Winfried Holz, Atos

Dabei sein ist nicht alles

Interview mit Winfried Holz, Chief Executive Officer bei Atos Deutschland, über die Notwendigkeit offener Standards beim Cloud Computing und die Herausforderungen beim IT-Betrieb für die Olympischen Sommerspiele in London

  • Winfried Holz, Atos

    Winfried Holz ist Chief Executive Officer bei Atos Deutschland.

  • Winfried Holz ist Chief Executive Officer bei Atos Deutschland.

  • Winfried Holz ist Chief Executive Officer bei Atos Deutschland.

  • Winfried Holz ist Chief Executive Officer bei Atos Deutschland.

  • Winfried Holz ist Chief Executive Officer bei Atos Deutschland.

Nach Abschluss der Übernahme von Siemens IT Solution and Services (SIS) firmiert die ehemalige Atos Origin seit dem 1. Juli 2011 als Atos Deutschland. Die Integration der beiden Unternehmen ist abgeschlossen und die Transformation ist in vollem Gange. So konsolidiert man im Moment diverse Rechenzentrumsstandorte und kanalisiert das Know-how der Mitarbeiter, um Skaleneffekte für die Kunden zu erreichen. Dass dieses Konzept aufgeht, zeigen die im April veröffentlichten Zahlen für das erste Quartal 2012: Im zweiten Quartal in Folge konnte man ein Wachstum aufweisen, das allein in Deutschland sechs Prozent betrug. Laut Deutschland-Chef Winfried Holz ist man hierzulande das zweitgrößte IT-Serviceunternehmen hinter T-Systems und strebt mittelfristig die Marktführerschaft an. Hierzu setzt der Anbieter nicht nur auf klassische IT-Themen, sondern konzentriert sich zunehmend auch auf das Cloud Computing.

IT-DIRECTOR: Herr Holz, welchen Stellenwert besitzt Cloud Computing für Ihr Unternehmen?
W. Holz:
Derzeit stellen die ersten Umsätze mit Cloud-Projekten noch eine Kannibalisierung des traditionellen IT-Geschäfts dar, da die Kunden die Einführung von Cloud-Services zu Lasten klassischer IT-Technologien vorantreiben. Diese Technologien sind aber extrem wichtig für unsere zukünftige Ausrichtung, bis 2015 wird Atos weltweit einen signifikaten Anteil des Umsatzes mit Cloud-Services machen.

IT-DIRECTOR: Wie gehen Sie Cloud-Projekte an?
W. Holz:
Im ersten Schritt übernehmen wir die Beratung der Kunden, im Anschluss daran begleiten wir das Auswahlverfahren und setzen schließlich die Einführung sowie den Betrieb der Cloud-Lösung um. Insbesondere bei der Beratung zeigen wir auf, welcher Weg in die Cloud am sinnvollsten ist. Als besonders wichtig erweist sich dabei die Erarbeitung entsprechender Migrationskonzepte, um den Kunden einen schrittweisen Einstieg in das Cloud-Thema zu ermöglichen.

IT-DIRECTOR: Wie kann man bestehende Mainframe- bzw. Legacy-Systeme in eine Cloud-Umgebung integrieren?
W. Holz:
Diese Herausforderung lässt sich vor allem durch den Einsatz von Private-Cloud-Modellen meistern. Deshalb werden sich mittelfristig sicherlich kundenspezifische, also private Cloud-Umgebungen durchsetzen.

IT-DIRECTOR: Wie definieren Sie eine Private Cloud?
W. Holz:
Wir setzen auf den gängigen Definitionsbegriff. Dieser besagt, dass eine kundenspezifische IT-Umgebung virtualisiert in einer Wolke vorgehalten wird. Dabei kann die Cloud sowohl im Rechenzentrum des Kunden als auch im Data Center eines Dienstleisters liegen. Bei einer Public Cloud werden die IT-Ressourcen extern, von irgendwoher bezogen. Hier weiß der Anwender nicht genau, in welchem Rechenzentrum seine Applikation gerade betrieben wird.

Bei der Bereitstellung von Managed Services nutzt man private Cloud-Technologien bereits seit längerem. Von daher handelt es sich bei Cloud Computing um keine revolutionäre als vielmehr um eine evolutionäre Entwicklung. Grundsätzlich verbirgt sich hinter dem Begriff Cloud Computing die Weiterentwicklung einer flexiblen Bereitstellung von IT-Infrastruktur – in der Regel durch Virtualisierung. Heute spricht man von Infrastructure as a Service, früher lautete das Schlagwort „IT on Demand“. Man nutzt die Virtualisierung, um Rechenkapazitäten optimiert vorzuhalten und den Kunden eine Abrechnung im Pay-per-Use-Modell zu bieten. Und die Anwender selbst müssen keine festen Assets mehr vorhalten.

IT-DIRECTOR: Cloud Computing ist also an sich nichts Neues?
W. Holz:
Auf der Infrastrukturebene eher weniger, allerdings sehe ich beim Thema Software as a Service, kurz SaaS, eine revolutionäre Entwicklung. Denn solche Cloud-Services eröffnen Anbietern wie Anwendern ganz neue Perspektiven. So bieten wir seit kurzem einen Application Store, in dem unsere Partner ihre Anwendungen im Pay-per-Use-Modell anbieten können.

IT-DIRECTOR: Es werden sich aber sicherlich nicht alle Applikationen in solchen Appstores finden lassen – man denke nur an mächtige ERP-Systeme ...
W. Holz:
Generell spricht nichts dagegen, warum nicht auch ERP-Systeme aus der Cloud geliefert werden können. Die heutige Legacy-Welt wird sich zunehmend auflösen und an deren Stelle moderne Cloud-Strukturen treten. Ein Beispiel: Wir bringen derzeit das Product-Lifecycle-Management-System (PLM) Teamcenter von Siemens in den Application Store, um damit via Cloud auch produktions- und entwicklungsrelevante Themen abzudecken.

IT-DIRECTOR: Siemens ist ein gutes Stichwort. Inwieweit haben Sie das Angebot der im vergangenen Jahr übernommen Siemens IT Solutions and Services (SIS) in Ihre Cloud-Strategie eingebunden?
W. Holz:
Mit der SIS-Übernahme verfolgten wir mehrere Ziele. Zum einen wollten wir exzellentes technologisches Know-how hinzugewinnen, zum anderen zum führenden europäischen IT-Serviceanbieter aufsteigen. Dass uns dies mittlerweile gelungen ist, zeigt die kürzlich geschlossene Allianz mit den Branchengrößen EMC und VMware. Als vormalige Atos Origin hätten wir eine solche Kooperation wahrscheinlich nicht realisieren können, da wir damals mit internationalen Cloud-Pionieren noch nicht auf Augenhöhe agieren konnten.

Im Rahmen unseres Kooperationsabkommens wollen wir mit EMC und VMware technologisch sehr intensiv zusammenarbeiten. Darüber hinaus haben wir gemeinsam das Unternehmen Canopy mit Sitz in London gegründet.

IT-DIRECTOR: Welche Ziele verfolgen Sie mit dieser Neugründung?
W. Holz:
Das Joint Venture Canopy nahm im April ihren Geschäftsbetrieb auf. Atos hält an dieser Organisation die Mehrheitsrechte, EMC und VMware besitzen jeweils Beteiligungen. Für beide Anbieter ist es die erste Beteiligung an einem reinen Serviceunternehmen, was den hohen strategischen Stellenwert der Unternehmung unterstreicht.

Das Ziel der neuen Gesellschaft ist es, den Kunden ein End-to-End-Angebot für Cloud Computing zur Verfügung zu stellen. Die Ressourcen hierfür stammen aus den jeweiligen Mutterunternehmen: Atos übernimmt das gesamte Consulting, EMC und VMware liefern die zur Umsetzung benötigten Technologien. Dabei handelt es sicht stets um die Etablierung einer offenen Cloud: Entscheidet sich ein Kunde für Canopy, erhält er die Möglichkeit, auch andere Technologien außerhalb des EMC-/VMware-Spektrums anzubinden. Wir agieren somit viel offener als es beispielsweise US-amerikanische Cloud-Anbieter tun, die stets ihre eigene Hard- und Software in den Vordergrund stellen.

IT-DIRECTOR: Handelt es sich um eine exklusive Partnerschaft oder können weitere Anbieter hinzustoßen?
W. Holz:
Der von Canopy angebotene Application Store ist per definitionem offen für jegliche Anbieter, auch für kleinere Softwarehäuser. Die ersten angebotenen Apps werden unter anderem die erwähnte PLM-Lösung Teamcenter sowie die ERP und CRM-Systeme des chinesischen Anbieters Ufida sein, welches somit erstmals in Europa verfügbar ist.

Hinsichtlich der angebotenen Cloud-Technologien werden wir uns vorrangig auf EMC und VMware konzentrieren, wobei hardwareseitig die Modelle verschiedenster Hersteller – von Fujitsu über HP bis hin zu IBM – zum Einsatz kommen.

IT-DIRECTOR: Wie werden die Services in Ihrem Application Store abgerechnet?
W. Holz:
Jeder Partner rechnet die Lizenzkosten direkt mit seinem SaaS-Kunden ab. Wir stellen den Partnern die Technologie zur Verfügung, damit sie ihr eigenes „Pay per Use“-Geschäftsmodell betreiben können. Für diese Bereitstellung erheben wir jeweils eine Transaktionsgebühr.

IT-DIRECTOR: Wer bezieht die Apps von Ihrer Plattform? Sind dies eher die Fachabteilungen, die damit ihre eigene IT-Abteilung umgehen?
W. Holz:
Es gibt seit längerem Fachabteilungen, die an der IT-Abteilung vorbei Softwaresysteme installieren. Über diesen Weg gelangten in der Vergangenheit vielfach CRM-Systeme wie Salesforce.com in die Unternehmen. Von daher werden auch künftig einzelne Geschäftsbereiche direkt auf unsere App-Plattform zugreifen. Um einen Wildwuchs an Softwareapplikationen einzudämmen, muss die IT der Anwenderfirmen eine stärkere Governance- und Koordinationsfunktion als bisher einnehmen – allein schon aus Sicherheitsgründen.

IT-DIRECTOR: Warum wollen Sie mit Canopy insbesondere Interoperabilität im Cloud Computing vorantreiben?
W. Holz:
Weil wir uns davon einen großen Wettbewerbsvorteil versprechen. Derzeit existieren noch kaum Standardisierungen im Cloud Computing, was viele Kunden verunsichert. Deshalb engagiert sich Atos hierzulande aktiv beim Bitkom, der solche Standardisierungsbemühungen vorantreibt.

IT-DIRECTOR: Welche Standards könnten dies sein?
W. Holz:
Datenformate oder Applikationsschnittstellen, mit denen man beim Software as a Service eine offene Datenübergabe realisieren kann. Wichtig ist dies unter anderem für die Betreiber von Applikationsplattformen.

IT-DIRECTOR: Könnte es auch Standards für Service Level Agreements geben?
W. Holz:
Hier greifen die jeweiligen Geschäftsmodelle der Cloud-Anbieter, durch die der Anwender ein hohes Maß an Flexibilität gewinnen soll und von daher keine langfristigen Verträge abschließen muss. Mit der Zeit werden sich sicherlich auch bei den Service Level Agreements gewisse Standards durchsetzen, womit dann die Kunden Cloud-Angebote besser vergleichen können.

Unser Forschungsinstitut in Paderborn arbeitet derzeit gemeinsam mit Anwendern wie der Berliner Charité an dem Forschungsprojekt „EasyCloud“. Hierbei erarbeiten alle Beteiligten gemeinsam eine feste Definition von Service Levels.

IT-DIRECTOR: Wie ist es um Standards bei der Sicherheit bzw. beim Datenschutz bestellt?
W. Holz:
Für Serviceanbieter wie uns ist es wichtig, dass wir nicht vom US-amerikanischen Patriot Act betroffen sind. Allerdings bin ich überrascht, dass dieses Gesetz gerade im Moment so hohe Wellen am deutschen Markt schlägt.

IT-DIRECTOR: Warum?
W. Holz:
Bereits seit seinem Erlass vor über elf Jahren betrifft der Patriot Act Outsourcing-Projekte in den USA oder mit US-amerikanischen Anbietern. Aber erst durch die aktuelle Sicherheitsdiskussion rund um das Thema Cloud Computing wurden die Verantwortlichen hierfür sensibilisiert. Denn niemand möchte, dass Externe ohne Zustimmung auf die eigenen Firmendaten zugreifen können.

IT-DIRECTOR: Können Sie garantieren, dass die Daten Ihrer Kunden in Deutschland bzw. im EU-Ausland sicher vorgehalten werden?
W. Holz:
Ja, und auch, dass kein externer Zugriff darauf möglich ist. Canopy ist eine europäische Firma und wir agieren als Mehrheitseigentümer, von daher greift der Patriot Act bei unseren Kundenprojekten nicht. Zudem besitzt die Sicherheit der IT-Landschaft unserer Kunden für uns den höchsten Stellenwert. Deshalb fließt in unsere Anwendungen und Services rund um Cloud Computing auch das Sicherheits-Know-how ein, das wir durch unsere langjährige Arbeit für die Olympischen Spiele gewonnen haben.

IT-DIRECTOR: Sie fungieren bereits seit 2002 als IT-Partner der Olympischen Spiele. Welche Hauptaufgaben übernehmen Sie dabei?
W. Holz:
Wir stellen alle benötigten Applikationen bereit und übernehmen deren Realtime-Integration. So garantieren wir etwa im Rahmen der Zeit- und Weitenmessung, dass alle gemessenen Werte bzw. Platzierungen der Athleten innerhalb von 0,3 Sekunden an die TV-Center, Journalisten und auf die Anzeigetafeln im Stadion übertragen werden.

Desweiteren übernehmen wir die Integration aller beteiligten Partnerlösungen. Bei den diesjährigen Olympischen Spielen in London zählen dazu etwa die Telekommunikationsservices von British Telecom, die Netzwerkhardware von Cisco Systems sowie die von Acer zur Verfügung gestellten PCs und Server. Wir integrieren alle Komponenten in einer Gesamtlösung und betreiben diese als klassischer Outsourcer. Allein in London werden rund 3.500 Mitarbeiter von uns bzw. der beteiligten Partner für einen reibungslosen ITK-Betrieb sorgen.

IT-DIRECTOR: Welche weiteren Themen betreuen Sie für Olympia?
W. Holz:
Wir stellen den Betrieb aller offiziellen Webseiten des IOC sicher, integrieren über spezifische Schnittstellen die Eintrittskartensysteme und übernehmen die Akkreditierung der Athleten. Hierzu gab es bei den Winterspielen 2010 im kanadischen Vancouver eine Neuheit: Sie galten als „grüne“ Spiele, bei denen die gesamte Akkreditierung erstmals ohne Papier ablief.

IT-DIRECTOR: Bauen Sie für alle Spiele vor Ort ein eigenes Rechenzentrum?
W. Holz:
Wir errichten sogar immer zwei Rechenzentren – eines für den operativen Betrieb und das andere für das Backup. Aus Sicherheitsgründen erfährt kein Außenstehender, wo genau sich diese befinden.

Die größte und schwierigste Veranstaltung, die wir bislang betreuten, waren die Olympischen Sommerspiele in Peking im Jahr 2008. Als eines der wichtigsten Themen kristallisierte sich hierbei die Sicherheit heraus: Während der Spiele gab es über 200 Millionen sicherheitsrelevante Ereignisse. Denn Olympische Spiele sind sozusagen das El Dorado eines jeden Hacker, da die weltweite mediale Aufmerksamkeit enorm groß ist. Aufgrund der erfolgreichen Umsetzung in Peking verlängerte das IOC unseren Vertrag bis mindestens zur Sommerolympiade in Rio de Janeiro im Jahr 2016.

IT-DIRECTOR: Wie lange im Voraus bereiten Sie sich auf die Spiele vor?
W. Holz:
Unsere Planung beginnt unmittelbar nach der Vergabe der Spiele an eine bestimmte Stadt bzw. Region. Die ersten physischen Installationen starten dann zwei Jahre vor der eigentlichen Veranstaltung. So bauen unsere Teams im kaukasischen Sotschi bereits die ersten IT-Systeme für die Winterspiele 2014 auf. Rund ein halbes Jahr vor dem eigentlichen Event starten zudem äußerst umfangreich angelegte Testläufe.

IT-DIRECTOR: Neben den Vorbereitungen für Olympia machte Ihr Unternehmen zuletzt vor allem mit dem Projekt „Zero E-Mail“ Schlagzeilen. Was steckt dahinter?
W. Holz:
Wir wollen künftig auf den Versand interner E-Mails verzichten. E-Mails, die uns Kunden oder Partner zusenden, werden wir natürlich weiterhin per Mail antworten. Aber auch hier sehen wir eine Entwicklung hin zum Einsatz neuer Kommunikationsmittel.

IT-DIRECTOR: Was gab den Ausschlag für diese Direktive?
W. Holz:
Zum einen die immense interne E-Mail-Flut, zum anderen die Einsicht, dass man auf moderne Kommunikationsformen setzen muss, wenn man heutzutage qualifizierte junge Fachkräfte für das eigene Unternehmen gewinnen will. Denn an den Hochschulen nutzen die Studierenden mittlerweile kaum noch E-Mails, sondern kommunizieren ausschließlich über soziale Netzwerke wie Facebook. Von daher beschloss unser CEO Thierry Breton im Februar 2011 offiziell, dass die Atos-Mitarbeiter künftig ohne interne E-Mails arbeiten werden.

IT-DIRECTOR: Wie kommunizieren Sie stattdessen?
W. Holz:
Das Vorgehen basiert auf mehreren Schritten: Einerseits treiben wir die Sensibilisierung unsere Mitarbeiter hinsichtlich eines bewussteren Umgangs mit E-Mails voran. Sie sollen darüber nachdenken, wem sie eine E-Mail schicken und wem nicht. Denn es bringt oftmals nichts, in einer internen E-Mail zwanzig Mitarbeiter auf CC zu setzen.

Andererseits stehen unsere Workflowprozesse auf dem Prüfstand, da diese häufig den Versand interner Mails nach sich ziehen – etwa bei der Planung einer Geschäftsreise, bei der man die Buchungsbestätigung per Mail erhält. Speziell für solche Vorgänge werden wir ein Dashboard einführen, über welches der Mitarbeiter für ihn bestimmte Informationen direkt angezeigt bekommt. Daraufhin rollen wir im nächsten Schritt sogenannte „Enterprise Social Networks“-Softwaretools aus. Diese erlauben uns eine effizientere Gestaltung der internen Kommunikation – ohne E-Mails.

IT-DIRECTOR: Welche Vorteile versprechen Sie sich von dieser Vorhehensweise?
W. Holz:
Warum existiert heute in kaum einem Unternehmen ein effektives Knowledge-Management, obwohl es die geeigneten Tools und Plattformen dafür seit langem gibt? Die Herausforderung lautet an dieser Stelle: Man muss das Wissen der Mitarbeiter und alles, was in einem Unternehmen dokumentiert vorliegt, zusammenbringen. Soziale Netzwerke können hierbei als kollaborative Plattformen fungieren und die Brücke von der Technologie über das menschliche Verhalten bis hin zu einem funktionierenden Wissensmanagement schlagen. Von daher planen wir den Einsatz von Unternehmens-Wikis und Blogs einzelner Mitarbeiter, die ihr Fachwissen gebündelt für alle Kollegen bereitstellen können.

Nicht zuletzt entwickeln wir die neuen Mitarbeiter-Dashboards und Social-Media-Tools auch für mobile Clients. Früher erhielten meist nur die Topmanager oder die Vertriebsmitarbeiter einen Blackberry. Solche Hierarchien lassen sich nicht länger aufrechterhalten und Themen wie Mobility und Home Office wirken sich längst auf die gängigen Arbeitsplatzmodelle aus.

IT-DIRECTOR: Müssen Sie diese Maßnahmen mit dem Betriebsrat abstimmen?
W. Holz:
Die Abstimmungen befinden sich derzeit in vollem Gange. Die Gefahr beziehungsweise der Fluch dieser modernen Kommunikationsform liegt darin, ständig erreichbar und damit stets arbeitsfähig zu sein. Diesbezüglich müssen wir gemeinsam mit unserem Betriebsrat eine unternehmensweite Regelung finden.


Winfried Holz
Alter: 54 Jahre
Werdegang: Der studierte Wirtschaftsingenieur begann seine Karriere 1984 bei der Siemens AG in Berlin und übernahm mit der Zeit eine Reihe von Führungspositionen, u.a. als Vice President von Siemens Nixdorf Informationssysteme. 1998 erwarb Winfried Holz den Master of Science in Management im Sloan Fellow Program der MIT Sloan School of Management. Von 2001 bis 2006 verantwortete er das weltweite IT-Lösungsgeschäft von Siemens Business Services; im Mai 2006 wurde er Geschäftsführer der Fujitsu Services GmbH. Von November 2008 bis Juli 2011 verantwortete Winfried Holz das Geschäft von Atos Origin in der Region Deutschland und CEMA.
Derzeitige Position: seit Juli 2011 CEO von Atos Deutschland
Hobbys: Schach, Tennis, Fußball

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