2020 starb eine Frau wegen eines Angriffs von Hackern – Maksim Yakubets soll einer von ihnen gewesen sein.
Dem mutmaßlichen Cyberkriminellen Yakubets wird nachgesagt, dass er ein extravagantes Leben führt und eine Vorliege für Lamborghini-Sportwagen hat.
Der Mann, der in russischen Medien als der „100-Mio.-Dollar-Dieb“ tituliert wurde, wird bereits seit 2019 gesucht. Damals schrieb die US-Bundespolizei den Hacker zur internationalen Fahndung aus. Auf dem digitalen Steckbrief sind 5 Mio. US-Dollar für seine Ergreifung ausgesetzt.
Im Jahr 2020 kamen verschiedene Firmennetzwerke in Deutschland zum Erliegen, darunter die Uniklinik in Düsseldorf. Die Folge war u.a. der Tod einer Frau, da der Zwischenfall die Abmeldung der Notfallaufnahme notwendig gemacht hatte. Das Ziel der Hacker war offenbar Lösegeld für das Entfernen der genutzten Schadsoftware.
Nach Medienberichten gelang es Ermittlern in Deutschland vor Kurzem, die Hintermänner zu enttarnen: Yakubets, dem nachgesagt wird, dass er einen extravaganten Lebensstil führt und eine Vorliebe für Sportwagen der Marke Lamborghini hat, soll die Gruppe angeführt haben. Ihm werden zahlreiche Cyberangriffe vorgeworfen. Sein Landsmann Igor Turashev soll als Chefadministrator involviert gewesen sein. Das Landeskriminalamt NRW vermutet zudem Igor Garshin als einen der Hauptverantwortlichen. Die Justizbehörden mutmaßen, dass sich die Gesuchten in Russland befinden.
Klar ist: Die Zahl der staatlich gelenkten russischen Cyberangriffe steigt noch immer deutlich an. Laut Digitalverband Bitkom gehen 36 Prozent der Online-Attacken auf deutsche Unternehmen im Jahr 2022 auf Cyberkriminelle russischer Herkunft zurück. Die Bedrohungslage in Deutschland ist also unverändert hoch.
„Im vergangenen Jahr haben 84 Prozent aller Unternehmen in Deutschland mit zehn oder mehr Beschäftigten angegeben, dass sie innerhalb von zwölf Monaten Opfer von Datendiebstahl, Spionage oder Sabotage geworden sind. Das heißt: Jedes Unternehmen kann Opfer einer Cyberattacke werden – ganz unabhängig von Größe oder Branche“, warnt Simran Mann, Referentin Sicherheitspolitik beim Digitalverband Bitkom. Die zu Kriegsbeginn vor einem Jahr befürchtete massive Angriffswelle im Cyberraum auf Unternehmen oder staatliche Institutionen westlicher Staaten sei zwar bislang ausgeblieben, dennoch nehmen Cyberattacken seit Jahren zu. „Dabei werden die Angriffe immer professioneller durchgeführt und lassen sich häufiger nach Russland und China zurückverfolgen.“
Unternehmen und Behörden müssten „unbedingt ihre Informationssicherheit ernst nehmen“ und entsprechende Abwehrmaßnahmen ergreifen, die notwendigen Investitionen durchführen sowie einen Notfallplan aufstellen. Damit das gelinge, müsse Cybersicherheit Sache von Geschäftsführung oder Vorstand sein und alle Mitarbeiter müssten regelmäßig geschult werden.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 4/2023. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
Dem schließt sich eine Sprecherin des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) an. Die Unternehmensleitung sei gefragt, Sicherheitsrisiken zu erkennen, Zuständigkeiten zu klären und passende Maßnahmen zu ergreifen. „Am Anfang steht in der Regel eine Inventur der im Unternehmen vorhandenen Daten und die Identifikation der sogenannten Kronjuwelen: Diese für das Geschäft und die Betriebsabläufe unverzichtbaren Daten sollten den höchsten Schutz genießen“, betont die BSI-Sprecherin.
Sie rät Unternehmen dazu, sich regelmäßig einen Überblick über die genutzten Programme zu verschaffen und dafür zu sorgen, dass Sicherheitsupdates so rasch wie möglich eingespielt werden. Unternehmen sollten zudem Sicherungskopien ihrer Daten anlegen und Back-ups regelmäßig testen, um auf der sicheren Seite zu sein, wenn Computer von Viren befallen oder gestohlen werden. „Insbesondere können auf diese Weise auch Schäden durch Erpressungstrojaner – die sogenannte Ransomware – vermieden werden, die sich aktuell bei Cyberkriminellen besonderer Beliebtheit erfreuen.“
Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus