Bernd Loskamp, Syncsort

Das Big-Data-Zeitalter

Interview mit Bernd Loskamp, Vice President EMEA bei Syncsort, darüber, warum europäische Unternehmen besser auf das Big-Data-Zeitalter vorbereitet sind als amerikanische.

Bernd Loskamp, Syncsort

Bernd Loskamp, Vice President EMEA bei Syncsort

IT-DIRECTOR: Herr Loskamp, wann hat ein ­Unternehmen ein Big-Data-Problem?
B. Loskamp:
Wenn die Daten-Management-Tools nicht ausreichen, die Daten in angemessener Geschwindigkeit zu verarbeiten, zu analysieren und zu speichern. Dabei spielt es keine Rolle, um was für Daten es sich handelt. Und ebenfalls nicht, ob es um fünf Mitarbeiter und zehn Terabyte oder um 500 und ein Petabyte geht. Nutzt das Unternehmen Daten aus verschiedenen Quellen, um eine Art von Muster oder Beziehung zwischen diesen Daten zu finden und daraus neue Erkenntnisse zu gewinnen? Kostet es das IT-Team mehr als drei Monate, eine neue Datenquelle in die Recherche einzubeziehen und ansprechende Ergebnisse zu erzielen? Falls ja, stehen die Chancen gut, dass man es mit Big Data zu tun hat.

IT-DIRECTOR: Seit wann existiert denn das Problem?
B. Loskamp:
Trotz des aktuellen Hypes handelt sich hierbei nicht um ein neues Phänomen. Wir unterstützen viele unserer Kunden bereits seit Jahrzehnten bei der Verarbeitung großer Datenvolumina. Allerdings konnte eine IBM 3380 aus den 80er-Jahren gerade mal 2,5 Gigabyte speichern, war so groß wie ein Schrank und kostete rund 140.000 Dollar. Heute dagegen schlagen sich unsere Kunden mit Tera- und Petabytes herum.

IT-DIRECTOR: Wo liegt dann der Unterschied?
B. Loskamp:
Zum einen in der Komplexität – also den schier endlosen Analysemöglichkeiten. Zum anderen wächst die Datenmenge inzwischen etwa alle zwei Jahre um das Doppelte, so dass selbst die immer günstigere Hardware keine Entlastung mehr bringt. Aber auch wenn die Komplexität gestiegen ist, profitieren wir als Anbieter von den Erfahrungen aus der Vergangenheit, als wir mit Mainframes gearbeitet haben und Speicher und Rechenkapazität extrem rar und kostbar waren. Unser Datenintegrationstool zum Beispiel nutzt grundsätzlich nur 15 Prozent des verfügbaren Speichers, ganz gleich auf welcher Plattform.

IT-DIRECTOR: Sind wir, was Big Data angeht, in Deutschland genauso weit wie in den USA?
B. Loskamp:
Sogar weiter. Nehmen Sie etwa die Vorschriften für Unternehmen und Behörden – in den USA hat man es meist mit nur einem Markt zu tun, in Deutschland dagegen mit der EU und ihren 27 Mitgliedsstaaten. Mit unterschiedlichen Sprachen, Währungen, Gesetzen, Regierungssystemen etc. Von daher sind europäische Unternehmen eigentlich besser auf das Big-Data-Zeitalter vorbereitet als amerikanische. Das heißt allerdings nicht, dass sie ihre Möglichkeiten auch besser nutzen.

IT-DIRECTOR: Wo liegen die größten Praxisprobleme?
B. Loskamp:
Zunächst stehen mehr Daten zur Verfügung, zum Beispiel beim Onlinebanking. Dieses bietet die Chance, die Kundenhistorie detaillierter zu analysieren, um einzelnen Kundengruppen speziell auf sie zugeschnittene Produkte anzubieten. Diese zusätzlichen Analysen kosten jedoch Zeit und Ressourcen, die das IT-Personal und die Systeme irgendwann überlasten. Traditionelle Datenbanken sind der Komplexität der Anforderungen meist nicht mehr gewachsen. Noch größere Schwierigkeiten bereitet die enorme Menge an unstrukturierten Daten, die den meisten Analysen zugrunde liegen. Hier gilt es zunächst, die relevanten Daten zu identifizieren, zu sortieren und dann in eine strukturiertere Umgebung zu überführen.

IT-DIRECTOR: Wie kann man diese Probleme beheben?
B. Loskamp:
Unternehmen müssen ihre Daten schneller bearbeiten, integrieren und analysieren – ohne dabei die Kosten aus den Augen zu verlieren. Wir bemerken ein großes Interesse für Lösungen wie Hadoop, die effizientere Wege für das verteilte Rechnen auf verclusterten Computern bieten. Kombiniert man eine solche Anwendung mit einem ETL-Tool wie Syncsort DMExpress, kann man die Performance- und die Rechengeschwindigkeit nochmals beschleunigen.

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