Benjamin Romberg hat die Umfrage des Fintech-Unternehmens betreut.
ITD: Herr Romberg, wie groß ist der Gender Pay Gap in Deutschland anno 2022?
Romberg: Wir haben das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen in der Finanzbranche untersucht, basierend auf einer Umfrage in der CFO Connect Community. Dabei kam heraus, dass der Gender Pay Gap in Deutschland besonders hoch ist im internationalen Vergleich: 29 Prozent verdienen männliche Finanzfachkräfte hierzulande mehr als ihre weiblichen Kolleginnen. Der internationale Durchschnitt beträgt 13 Prozent – Deutschland ist hier leider Spitzenreiter, gemeinsam mit Großbritannien.
ITD: Inwieweit ist dies vom Tätigkeitsfeld abhängig?
Romberg: Wir sehen in der Umfrage deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Jobs in der Finanzbranche. Bei Führungspositionen ist der Gap im Durchschnitt aller Länder vergleichsweise gering: Bei CFOs etwa liegt er bei 3,5 Prozent und bei VP Finance sogar nur bei 0,3 Prozent. In anderen Positionen ist das Gefälle deutlich größer – in der Buchhaltung z.B. sind es 29 Prozent im Durchschnitt. Ebenfalls können wir unter den Umfrageteilnehmern beobachten, dass deutlich weniger Frauen in der Finanzbranche in Führungspositionen arbeiten als Männer.
ITD: Welchen Einfluss übt der Familienstatus auf das Lohngefälle aus?
Romberg: Hier sehen wir zum Glück eine positive Entwicklung. Tatsächlich ist der Gender Pay Gap im Durchschnitt aller Länder unter den Befragten mit Kindern sogar geringer (8 Prozent) als bei kinderlosen Fachkräften (16,5 Prozent). Dies deutet darauf hin, dass sich die Entlohnung im Laufe der Karriere mehr angleicht, wenn wir davon ausgehen, dass die meisten Befragten mit Kindern bereits etwas älter sind. Allerdings zeigt dies auch gleichzeitig einen deutlichen Missstand auf: Der Gender Pay Gap existiert bereits am Anfang der Karriere. Frauen in der Finanzbranche zwischen 25 und 30 Jahren verdienen im Schnitt 24 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 11/2022. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
ITD: Inwieweit sind deutsche Arbeitnehmer dennoch zufrieden mit ihrem Gehalt und fühlen sich angemessen bezahlt?
Romberg: Insgesamt fühlen sich 65,4 Prozent der befragten Finanzfachleute gerecht bezahlt. Interessanterweise ist der Anteil unter Frauen mit 67 Prozent deutlich höher als bei Männern (55 Prozent), obwohl die tatsächliche Entlohnung das Gegenteil vermuten ließe. Deutsche Arbeitnehmer sind im internationalen Vergleich sehr zufrieden, die Quote hierzulande liegt höher als in Frankreich, Großbritannien und sogar den USA, wo die Gehälter traditionell sehr viel höher ausfallen.
Bildquelle: Spendesk