Die Achillesferse der KI-Technologie sind die Daten und deren Verarbeitung.
Egal ob Maschinenbau, Recruiting, Strafverfolgung oder das Gesundheitswesen – Künstliche Intelligenz ist aus immer weniger Bereichen wegzudenken. Doch diese Entwicklungen haben eine wachsende Debatte über Fairness, Befangenheit und Ethik ausgelöst. Denn obwohl KI das Potential hat, sich positiv etwa auf Gesundheit, Bildung oder Chancengleichheit auszuwirken, ist die positive Wirkkraft nicht garantiert. Stattdessen muss unbedingt dafür gesorgt werden, etwaige Verzerrungen und Fehlgewichtungen zu vermeiden, obwohl – und gerade, weil – sich diese in der menschlichen Entscheidungsfindung oft unbewusst wiederfinden. Aber wie ist das möglich? Die Antwort liegt darin, das Risiko (un)bewusster Vorurteile (Biases) – strategisch zu priorisieren.
KI macht Lösungen möglich, die vor kurzem kaum vorstellbar oder umsetzbar gewesen wären: Seien es KI-basierte Smartphone-Apps, die Blinden helfen, ihre Umgebung besser wahrzunehmen. Oder Lösungen, die Satelliten oder Drohnenaufnahmen auswerten, um etwa nach Unwettern überflutete Straßen zu identifizieren oder Systeme. Überdies gibt es Lösungen, die unkonventionelle Datenquellen nutzen, um Millionen Menschen in Entwicklungsländern zu erlauben, Konten zu eröffnen. Diese und andere analytischen Systeme durchdringen dabei riesige Datenmengen viel schneller und umfassender, als das Menschen je möglich wäre. Doch genau dies ist auch die Achillesferse der KI-Technologie: Die Daten und ihre Verarbeitung.
Denn die Übertragung der möglichen Lösungen aus der Theorie in die Praxis ist immer direkt an die Qualität der Daten und die Präzision der analytischen Methoden gebunden. Und die ist leider nicht immer fehlerfrei: Stattdessen enthalten Datensätze und KI-Algorithmen in zahlreichen Fällen Verzerrungen und Ungenauigkeiten, die enorm schädliche Folgen haben können. Man denke nur etwa an die Gesichtserkennungs-Software, die Menschen mit dunkler Hautfarbe nicht erkennt oder an den Versuch in Florida, zukünftiges kriminelles Verhalten bei Menschen vorhersagen zu können: Eine Analyse von Pro Publica kam zu dem Schluss, dass die eingesetzten Systeme Afroamerikaner doppelt so oft fehlerhaft als hochrisikobehaftet markierten wie Menschen mit heller Hautfarbe. In Summe katastrophale Ergebnisse, die enormen Schaden anrichten können.
Algorithmen haben keine Moral. Entsprechend können sie bereits bestehende menschliche und gesellschaftliche Unwuchten vergrößern, sollten sie sich in den Datenmengen oder Verfahren wiederfinden.
Vor diesem Hintergrund machen sich KI-Forscher, Regierungen, Wirtschaftsexperten und Unternehmer intensiv Gedanken darüber, wie falsche Ergebnisse durch vorbelastete KI-Systeme verhindert werden können. Stand der Forschung ist die Annahme, dass der Schlüssel dazu in sauberen Algorithmen und ausgeglichenen Datenmengen liegt, in denen sich die Systeme entwickeln können. Dies in einem unternehmerischen Umfeld umzusetzen, ist eine enorme Herausforderung. Folgende sechs Schritte helfen aber dabei:
Generell gilt: Künstliche Intelligenz ist unheimlich klug, aber auch unheimlich dumm. Von daher sind KI-Systeme immer nur so gut wie ihre Algorithmen und die Datenbasis, in deren Kontext sie entwickelt wurden. Aus diesem Grund gibt es einen enorm hohen Bedarf an Fachkräften, die Lösungen für bisher ungelöste Probleme konzipieren können. Dass dazu auch gehört, die Systeme selber auf Biases und mögliche Unausgewogenheiten zu prüfen, wird aber zu selten strategisch priorisiert. Dabei sollte jetzt deutlich geworden sein, wie enorm wichtig diese Frage wirklich ist: Denn Technologie hat in sich keinen moralischen Zweck. Alle Lösungen sind Konsequenzen aus menschlichen Entscheidungen – und tragen damit das Potential typisch menschlicher Vorurteile mit sich. Damit KI aber wirklich zum Wohle der Gesellschaft beitragen kann, muss an dieser Stelle eingegriffen werden.
* Der Autor Peter Breuer ist Seniorpartner bei der Unternehmens- und Strategieberatung McKinsey. Als Leiter von McKinsey Analytics unterstützt er die Kunden dabei, optimale Ergebnisse entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu erzielen.
Bildquelle: iStock/Getty Images Plus