ, die zu erfüllenden Anforderungen – und damit die zu liefernde Qualität – für funktionale wie nichtfunktionale Anforderungen so präzise wie möglich zu formulieren. Denn ohne Ziel ist jeder (oder kein!) Weg der Richtige.

IT-DIRECTOR: Welche Auswirkungen hatte der schlimmste Ihnen bekannte Software-Entwicklungsfehler?

S. Euteneuer: „Schlimm“ ist in diesem Fall relativ – gehen wir von „schlimm“ für den Anbieter aus, können Softwarefehler gerade im Mobile Markt besonders verheerend sein. Gerade Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit zeigen, wie der Start eines neuen Produkts durch vermeintlich kleine Fehler so gestört werden kann, dass die Hersteller zusätzlich große Summen zum Halten der Kunden aufwenden müssen. Mangelnde Softwarequalität kann hier also offenkundig schnell zu erheblichen Umsatzeinbußen und zusätzlichen Kosten führen.

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