Marianne Janik, Deutschland-Chefin von Microsoft
ITD: Frau Janik, seit fast einem halben Jahr sind Sie nun Deutschland-Chefin von Microsoft. Wie entwickelt sich der Markt aktuell?
Marianne Janik: Als Folge der Pandemie verlagern immer mehr Unternehmen ihre Geschäftsprozesse in die Cloud. Um den Umstieg zu erleichtern, arbeiten wir beispielsweise eng mit Partnern wie SAP zusammen. Und gerade erst haben wir unser Angebot um neue maßgeschneiderte Branchen-Clouds erweitert. Laut KfW haben 94 Prozent der größeren deutschen Unternehmen Investitionen in Digitalisierung für die nächsten zwei Jahre fest eingeplant. Da geht es um smarte Fabriken oder die Nutzung von digitalen Zwillingen in Forschung und Entwicklung. Viel Bewegung sehen wir im Bereich Industrial Internet of Things (IIoT), wo derzeit laut IDC fast zwei Drittel der deutschen Industrieunternehmen neue Projekte plant.
Welche strategischen Ziele planen Sie, mittelfristig mit dem Unternehmen zu erreichen?
Janik: Wir haben in den letzten Jahren substanzielle Investitionen getätigt, um unsere Cloud-Lösungen aus deutschen Rechenzentren heraus bereitzustellen – mit lokaler Datenhaltung und umfänglicher Sicherheit und Compliance. Deutschland hat gute Voraussetzungen, mit dem Aufbau von Industrieplattformen seine Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Das wollen wir unterstützen, mit Leuchtturmprojekten wie der Open Manufacturing Plattform von BMW, wo Unternehmen aus ganz unterschiedlichen Branchen zusammenarbeiten. Mein persönliches Anliegen ist es aber auch, den Mittelstand bei der digitalen Transformation mitzunehmen. Hier helfen unsere rund 30.000 meist mittelständischen Partnerunternehmen, die eine Brücke schlagen zwischen global erprobten Technologien und lokalen Bedürfnissen – nicht zuletzt auch durch die konsequente Integration von Open-Source-Software.
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ITD: In welchem MS-Geschäftsbereich sehen Sie aktuell das größte Innovationspotenzial?
Janik: Gerade erst hat sich auf der Hannover Messe gezeigt, wie viel Potential in der Vernetzung und intelligenten Steuerung von Maschinen und Anlagen steckt. In Kombination mit Technologiebausteinen wie IoT-Plattformen, Edge Computing und KI ergeben sich vielfältige Anwendungsmöglichkeiten in Bereichen wie Prozesssteuerung und Analytics. Vor allem aber entstehen neue Produkte und Services, die durch maschinelles Lernen immer besser und nachhaltiger werden. Datenbasierte Geschäftsmodelle werden in den kommenden Jahren zum entscheidenden Werttreiber in der Fertigungsindustrie.
ITD: Über die Schweiz haben Sie einmal gesagt, sie schöpfe ihr aktuelles Datenpotenzial nicht aus. Wie bewerten Sie die Situation in Deutschland? Welche Akteure können dazu beitragen, ungenutztes Potenzial zu heben?
Janik: Die „vierte industrielle Revolution“ durch KI gibt Daten eine ganz neue Bedeutung. Doch derzeit bleiben 90 Prozent aller Daten in Deutschland ungenutzt. Laut BDI suchen gerade mal 23 Prozent der deutschen Unternehmen „strategisch regelmäßig nach neuen Datenquellen und Einsatzmöglichkeiten“. Und die wenigsten sind bereit, Daten mit anderen zu teilen. Wenn Deutschland führender KI-Standort werden will, müssen Staat und Wirtschaft zwingend neue Wege finden, den vorhandenen Datenschatz zu heben. Mit ihrer neuen Datenstrategie zielt die Bunderegierung in die richtige Richtung. Aber wir brauchen auch insgesamt einen Kulturwandel, in dem „das Teilen von Wissen nicht als Gefahr, sondern als Chance gesehen wird“, wie es das Hightech-Forum fordert.
ITD: 5G, IoT oder Cloud – die Welt wird immer vernetzter und die Lösungen Ihres Unternehmens tragen dazu bei. Wie wichtig ist es heute, Lösungen zu finden, die eine länderübergreifende Zusammenarbeit ermöglichen und regeln? Und wie planen Sie, dies mit MS in die Tat umzusetzen?
Janik: Die digital vernetzte Welt benötigt an vielen Stellen neue Strukturen, Kooperationsformen und Kommunikationsstandards, die als „digitale Brücken“ auch länderübergreifend funktionieren. Und neben der technischen Interoperabilität brauchen europäische Unternehmen auch verlässliche Regelungen für den interkontinentalen Datenaustausch. Wir unterstützen, wo irgend möglich, so dass sich unsere Kunden und Partner ganz auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können. So sind wir weltweit führend bei der Erfüllung von Standards, Compliance-Anforderungen und Zertifizierungen. Wir haben die grundlegenden Regelungen der DSGVO nicht nur umgesetzt, sondern auf unseren weltweiten Kundenstamm ausgedehnt. Und wir haben auf den Wegfall des Privacy Shield umgehend mit neuen Selbstverpflichtungen reagiert, die unsere Kunden beim Datentransfer umfassend schützen.
Bildquelle: Microsoft Deutschland