Hacking

„Der Finanzsektor ist ein beliebtes Ziel“

Im Interview erläutert Kai Wähner, Global Field CTO bei Confluent, warum das Thema „Fraud Detection“ besonders für Finanzunternehmen wichtig ist.

Kai Wähner, Confluent

„Es gibt keine Universallösung, um sich vor Betrugsfällen zu schützen“, sagt Kai Wähner.

ITD: Herr Wähner, wie groß ist das Risiko durch Cyberkriminelle aktuell für den Finanzsektor?
Wähner: Mittlerweile erreichen uns fast täglich neue Schlagzeilen zu Hackerangriffen in Deutschland. Dabei nehmen die kriminellen Angreifer jede Branche ins Visier, die für sie gerade lukrativ erscheint. Aufgrund der Fülle an wertvollen, sensiblen Daten sowie des möglichen verheerenden Ausmaßes eines erfolgreichen Angriffs ist der Finanzsektor nach wie vor ein beliebtes Ziel. Durch die zunehmende Transformation des Bankensektors, die nicht zuletzt durch die Pandemie stark vorangetrieben wurde, sind mittlerweile viele Transaktionen, die einst vor Ort und manuell abgewickelt wurden, digitalisiert. Wenn diese Systeme nicht optimal miteinander verbunden und abgesichert sind, können Schlupflöcher entstehen, die Cyberkriminelle gerne ausnutzen. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Laut einer PwC-Umfrage von 2022 über Wirtschaftskriminalität und Betrug waren 51 Prozent der Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren von Betrug betroffen. Das ist der höchste Wert, den PwC je ermittelt hat. Da sollten natürlich die Alarmglocken läuten. Und das tut es auch, die Investitionen in Betrugsabwehr und Sicherheitssysteme steigen, dennoch versagen häufig die Standardmaßnahmen, denn sie können mit der komplexen Bedrohungslandschaft nicht Schritt halten.

ITD: Wie kann Betrug in diesem Bereich wirksam bekämpft werden?
Wähner: Dazu lässt sich sagen: Es gibt keine Universallösung, um sich vor Betrugsfällen zu schützen. Der Mix macht es, und dabei sprechen wir nicht nur von technologischen Lösungen, sondern auch von der Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Abteilungen und Teams. Das klingt simpel, doch in vielen Unternehmen mangelt es an einem abteilungsübergreifenden Ansatz. Silos sind auch hier immer noch an der Tagesordnung. Um Betrug und Cyberkriminalität wirksam zu bekämpfen, bedarf es also eines proaktiven und abteilungs- bzw. teamübergreifenden Ansatzes, gestützt durch die richtigen technologischen Tools.

ITD: Wie können Gefahren frühzeitig erkannt und eliminiert werden, noch bevor sie Schaden anrichten?
Wähner: Dadurch, dass Silosysteme nicht miteinander kommunizieren können und jedes für sich Daten speichert, ist eine umfassende Transparenz der Unternehmenslandschaft fast nicht möglich. Somit scheitert auch die Erkennung von Betrugsmustern und -gefahren. Bei der Betrugserkennung im Bankenwesen ist insbesondere der Kontext entscheidend, denn eine einfache Transaktion reicht kaum aus, um das Potenzial einer drohenden Gefahr zu erkennen. Der nötige Kontext entsteht, wenn weitere wichtige Informationen zu einer Transaktion über mehrere Systeme hinweg gesammelt werden können. So sollten Unternehmen in der Lage sein, die Daten des Nutzers, wie Log-ins, Authentifizierungsdaten, Standort oder App- und Website-Interaktionen schnell zu identifizieren.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 9/2023. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

ITD: Warum greifen herkömmliche Ansätze oft nicht und was bedeutet das für die IT-Sicherheitsstrategie?
Wähner: Herkömmliche Methoden zur Gewährleistung der IT-Sicherheit stoßen zunehmend an ihre Grenzen. Das liegt zum einen an externen und zum anderen an internen Faktoren. Die Bedrohungslage hat sich zu einem komplexen Konstrukt entwickelt, hinzu kommen die immer raffinierteren Vorgehensweisen der Angreifer. Es gibt aber auch interne Ursachen, die die IT-Sicherheit behindern: Ein Hauptproblem ist die Fragmentierung von Sicherheitsdaten. Informationen über Bedrohungen und Vorfälle sind häufig in unterschiedlichen Formaten und aus verschiedenen Quellen verfügbar. Diese Vielfalt erschwert die Zusammenführung und Analyse. Um eine effektivere Abwehr von Sicherheitsbedrohungen zu erreichen, sind verschiedene Maßnahmen erforderlich. Zusammen ergeben sie den idealen Schutz. Die Implementierung von Echtzeitanalysen in Form einer Daten-Streaming-Plattform, wie wir sie anbieten, ist eine wichtige Maßnahme. Anstatt auf historische Daten und einen reaktiven Ansatz zu setzen, kann jede Gefahr in Echtzeit identifiziert und unmittelbar darauf reagiert werden, wodurch ein kohärenteres Bild der Bedrohungslandschaft entsteht. 

Bildquelle: Confluent

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