„Daten sind heute aktiver als je zuvor – sie sind sozusagen lebendiger", sagt Richard Zirkel von Quantum.
„Wir fangen an, uns in verschiedene KI-Dienste zu integrieren und verschiedene KI-Techniken zu verwenden, um mehr Metadaten zu den Dateien hinzuzufügen", erklärt Richard Zirkel.
Richard Zirkel, Quantum: „Vor allem in Europa haben wir gesehen, dass die Einhaltung der DSVGO ein Treiber für Investitionen in On-Premise-Backup-Storage ist.“
„Die richtige Aufbewahrung der richtigen Daten am richtigen Ort - sei es aktiver Speicher oder Langzeitarchivierung – ist entscheidend für Kostenersparnisse beim Umgang mit großen Datenmengen“, ist Richard Zirkel von Quantum sich sicher.
ITD: Herr Zirkel, Ihr Unternehmen „mischt“ seit rund 40 Jahren in der Datenspeicherung mit. Welche großen Veränderungen hat der Markt in dieser Zeit gesehen?
Richard Zirkel: Was sich in den letzten zehn Jahren stark verändert hat, ist vor allem das Wachstum der unstrukturierten Datenmengen. Allein in den letzten fünf Jahren sind die Datenmengen, die von Maschinen und Geräten erzeugt werden, exponentiell gewachsen. Der frühe Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) und maschinellem Lernen sowie die verschiedenen Möglichkeiten, diese Daten wiederzuverwenden, veranlassen Unternehmen dazu, anders über ihre Speicheranforderungen und ihre Speicherinfrastruktur nachzudenken. Außerdem glaube ich, dass die Einführung von Public Cloud Services, Cloud Services für Storage und Infrastruktur sowie andere IT- und Datenservices zu den größten Trends des vergangenen Jahrzehnts zählen. Wir bei Quantum glauben, dass es in den nächsten fünf bis zehn Jahren weiterhin einen signifikanten Trend Richtung „As a Service“-Geschäftsmodellen und Software-definierten Technologien geben wird, die Cloud Native oder Cloud First sind. Im Mittelpunkt steht dabei die Idee, dass Menschen Technologie auf eine Cloud-ähnliche Weise nutzen wollen – gleich, wo auch immer sich ihre Daten befinden mögen.
ITD: Aus welchen Branchen stammen Ihre Kunden?
Zirkel: Aufgrund unserer langjährigen Geschichte im Bereich Backup und Datenaufbewahrung stammen unsere Kunden aus allen möglichen Branchen. Denn Unternehmensdaten müssen unabhängig der Branche zuverlässig gesichert und geschützt werden.
ITD: In welchem Segment sind Ihre Lösungen dabei aktuell besonders gefragt?
Zirkel: In den letzten Jahren haben wir uns verstärkt auf die Branchen konzentriert, in denen es große Mengen an unstrukturierten Daten gibt. Unternehmen aus der Medien- und Unterhaltungsbranche vertrauen uns seit Jahrzehnten. Wir sind seit vielen Jahren führend im Bereich der High-End-Postproduktion und die meisten Studios der weltweit größten Broadcaster und Postproduktionsfirmen nutzen unsere Lösungen, um Filme oder TV-Shows zu produzieren. Solche Unternehmen mussten sich schon lange mit der Datenflut und dem „Verschieben“ von Daten in unterschiedlichen Workflows auseinandersetzen. Wir konnten unsere Expertise und unsere Erfahrung aus der Arbeit mit Unternehmen im M&E-Sektor auf andere Branchen übertragen. In fast allen Branchen werden z.B. Videos für Schulungszwecke oder Werbung produziert. Es kann sich aber auch um größere digitale Bilder handeln, etwa von Satelliten, selbstfahrenden Autos oder Sensoren. Solche Daten kommen in vielen Branchen wie Gesundheitswesen und den Biowissenschaften sowie in verschiedenen Regierungsbehörden und Forschungseinrichtungen immer häufiger vor.
ITD: Lange Zeit wurde das Thema „Datenstrategie“ stiefmütterlich behandelt: Daten wurden erzeugt, gesichert, ablegt und sogar vergessen...
Zirkel: Daten sind heute aktiver als je zuvor – sie sind sozusagen lebendiger. Das hat zwei Gründe. Der erste Punkt ist, dass sich die Daten viel mehr bewegen. Sie werden nicht mehr in einem Rechenzentrum erzeugt, sondern überall: im Weltraum, auf einem Filmset oder irgendwo in einem Labor. Irgendwann müssen diese Daten aber im Rechenzentrum zentralisiert oder in die Cloud verschoben werden. Sie können an verschiedene Standorte, in verschiedene Rechenzentren oder in die öffentliche oder private Cloud verlagert werden, um sicherzustellen, dass die Personen, die sie benötigen, auf sie zugreifen können, um sie zu nutzen. Unternehmen und Organisationen, die in den nächsten Jahren erfolgreich sein werden, sind diejenigen, die herausgefunden haben, wie sie den Wert ihrer Daten voll ausschöpfen können. Mit anderen Worten: Die Unternehmen, die wissen, wie sie diese riesige Menge an unstrukturierten Daten am besten nutzen können, um Wettbewerbsvorteile zu erzielen - unabhängig davon, wo sie gespeichert sind.
Es geht nicht mehr nur darum, Daten zu speichern und zu schützen. Es geht darum, Unternehmen dabei zu helfen, den Wert ihrer Daten zu erschließen und die Daten, die sie bereits haben, zu bereichern – z.B. mit Metadaten und KI. Auf diese Weise können wir ihnen helfen, ihre Geschäftsprobleme zu lösen und sich von ihren Marktbegleitern zu differenzieren, basierend darauf, wie sie diese Daten nutzen.
ITD: Wie tragen Sie diesen veränderten Ansprüchen Rechnung?
Zirkel: Unternehmensdaten müssen überall verfügbar sein, sie müssen zuverlässig erfasst werden und auch zu einem späteren Zeitpunkt wiederverwendet werden können. Kein einzelnes Produkt ist in der Lage, alle Anforderungen an diese Daten zu lösen. Deshalb ist es unsere Philosophie, ein Portfolio an End-to-End-Lösungen für unstrukturierte Daten anzubieten, indem wir Technologien und Services so kombinieren, dass sie die Anforderungen unserer Kunden optimal erfüllen. Unser Plattformansatz ermöglicht es unseren Kunden, den Wert ihrer Daten zu erschließen; das spart Zeit, Geld und Stress – unabhängig davon, ob die Daten vor Ort oder in der Cloud, auf Disk, Tape oder Object Storage aufbewahrt und genutzt werden.
ITD: Das sind ja durchaus auch strategische Fragen...
Zirkel: Genau. Deshalb sprechen wir mit unseren Kunden nicht nur über die technischen Anforderungen, sondern auch auf geschäftlicher Ebene. Welches Problem versuchen sie zu lösen? Was sind ihre Geschäftsziele? Wie können unsere Technologie und unsere Dienstleistungen ihnen helfen, diese zu erreichen? Das ist uns wichtig.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 7-8/2021. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
ITD: Für Ihre Kunden aus der Forschung, der Unterhaltungsbranche und dem öffentlichen Sektor wird Big Data immer wichtiger. Wie helfen Sie ihnen, die Daten zu managen?
Zirkel: Seit einigen Jahren sind wir mit unserer File System Software und Datenmanagement-Plattform Stornext führend, wenn es um High-End-Postproduktion und Content-Archivierung geht. Wir haben damit Unternehmen und Forschungseinrichtungen wie die Max-Planck-Institute nicht nur bei der Erfassung und Aufbewahrung großer Dateien unterstützt, sondern unsere Software kann diese Daten während ihres gesamten Lebenszyklus auch verwalten. In letzter Zeit haben wir auch das Konzept der Datenklassifizierung entwickelt. Das heißt, in dem Moment in dem Daten erfasst werden, können wir sie auch sofort klassifizieren, was die spätere Suche deutlich erleichtert. Und letztes Jahr haben wir ein Unternehmen namens Square Box Systems übernommen, das eine Media Asset Management Software namens CatDV herstellt. CatDV wird stark in der Medienbranche eingesetzt, um Unternehmen dabei zu helfen, Indexkataloge zu nutzen und die vorhandenen Videoinhalte zu analysieren und anzureichern. Unsere Vision ist es, die Funktionalität dieser Software-Plattform auf andere Branchen auszuweiten, die ebenfalls mit dem Management immer größerer Mengen digitaler Inhalte zu kämpfen haben.
ITD: Sie sprechen die immer größeren Datenmengen an – wird diese „Datenexplosion“ in Zukunft anhalten?
Zirkel: Alle Analysten und Experten prognostizieren für das nächste Jahrzehnt ein exponenzielles Datenwachstum. Es wird dadurch angetrieben, dass so viele Daten von Geräten oder Maschinen wie Videokameras, Satelliten, Genom-Sequenzierungsgeräten, hochauflösenden Kameras und Sensoren in der Fertigung – Stichwort Internet of Things oder 5G – erzeugt werden. Diese Geräte können an einem Tag weit mehr Daten erzeugen als ein Mensch. Ich sehe kein Ende des Datenwachstums in Sicht. Und da in den Daten ein ungenutzter Wert steckt, müssen die Unternehmen sicherstellen, dass sie zugänglich und beispielsweise von Ransomware und anderen Bedrohungen geschützt sind. Unternehmen müssen deswegen die volle Bandbreite an Speichermedien, einschließlich Tape, in Betracht ziehen, um diese riesigen Datenmengen für viele Jahrzehnte sicher zu speichern.
ITD: Im letzten Jahr gab es Pandemie-bedingt ein schlagartiges Aufkommen von Homeoffice-Szenarien und Remote Work. Was bedeutet dies für Ihr Business-Umfeld?
Zirkel: In gewisser Weise hat Covid-19 Trends beschleunigt, die bereits im Gange waren. In den meisten Branchen mussten unsere Kunden einen Weg finden, um Remote Work zu ermöglichen. Das bedeutet, dass sich Daten bewegen müssen und mehr Daten näher an die Anwendungen und die Benutzer der Daten, die sie benötigen, gebracht werden müssen. Wir haben auch festgestellt, dass unsere Kunden mehr Flexibilität bei der Anschaffung von Geräten für die IT-Infrastruktur wünschten. Dies führte dazu, dass mehr Unternehmen Cloud-Services und „As a Service“-Geschäftsmodelle nutzen. Es ist schon lange ein wichtiger Bestandteil unserer Strategie, unser Business mehr Software-getrieben zu gestalten und uns mehr in Richtung „As a Service“ zu bewegen. Dadurch sind wir in der Lage, den Kunden schnellere Updates und mehr Wert aus ihrer Lizenzierung zu bieten.
Dieser Trend wird sich fortsetzen. Ich glaube nicht, dass alles wieder so wird, wie es mal war. Viele Branchen und Unternehmen haben sich bekanntlich darauf eingestellt, auch nach der Pandemie auf Remote-Mitarbeiter zu setzen und bieten hybride Arbeitsmodelle an.
ITD: Was ist bei der Datensicherung und -nutzung oberstes Gebot, wenn verschiedene Parteien – womöglich sogar echtzeitigen – Zugriff auf archivierte Daten benötigen?
Zirkel: Dies ist ein wichtiger Teil unserer Strategie und ein Bereich, in dem Quantum einzigartige Angebote hat. Die Art der Datensicherung ändert sich, und angereicherte Daten werden zum Schlüsselfaktor, um aus vorhandenen Daten Wert zu schöpfen. Das generierte Datenvolumen und die Notwendigkeit, diese Daten für die Wiederverwendung zugänglich zu halten, ist nicht wirklich mit traditionellen Backup-Ansätzen vereinbar. Unternehmen brauchen einen anderen Weg, um die Daten zu schützen, sie zu archivieren und dann dieses Archiv besser zugänglich zu machen. So können wir Technologien wie Objektspeicher-Software mit Erasure Coding einsetzen, um diese großen Datenmengen zu schützen und gleichzeitig den Benutzern den Zugriff auf diese Daten zur Wiederverwendung zu ermöglichen. Das macht es einfacher, Daten aus einem geschützten Archiv abzurufen.
ITD: Wo mehrere Menschen gemeinsam Daten bearbeiten, ist natürlich auch die DSGVO-Compliance Grundvoraussetzung.
Zirkel: Das stimmt und vor allem in Europa haben wir gesehen, dass die Einhaltung der DSVGO ein Treiber für Investitionen in On-Premise-Backup-Storage ist. Produkte wie speziell angefertigte Backup-Appliances und Tape helfen Unternehmen dabei, DSVGO-compliant zu werden und zu bleiben. Zu den Funktionen und Features unserer Lösungen gehören zudem unterschiedliche Möglichkeiten der Verschlüsselung und Sicherung der Daten sowie verschiedene Methoden der Zugriffskontrolle, um zusätzliche Sicherheit zu bieten.
ITD: Die besten Daten sind nur brauchbar, wenn sie in einer zugänglichen Logik strukturiert und dem Nutzer zur Verfügung stehen, wenn er sie braucht. Wie schaffen es Unternehmen, Daten nicht nur zu speichern, sondern auch urbar zu machen?
Zirkel: Bei Quantum haben wir viel in die Entwicklung von Softwareprodukten investiert, die Daten über verschiedene Speichertypen hinweg verwalten können und bieten hierfür ein durchgängiges Lösungsportfolio. Insbesondere die CatDV Asset Management Software wurde entwickelt, um Unternehmen dabei zu helfen, ihre Daten und Dateien zu indexieren und zu katalogisieren sowie die Daten durch das Hinzufügen zusätzlicher Metadaten-Tags und den Einsatz verschiedener KI-Techniken und -Dienste anzureichern. Mit der CatDV-Plattform können große Content-Archive indiziert und über verschiedene lokale und Cloud-Repositories hinweg durchsucht werden.
Wir glauben, dass angereicherte Daten eine wichtige Rolle in der Zukunft der Datenspeicherung spielen werden. Dadurch werden Daten besser auffindbar, zugänglicher und letztlich wertvoller für diese Unternehmen. Dieser Ansatz bringt auch erhebliche Kostenvorteile mit sich. Die richtige Aufbewahrung der richtigen Daten am richtigen Ort - sei es aktiver Speicher oder Langzeitarchivierung – ist entscheidend für Kostenersparnisse beim Umgang mit großen Datenmengen. Wenn Mitarbeiter schneller Daten finden und mit ihnen arbeiten können – beispielsweise in der Produktion – wird die Produktivität erhöht, was sich letztendlich positiv auf den Umsatz auswirkt.
ITD: Binden Sie denn schon heute KI-Ansätze in Ihr Portfolio ein?
Zirkel: Viele unserer Kunden nutzen unsere Produkte und Dienstleistungen als Grundlage für die Entwicklung ihrer eigenen maschinellen Lernalgorithmen. Bei Quantum können wir Daten indexieren und katalogisieren und Unternehmen dabei helfen, ihre Daten zwischen Speichermedien und -ebenen zu verschieben. Wir fangen an, uns in verschiedene KI-Dienste zu integrieren und verschiedene KI-Techniken zu verwenden, um mehr Metadaten zu den Dateien hinzuzufügen. Damit bekommen unsere Kunden einen besseren Einblick in die Daten, die sie speichern. Der zweite Bereich ist das, was wir als AI Ops Software bezeichnen würden. Dabei handelt es sich um eine von uns entwickelte Software, die in der Cloud gehostet wird und Telemetriedaten von jedem unserer Kunden oder jedem Quantum-Speichergerät erfasst, das mit dem zentralen AI Ops-Tool verbunden ist. Das hilft unserem technischen Support-Team und unseren Kunden bei der Fehlersuche, damit Probleme schneller identifiziert, isoliert und letztendlich gelöst werden.
ITD: Welche Entwicklungen werden die Zukunft der Datensicherung maßgeblich und nachhaltig prägen und bestimmen?
Zirkel: Ich denke da z.B. an den Einsatz von KI und Machine Learning, um Daten anzureichern und zu analysieren, bevor sie dort gespeichert werden, wo sie benötigt werden. Dadurch wird die gesamte Art und Weise verändert, wie Daten gespeichert, geschützt und besser zugänglich gemacht werden.
Auch wenn wir glauben, dass Tape zumindest für die nächsten zehn Jahre die kosteneffektivste und geeignetste Speicherlösung für die langfristige Aufbewahrung von sogenannten kalten Daten bleiben wird, beobachten wir die Entwicklungen im Bereich DNA Storage sehr genau. Wenn es kommerziell realisierbar wird, wird diese Technologie die Storage-Branche revolutionieren, weil man so viele Daten auf so kleinem Raum speichern kann. Wir bringen uns frühzeitig in Position und sind Mitglied der DNA Data Storage Alliance.
Bildquelle: Claus Uhlendorf