Siemens Energy nutzt Information Builders

Den Projektfortschritt im Blick

Beim Bau schlüsselfertiger Gas- und Dampfturbinenkraftwerke nutzt Siemens Energy in Erlangen zum Projektmonitoring eine mit Business-Intelligence-Technologien erstellte Applikation.

  • Siemens Energy

    Regina Mühmel, Financial Director der Energy Solutions Business Unit bei Siemens Energy Fossil

  • Am 6. Oktober 2012 hat Siemens Energy den Testbetrieb des 154-Meter-Rotors an der 6-Megawatt-Offshore-Windenergieanlage im dänischen Østerild gestartet.

  • Ein Installationsschiff installiert eine Windturbine im Windkraftwerk London Array.

Niederlande, Singapur und Portugal sind nur einige Länder, in denen Siemens Energy in den letzten Jahren Gas- und Dampfturbinenkraftwerke (GuD) fertiggestellt hat oder noch baut. Im Durchschnitt generieren Projekte dieser Größenordnungen mehrere Hundert Millionen Euro Auftragsvolumen über einen Zeitraum von ein bis zwei Jahren. Für die Projektabwicklung und Auftragssteuerung in der Planungs- und Bauphase solch Vorhaben ergeben sich beträchtliche Anforderungen an die zur Steuerung notwendigen Daten. Die Verschiedenartigkeit der Daten erhöht hierbei die Komplexität. Eine Überprüfung und Beobachtung des Baufortschritts und der Einhaltung der Kosten sowie der Qualität gab es natürlich immer schon. Die Herausforderung: Die Zahlen sind über mehrere IT-Systeme und manuell erstellte Reports verstreut, sodass ein frühzeitiges Erkennen von Veränderungen nur mit einem hohen manuellen Aufwand durchführbar ist. Dies war bei Siemens Energy der Anlass, um nach einer Lösung zu suchen, die in der Lage ist, zeitnah Daten aus den verschiedenen Quellsystemen zu ziehen, diese zu überwachen und sie damit für die Projektverantwortlichen schnell erfassbar aufzubereiten und als Entscheidungsgrundlage zur Verfügung zu stellen.

Da es am Markt keine Standardsoftware gab, die alle Anforderungen erfüllen konnte, suchte die Geschäftseinheit Energy Solutions der Fossil Power Generation Division gezielt nach einem Tool zur Erstellung einer eigenen Applikation. Schnell war klar, dass die Anforderungen am besten von einer Business-Intelligence-Applikation erfüllt werden konnten. Konkret gefragt war die Nutzung und Aufbereitung von Daten aus den operativen Systemen zur unmittelbaren Überwachung und Steuerung der Projektaktivitäten im Anlagenbau. Eine doppelte Datenhaltung sowie ein manuelles Eintragen bereits vorhandener Daten sollte vermieden werden. Eine zentrale Bedeutung dabei haben zeitliche Aspekte: Die Daten müssen so aktuell sein, dass die Projektverantwortlichen potentielle Abweichungen von den geplanten Abläufen und Projektfortschritten so schnell als möglich erkennen und gegensteuern können. Genau diese Funktionen zählen zu den Kernkompetenzen der operational Business Intelligence. Hier kommen BI-Verfahren und Werkzeuge zum Einsatz, um das Tagesgeschehen in den Geschäftsprozessen eines Unternehmens zu steuern und zu optimieren.

Nach einem ersten Auswahlverfahren blieben drei Produkte verschiedener BI-Anbieter in der engeren Wahl. Sie mussten abschließend in einem Praxistest, nach den Vorgaben von Siemens Energy und in enger Kooperation mit der Siemens-Einheit Corporate Information Technology (CIT), ihr Können unter Beweis stellen. Eine wichtige Rolle in dieser praxisorientierten Machbarkeitsstudie spielten die Funktionen der BI-Applikation zum direkten nativen Zugriff auf unterschiedliche Datenquellen. Genau dieser Aspekt ist bei der Projektsteuerung für GuD-Kraftwerke entscheidend: Es müssen aktuelle Daten unmittelbar aus den operativen Systemen ermittelt und in einem grafischen Dashboard aufbereitet werden, um einen ganzheitlichen Überblick über das Projektgeschehen zu erhalten. „Hier konnte Webfocus von Information Builders seine Stärke des nativen Zugriffs auf operative Daten zeigen“, erläutert Regina Mühmel, Financial Director des Project Office der Energy Solutions Business Unit bei Siemens Energy Fossil in Erlangen.

Im Anschluss an die Grundsatzentscheidung, die Projektsteuerung bei GuD-Kraftwerken mit einer auf Webfocus-basierenden BI-Anwendung durchzuführen, begannen die Arbeiten zur Umsetzung der fachlichen und IT-Anforderungen mit einem Team aus Business und IT. Dazu zählte beispielsweise ein detailliertes Berechtigungs- und Rollenkonzept, das festlegt, wer welche Daten nur sehen oder auch ändern darf: das Managementteam des Unternehmens, die Projektleitung, Verantwortliche auf der Baustelle etc. Um eine sichere End-to-End-Verbindung, etwa mit Daten der operativen Anwendungen aufzubauen wie sie die BI-Anwendung erfordert, kommen unter anderem gängige Authentifizierungsverfahren zum Einsatz.

Desweiteren mussten aus IT-Sicht die Datenquellen, die mit der BI-Applikation genutzt werden, geprüft und vorbereitet werden. In der ersten Ausbaustufe greift die BI-Lösung zur Projektsteuerung auf mehr als 20 unterschiedliche Systeme zu, in der zweiten Stufe sollen es mehr als 25 werden. Unterstützt durch Mitarbeiter von Siemens Energy IT, der Energy Solutions Business Unit und Consultants des Anbieters erfolgte nach knapp sechs Monaten der erste Pilot. Durch die frühzeitige Einbindung von Mitarbeitern aus der Fachabteilung konnte Siemens Energy eigenes Know-how aufbauen, um heute die Applikation selbstständig warten und weiterentwickeln zu können. Ergänzend zu diesen Vorbereitungsarbeiten erfolgte eine Schulung der Anwender in zwei bis dreistündigen Trainingseinheiten.

Cockpit für die Projektsteuerung

Mit Hilfe von zuvor definierten Indikatoren erhalten die Endanwender in einem an das Berechtigungssystem gebundenen Kennzahlen-Cockpit alle wichtigen Daten zum Status und den Fortschritten eines Projekts. Die menügeführte Benutzeroberfläche hilft den Anwendern bei der Abfrage und Zusammenstellung der benötigten Daten, um im Sinne eines Frühwarnsystems beispielsweise Terminverzögerungen rechtzeitig erkennen und darauf reagieren zu können. „Ein wichtiger Aspekt dabei ist das Konzept des Single-Point-of-Truth“, erläutert Regina Mühmel. „Es gibt nur einen einzigen Zugang zu den operativen Daten. Wo früher vielfach manuelle, und damit fehleranfällige Excel-Reports herangezogen wurden und Daten mehrfach geführt wurden, läuft heute vieles automatisiert. Die BI-Applikation wird so zum integralen Bestandteil der Steuerung der kritischen Projektabläufe und führt zu einem effizienten Umgang mit relevanten Daten.“

So lässt sich auf der grafischen Benutzeroberfläche des Project Cockpits auch eine Fortschrittskurve abbilden, die zeigt, ob die geplanten Zeiten zur Fertigstellung bestimmter Bauabschnitte eingehalten werden können. Alle diese aggregierten Informationen aus den operativen Systemen dienen der Vorbereitung von Entscheidungen. „Die betriebswirtschaftlichen Kennziffern und Frühwarnindikatoren können keine Entscheidung vorwegnehmen, sie aber mit einem fundierten und aktuellen Zahlenmaterial absichern“, berichtet Regina Mühmel. „Wissen, Teamarbeit und Kompetenz der Mitarbeiter sind immer noch das Wichtigste und können nie durch ein Tool ersetzt werden. Die richtigen Informationen zur richtigen Zeit zu haben, hilft jedoch, gezielter kommunizieren und früher Maßnahmen ergreifen zu können.“ Das Cockpit bietet sowohl eine Sicht auf einzelne Projekte als auch auf das komplette Portfolio. Durch Portfoliovergleiche besteht die Möglichkeit aus den Erfahrungen zu lernen und Optimierungspotentiale auch auf andere künftige Projekte zu übertragen. Dies kann dann nicht nur für den Bau von GuD-Kraftwerken angewendet werden, sondern potentiell auch für andere Lösungsgeschäfte im Anlagenbau.

Über Siemens Energy:

Der Siemens-Sektor „Energy“ ist einer der weltweit führenden Anbieter an Produkten, Dienstleistungen und Lösungen für die Stromerzeugung mit thermischen Kraftwerken und aus erneuerbaren Energiequellen sowie für die Stromübertragung in Netzen und für die Gewinnung, die Verarbeitung und den Transport von Öl und Gas. Im Geschäftsjahr 2011 (30. September) erwirtschaftete der Sektor einen Umsatz von 27,6 Mrd. Euro und erhielt Aufträge in einem Umfang von rund 34,8 Mrd. Euro.
www.siemens.com/energy

Bildquelle: Siemens Energy

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