Viele Unternehmen stecken noch in alten Prozessen und schlecht angepassten Arbeitsabläufen fest.
Technologische Erfindungen, so transformativ sie auch sein mögen, geschehen nicht über Nacht. Sie folgen oft einer Übergangsphase, in der wir beginnen, ihr Potenzial vollständig zu verstehen. Das liegt daran, dass sie eine neue Denkweise erfordern. Elektrizität hat die Funktionsweise von Fabriken nicht sofort verändert. Sie wurde zunächst genauso eingesetzt wie ihr technologischer Vorläufer, die Dampfmaschine. Es dauerte eine Weile, bis die Fabrikanten das volle Potenzial der Elektrizität nutzten und statt eines riesigen Motors für die gesamte Fabrik mehrere kleine Motoren einsetzten. Auch die Anforderungen an die Arbeitskräfte und ihre Arbeitsweise mussten sich ändern. Schließlich, nach einiger Zeit des Ausprobierens, funktionierte alles reibungslos zusammen – die Technologie, die Prozesse und die Arbeitskräfte.
Industrie 4.0, also die Digitalisierung der Produktion, hat unbestreitbar die nächste Phase der Transformation eingeläutet. Laut Statista gaben 2022 schon 65 Prozent der befragten Industrieunternehmen in Deutschland an, spezifische Industrie-4.0-Anwendungen zu nutzen. Im Jahr 2020 waren es noch 59 Prozent. Ein zentrales Element dieses Digitalisierungsprozesses sind Application Programming Interfaces (APIs).
APIs ermöglichen die Automatisierung industrieller Prozesse, indem sie verschiedene Systeme miteinander verbinden. APIs werden etwa eingesetzt, um Daten aus IoT-fähigen Maschinen oder M2M-Anwendungen auszulesen und für Unternehmensanwendungen verfügbar zu machen. Durch den Zugriff auf diese Daten in Echtzeit können Hersteller die Effizienz, den Umfang und die Qualität ihrer Prozesse verbessern, neue Produkte und Dienstleistungen entwickeln und schneller auf mögliche Störungen reagieren.
So weit die Theorie. In der Praxis stecken viele Unternehmen jedoch meist noch in alten Prozessen und schlecht angepassten Arbeitsabläufen fest. Veränderungen sind auf vielen Ebenen notwendig. Oft übersehen wird dabei die kleinste Komponente, die das Ganze zusammenhält: die APIs. Kein guter Start für eine API-basierte Transformation.
Beispielsweise gibt es auf Architekturebene häufig eine klare Trennung zwischen Frontend und Backend. Das bedeutet, dass die Frontend-Entwickler für die Anwendungen bzw. alles, womit die Geschäftsanwender interagieren, verantwortlich sind, während die Back-end-Entwickler für die Datenbanken und Server zuständig sind. Frontend und Backend kommunizieren über APIs. Diese Struktur funktioniert gut, wenn es nur wenige APIs gibt, die Organisation klein ist, sodass jeder weiß, woran die anderen arbeiten, und sowohl die Frontend- als auch die Backend-Teams mit den APIs vertraut sind.
Da APIs jedoch so wichtig für die Digitale Transformation sind, nimmt ihre Nutzung zu. Laut dem Rapid State of APIs Report 2022 gaben 63 Prozent der befragten Entwickler an, dass sie sich im Jahr 2022 stärker auf APIs verlassen werden als im Vorjahr. Kein Wunder also, dass auch die Zahl der APIs steigt. Fast 40 Prozent der großen Unternehmen verfügen heute über mehr als 250 interne APIs.
Angesichts dieser Größenordnung beginnen Unternehmen, ihre Entwicklungsteams neu zu organisieren. Anstatt die Teams in Frontend- und Backend-Teams zu unterteilen, richten sie diese eher funktional aus, etwa nach einzelnen Themenbereichen. Die Teams sind dann innerhalb ihres Bereichs für den gesamten Stack, inklusive APIs, verantwortlich. Theoretisch funktioniert das sehr gut. In der Praxis stößt diese Struktur jedoch oft an ihre Grenzen.
Wenn jedes Team seine eigenen APIs erstellt, verliert ein Unternehmen leicht den Überblick darüber, wie viele APIs verwendet werden. Es ist nicht ungewöhnlich, dass qualifizierte Fachkräfte ihre Zeit damit verbringen, APIs zu bauen, die bereits von anderen Teams entwickelt wurden. Dies führt zu einer schlechten Nutzung vorhandener Ressourcen, Redundanzen, Wartungsproblemen und einem Sicherheitsrisiko, da es aufgrund der mangelnden Transparenz schwierig ist, Governance, Best Practices und Sicherheitsprotokolle zu gewährleisten.
Die Situation wird noch schlimmer, wenn Teams beginnen, die APIs anderer Teams zu nutzen. Wenn Team A ohne Wissen von Team B dessen API verwendet und Team B seine API aktualisiert, funktioniert die Anwendung von Team A nicht mehr richtig oder bricht sogar zusammen. Sind externe, kostenpflichtige Drittanbieter-APIs involviert, kann die unkontrollierte Nutzung von APIs auch zu einer Kostenexplosion führen.
Um die Vorteile von Industrie 4.0 voll ausschöpfen zu können, benötigen Unternehmen einen zentralen Ort für ihre APIs. Eine einzige Konsolidierungsebene, die hilft, APIs zu finden, zu nutzen und zu verwalten, und die eine reibungslose Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Entwicklungsteams ermöglicht.
Die Lösung ist ein interner API-Hub, der einen zentralen Katalog bereitstellt, der es allen Beteiligten ermöglicht, alle Unternehmens-APIs zu nutzen, wobei Verwaltungsfunktionen die Durchsetzung von Sicherheit, Governance und Best Practices gewährleisten – beisp ielsweise durch eine rollenbasierte Zugriffskontrolle, die genau festlegt, welche Zugriffs- und Nutzungsrechte die einzelnen Benutzer haben.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 3/2023. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
Ein interner API-Hub ist ein wichtiger Baustein auf dem Weg zum übergeordneten Ziel von Industrie 4.0. APIs mögen nur ein kleines Stück Code sein. Aber dieses Stück Code verbindet die einzelnen, für die industrielle Transformation notwendigen Komponenten. Es braucht eine klare API-Strategie und Werkzeuge wie einen internen API-Hub, die helfen, Technologie, Prozesse und Personalressourcen aufeinander abzustimmen, um den vollen Nutzen aus den Transformationsbemühungen zu ziehen.
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