Gunnar Klauberg: „Der Trend geht klar in Richtung Cloud-Lösung. Für CMS- und DAM-Systeme ist Lift-and-Shift ein üblicher Start in die Cloud-Migration!“
ITD: Welche Migrationsstrategie passt – abhängig von der Workload, der Art Applikation selbst und dem Nutzerverhalten?
Gunnar Klauberg: Eine Migrationsstrategie ist vor allem dann erfolgreich, wenn alles wie in der ursprünglichen Umgebung funktioniert, aber mit der gewünschten Leistungssteigerung on top. Umso wichtiger ist es, sich die Ausgangslage genau anzuschauen. Nehmen wir z. B. Digital-Asset- und Content-Management-Systeme. Hinsichtlich Erstellung und Auslieferung richten sich diese DAM- und CMS-Applikationen an ein Zielpublikum überwiegend außerhalb der Unternehmens-IT. Bereits vor der Homeoffice-Welle war die Zulieferung von Videos, RAW-Bildern und 3D-Objekten eine externe Schnittstelle. Heute verwalten Unternehmen ihre „Customer Journeys“, den Commerce und ihre Markenkommunikation ohnehin vermehrt „von draußen für draußen“.
ITD: Wann passt Re-Hosting, also der 1:1-Umzug, ohne die Applikation zu verändern?
Klauberg: Das ist für CMS und DAM ein üblicher Start in die Migration. Dabei ist zu bedenken, dass es für alle wichtigen Lösungen auch Managed-Hosting gibt, entweder vom Hersteller selbst oder auch von Hosting-Anbietern. Hier muss man sich entscheiden, von wem man welchen SLA will und wie weit dieser reichen soll.
ITD: Unter welchen Umständen passt Re-Platforming?
Klauberg: Wenn sich CMS oder DAM nicht aus dem alten Modell der jährlichen Zulieferung heraus entwickelt hat, endet die Cloud-Strategie meist genau hier. Die Medienauslieferung bietet an diesem Punkt ein spannendes Optimierungspotenzial: DAM-Systeme sollten Videos oder Bilder ans Publikum ausliefern können und entsprechende Auflösungs- und Bandbreitenoptimierungen vornehmen. Das entlastet die Apps, Websites und Commerce-Systeme nicht nur, sondern verbessert auch das SEO und die Kundenzufriedenheit.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 9/2021. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
ITD: Re-Architecting gilt als die Königsdisziplin, weil das bedeutet, die Applikation in Cloud-native Microservices zu schneiden. Zu Recht? Und wie geht man dabei vor?
Klauberg: Beim Re-Archtitecting gilt es sicherzustellen, dass die Cloud-native-Fähigkeiten auch genutzt werden. Will ich wirklich generische Dienste und Bausteine in eigener Verantwortung pflegen? Gibt es Frontend-Pipelines? Microservices und „Serverless Functions“ bieten Automatisierungschancen, z. B. um mit Image-Processing den hohen Bedarf an spezifischem Content für die zielgerichtete Kundenansprache zu decken. Ist man es noch nicht gewohnt, mit SaaS- bzw. PaaS-Zulieferungen im Wochen- oder Tagesrhythmus zu rechnen, wird das vermutlich die größte Änderung sein.
ITD: Wann bleibt nur das kostspielige Re-Build?
Klauberg: Gerade bei Enterprise-Software ergeben sich durch flexiblere Betriebsmodelle und Dienste große Chancen, sodass sich viele Kunde von großen Eigenentwicklungsanteilen trennen. Beide Ebenen, Technologie wie Markt, entwickeln sich rasant. Wenn Technologiepflege angesichts dieser Dynamik nicht mit den Fachanforderungen mithalten kann, ist es an der Zeit, diese zu ersetzen.
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