Uwe Scariot, Geschäftsbereichsleiter bei der Materna GmbH
Cloud Computing bietet der IT-Abteilung die Chance, die eigenen Angebote zu erweitern und gleichzeitig die Prozesse zu vereinfachen. Voraussetzung ist eine automatisierte und standardisierte Leistungserbringung, die interne und externe Services geschickt zusammensetzt. Doch wie lassen sich solche Angebote entwickeln?
Zunächst sollte auf der strategische Ebene damit begonnen werden, die eigenen Leistungen in einem Servicekatalog zusammenzufassen. Dieser Katalog bietet den Kunden Details zum Leistungsumfang, den Kosten sowie den jeweiligen Qualitätsausprägungen, so dass dieser die benötigten IT-Services eigenständig auswählen und bestellen kann. Dank modernen Portaltechnologien kann mit Hilfe von Self Services mit wenigen Mausklicks die automatisierte Bereitstellung dieser Leistungen ausgelöst werden.
Diese Vorgehensweise hört sich zunächst einfach an. In den Unternehmen sind jedoch vielfach die Voraussetzungen noch nicht geschaffen, um einen Servicekatalog mit automatisierter Bereitstellung anzubieten. So ist beispielsweise nicht definiert, wie die IT-Abteilung überprüft, ob ihre Leistung entsprechend den Vertragsbedingungen erbracht wird. Die Unternehmen sind also gefragt, ihre Angebote zunächst zu standardisieren, das Servicemodell aufzustellen und den Reifegrad des Servicekatalogs kontinuierlich zu verbessern.
Darüber hinaus sollte ein Katalog die anfallenden Kosten der IT-Leistungserbringung kalkulieren und beziffern. Zwar wird meist ein Preis für das jeweilige Produkt ausgewiesen, jedoch wird in der Praxis selten geprüft, ob die IT-Abteilung diese Leistung auch zu dem ausgeschriebenen Preis erbringen konnte. Während Hardwarekosten noch einfach zu ermitteln sind, scheitert es vielfach an der Kalkulation der Gesamtkosten für die Service-Erbringung. Kommen dann noch Skalierungseffekte hinzu, etwa durch Nutzung virtueller Systeme auf der gleichen physikalischen Umgebung, wird eine solche Kalkulation rasch sehr komplex. Abhilfe schafft hier eine ganzheitliche Sicht auf die IT-Prozesse. Innerhalb eines IT-Servicelebenszyklus werden Abläufe von Design über Entwurf bis zum Betrieb betrachtet und kontinuierlich weiterentwickelt. Diese Schritte sind Voraussetzung, um beispielsweise Cloud-Services als Ergänzung zu intern erbrachten Leistungen zu integrieren.
Schließlich schafft eine individuell entwickelte Sourcing-Strategie die passenden Lösungsansätze für die Steuerung der externen und internen Leistungserbringung. Dedizierte Leistungen können von spezialisierten externen Anbietern aus der Cloud meist günstiger und in höherer Qualität erbracht werden, als es mit internen Ressourcen möglich wäre – hier wird also prinzipiell der klassische Outsourcing-Ansatz auf die Cloud übertragen. Gleichzeitig steigt hierbei auch die Planungssicherheit für das eigene IT-Budget, da klar definierte IT-Dienste zu nutzungsabhängigen Preisen bezogen werden.
Dennoch gibt es zu dieser Art des Leistungsbezugs immer noch Vorbehalte, wie eine Trendbefragung von Materna im Jahr 2011 zeigte. Wer standardisierte IT-Services unter Einbeziehung externer Lieferanten etablieren möchte, sollte zunächst die internen Hausaufgaben erledigen und seine Abläufe stärker standardisieren und automatisieren.
Anschließend können IT-Verantwortliche mit einer neu aufgesetzten Sourcing-Strategie die bestehenden internen Leistungen gezielt über externe Services ergänzen. Das Ergebnis ist eine hybride Infrastruktur aus intern erbrachten IT-Services sowie extern aus der Cloud bezogenen Leistungen. Die IT-Experten werden so mehr und mehr zu Dirigenten, die die Vielzahl von Diensten und externen Cloud-Anbietern steuern und überwachen. Willkommen in der neuen Welt des Cloud Computing.