Smart Metering

Das Internet der Energie kommt

Bald sollen zwei Drittel aller Haushalte digitale intelligente Stromzähler erhalten. Das Internet of Things wird damit zuerst im Stromnetz Wirklichkeit.

Wird bald ausgetauscht: Mechanischer Stromzähler

Bis 2020 sollen mindestens 80 Prozent aller Haushalte mit einem intelligenten Stromzähler ausgestattet sein - fordert die EU. Bedingung ist eine positive Kosten-Nutzen-Analyse für das gewählte System. Und genau so etwas hat jetzt das Bundeswirtschaftsministerium vorgelegt. Die Studie geht allerdings weiter als die Vorgaben der EU und prüft nicht nur einen digitalen Zähler, sondern zusätzlich ein universelles Zugangsgerät für das Smart Grad (Smart Meter Gateway).

Diese Geräte sollen künftig mit Anbietern innovativer Energiedienste verschlüsselt kommunizieren können. Das Gateway wird also das Zugangsgerät zu einem Internet der Energie und muss höchste Sicherheits- und Datenschutzstandards erfüllen. Die entsprechenden Technischen Richtlinien exisitieren bereits und beschreiben detaillierte technische Mindestanforderungen an intelligente Messsysteme sowie technische und organisatorische Anforderungen an deren Betrieb.

Die Autoren der BMWi-Studie empfehlen, dass bis 2022 zwei Drittel aller deutschen Haushalte mit neuen Zählern ausgestattet werden. Dabei sollten 20 Millionen Haushalte intelligente Stromzähler ohne Kommunikationsmöglichkeiten nach außen erhalten; nur 12 Millionen bekommen ein Smart Meter Gateway. Dieses Szenario brächte einen volkswirtschaftlichen Nutzen von bis zu 13 Milliarden Euro über die nächsten 20 Jahre verteilt.

Die Studie empfiehlt bei der Kosten-Nutzen-Abwägung folgendes Szenario: Beim nächsten turnusgemäßen Austausch des Stromzählers sollen statt mechanischer die modernen digitalen Zähler eingebaut werden. Sie gehören aber nicht zum “Internet der Energie”, denn ein Mitarbeiter des Energieversorgers muss hier weiterhin zum Ablesen kommen.

Das Smart Meter Gateway wird nur in Haushalten mit einem Verbrauch von über 6.000 kWh pro Jahr eingebaut, außerdem in Neubauten, Häusern nach Renovierungen sowie bei den meisten Betreibern von so genannten EEG-Anlagen. Das sind Netznutzer, die selbst Energie produzieren – meist per Solarzellen oder Windkraft.

Ein umfassender Ausbau ausschließlich mit Smart Meter Gateways wäre laut Studie zwar volkswirtschaftlich sinnvoller, wird allerdings aus politischen Gründen nicht empfohlen. Der IT-Branchenverband Bitkom weist allerdings darauf hin, dass durch vollständige Vernetzung und Digitalisierung mit Smart Grids rund 9 Milliarden Euro jährlich eingespart werden können. Das hatte eine Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung im Auftrag des BITKOM zu Intelligenten Netzen ergeben.

“Mit der Veröffentlichung der BMWi-Studie kann auch in Deutschland endlich der Aufbau eines intelligenten Stromnetzes starten“, sagt Felix Dembski, Bitkom-Experte für Smart Grids. „Allerdings würde das empfohlene langsame Ausbau-Szenario viele volkswirtschaftliche Chancen des intelligenten Stromnetzes zumindest verzögern.“

“Je schneller die Vernetzung aller Beteiligten im Energie-Sektor vorankommt, umso eher und erfolgreicher werden neue Energie-Services angeboten“, sagt Dembski. Die Messsysteme bilden die Basis für die Vernetzung und Steuerung von Stromerzeugern, Speichern, elektrischen Verbrauchsgeräten und neuen Dienstleistungsangeboten. Nur mit Vernetzung könne das Stromnetz mit seinem künftig hohen Anteil an schwankenden Erneuerbaren Energien stabil und bezahlbar bleiben.

Bildquelle: Cisco Ripac  / pixelio.de

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